Private Handys im Unterricht: Baden-Württemberg will Nutzung einschränken
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Baden-Württemberg plant Vorgaben, damit sich alle Schulen mit der Nutzung privater Handys befassen. Einzelne Schulen in der Region Heilbronn und Hohenlohe haben das Thema schon auf dem Schirm.
Von ing/von
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Das Land will die Nutzung von privaten Handys an Schulen einschränken. Das Kultusministerium plant eine schulgesetzliche Regelung, die die Schulen verpflichtet, sich altersangemessene, restriktive Regeln der Handynutzung zu geben – auch um den unterschiedlichen Situationen vor Ort Rechnung zu tragen. Dabei sei auch die jeweilige Altersangemessenheit, etwa bei Grundschulen mit ausschließlich jungen Kindern oder beruflichen Schulen, in denen Erwachsene unterrichtet werden, zu berücksichtigen, so das Ministerium auf Anfrage der Heilbronner Stimme.
Laut Kultusministerium sollen die Regeln alle digitalen Geräte umfassen, auch wenn verkürzt stets nur von Handy die Rede ist. „Es gibt keinen Unterschied, ob Schülerinnen und Schüler in der Pause auf dem Tablet, dem Smartphone oder der Smartwatch in sozialen Netzwerken surfen, statt sich zu bewegen, mit Mitschülern zu kommunizieren oder einfach nur den Körper an frischer Luft zu entspannen“, so eine Sprecherin auf Anfrage.
Kein Handy am Gymnasium in Eppingen: In den Pausen ist wieder viel mehr los
Pause am Hartmanni-Gymnasium Eppingen: Kinder rennen über den Schulhof und spielen an der Tischtennisplatte: Viel mehr ist sei jetzt draußen los, seit es die strengen Handy-Regeln gibt, sagen Schülersprecher Ahmet Yörükce und Miriam Akyüz, eine seiner Stellvertreterinnen. „Die Kleinen toben sich aus“, sagt er.
Die Handys sind tabu, es sei denn die Lehrer erlauben es für den Unterricht. In der Oberstufe dürfen die Geräte nur in den Aufenthaltsräumen frei genutzt werden. Bis vor einem Jahr waren die Regeln sehr locker. Handys waren außerhalb des Unterrichts überall erlaubt. Die Folge: In den Pausen hätten die meisten nur auf ihre Geräte gestarrt. Das ist Geschichte. „Wie interagieren viel mehr“, sagt Miriam Akyüz.
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Handyverbot an Schulen in Baden-Württemberg: Das sagen die Gymnasiasten dazu
Die Haltung unter Jugendlichen sei geteilt. Manch einer lehne das Verbot ab – eben weil es ein Verbot sei, berichten die Schülersprecher. Andere begrüßten es.
Die beiden Gymnasiasten, die dieses Jahr ihr Abitur machen, haben Vorschläge, die strengen Regeln zu lockern: Beispielsweise könnte man den Älteren erlauben, das Handy auch außerhalb der Aufenthaltsräume fürs Lernen zu benutzen. Mancher bereite sich in Fluren auf Klausuren vor, wenn es in den Zimmern zu voll sei, sagt Miriam Akyüz.
Baden-Württemberg will Handy-Nutzung einschränken: Schülersprechern haben Wünsche
Auch Ahmet Yörükce will lockere Regeln, damit Ältere beispielsweise in Pausen schauen können, ob sich Klassenzimmer kurzfristig ändern. Ohnehin werde Digitalisierung immer wichtiger, sagt er.
Von lockeren Regeln hält Schulleiter Ulrich Müller nichts: Dann liefen die Älteren an den Jüngeren mit Handy vorbei, und die wunderten sich. Schon jetzt gebe es Diskussionen, wenn die Jüngeren sehen, dass die Älteren in den Aufenthaltsräumen die Handys nutzen.
Stellen die strengen Handy-Regeln am Eppinger Hartmanni-Gymnasium vor (von links): Ulrich Müller, Ahmet Yörükce und Miriam Akyüz.
Foto: Simon Gajer
Private Handys an Schulen: Nun kündigt das Kultusministerium strengere Regeln an
Der Impuls zu den strengen Regeln sei aus Schülerreihen gekommen, sagt Ulrich Müller. Mit ein Grund sei gewesen, dass die Kinder eben nicht mehr miteinander sprachen, sondern in die Handys schauten.
Dass nun das Kultusministerium einschreitet, ist für Ulrich Müller nur konsequent. Ohnehin hätten alle Schulen das Thema Privatnutzung von Handys auf dem Schirm. Das zu reglementieren sei überall notwendig, sagt er. Unterricht illegal filmen, Mitschüler in Chats mobben: „Das darf kein Einfallstor werden“, sagt er.
Positiver Nebeneffekt des Handyverbots: Jugendliche gründeten eine Schach-AG, um in den Pausen etwas machen zu können. Und erst neulich erkundigten sich Kinder bei Ulrich Müller danach, ob sie eine Strategiespiele-AG gründeten können – für die Pausen. Die komme nun.
Private Handys an Schulen: Öhringer Gymnasium befasst sich mit neuen Regeln
Am Hohenlohe-Gymnasium Öhringen war der Umgang mit Handys Thema der Gesamtlehrerkonferenz diese Woche. Bis jetzt gab es schon Regelungen, sagt Schulleiter Frank Schuhmacher. Dabei wurde differenziert nach dem Alter der Schüler. Während die Handynutzung bei den jüngeren Schülern auf dem Schulgelände gänzlich untersagt war laut Hausordnung, waren die Klassenstufen ab elf zu einem verantwortlichen Umgang aufgerufen.
Allein am Mittwoch seien sechs Handys abgenommen worden, sagt Annegret Lange. Die stellvertretende Schulleiterin weiß: Würden die Lehrer strenger kontrollieren, wären es noch mehr. Doch in den Fünf-Minuten -Pausen hätten die Kollegen andere Dinge zu tun. Und: Oft sehe man nicht auf den ersten Blick, ob das nun ein groß gewachsener Neuner oder ein Elfer sei.
Handy im Unterricht nutzen: Das spricht dagegen
In der Konferenz diese Woche sei deutlich geworden, dass das Thema für das allgemeinbildende Gymnasium mehrere Facetten hat. „Es gibt auch Eltern, die erwarten, dass ihr Kinder jederzeit auf das Handy schaut, und fragen alle halbe Stunde, was das Kind wo mache“, berichtet Annegret Lange von einem ganz aktuellen Fall. Damit auch viel Verständnis der Eltern da sei, wäre für sie eine landes- oder gar bundesweite Regelung begrüßenswert. Und möglichst auch für alle Schularten. Denn andere Regelungen an den beruflichen Gymnasien könnten ihrer Meinung nach dazu führen, dass mehr Schüler wechseln, um dann an den beruflichen Gymnasien wie Erwachsene behandelt zu werden.
Am HGÖ hat sich nun eine Arbeitsgruppe gegründet, um das Thema von allen Seiten zu beleuchten und eine funktionierende Regelung zu finden.
Was Annegret Lange ablehnt: Handys im Unterricht zu nutzen: Damit würde man all den Eltern in den Rücken fallen, die eine restriktive Handynutzung von ihren Kindern einfordern.
Auch Jana Kolberg, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft für Main Tauber/Hohenlohe, ist es wichtig, dass im Zusammenhang mit mobilen Endgeräten nicht allein über Verbote geredet wird. „Die Schüler haben auch einen Nachhauseweg und Freizeit. Wichtig ist, dass sie den vernünftigen Umgang mit den Medien lernen, einschätzen können, welchen Quellen sie vertrauen können, wo Gefahren durch Cyber-Mobbing beispielsweise lauern“, setzt sie auf Aufklärung.
In Heilbronn sorgt für Aufsehen, dass längst nicht alle Gymnasien allen Kindern Tablets für die Nutzung zu Hause ausgeben. Die Geräte stünden den Schülern theoretisch zur Verfügung, bezahlt von Stadt Heilbronn und Dieter-Schwarz-Stiftung. Schulen begründen ihr zögerliches Verhalten unter anderem mit fehlenden Jugendschutzfiltern außerhalb des Schul-WLANs. Daran wird laut Stadtverwaltung allerdings gearbeitet.
Auf Anfrage betont nun das Kultusministerium dazu: Die Konzepte zum Einsatz von Tablets in der Schule und auch für Hausaufgaben seien alters- und entwicklungsangemessen von Schulen zu entwickeln und umzusetzen. „Es ist durchaus möglich, dass formal vergleichbare Schulen vor Ort zu unterschiedlichen Bewertungen und konzeptionellen Schlüssen kommen“, so eine Sprecherin des Ministeriums.
Die Sprecherin betont zudem: Die Nutzung zu Hause sei zu unterschieden in eine schulische und eine private Nutzung. „Es ist außer durch Regeln quasi nicht möglich, eine private Nutzung digitaler Endgeräte zu beschränken.“ Technische Beschränkungen könnten oft in gewisser Weise umgangen werden. Klar ist fürs Ministerium, wer auf Regeln zu Hause zu achten hat: „Die Verantwortung obliegt in der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft den Eltern im heimischen Umfeld.“ Schulische Geräte würden technisch so konfiguriert, dass bestimmte missbräuchliche oder dysfunktionale Nutzungen nicht möglich sind. „Dies hat aber seine Grenzen.“
Von landesweit einheitlichen Regeln, damit alle Schüler gleichermaßen Zugriff auf Geräte haben, hält das Kultusministerium nichts. Solche Vorgaben müssten alle vor Ort denkbaren Variablen einschließen und wären daher so komplex und differenziert, „dass die Gefahr bestünde, am Ende ein Übermaß an Bürokratie bei gleichzeitig mangelnder Umsetzbarkeit zu schaffen“. Die Sprecherin betont gegenüber stimme.de: „Die Lösung, dass eine Schule vor Ort konzeptionell mit Blick auf Lehrkräfte vor Ort, Lernende und konkrete Aufgaben entscheidet, hat sich als sinnvoll erwiesen.“ ing
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