Kultusministerin Shopper will private Nutzung von Handys an Schulen einschränken
Mal kurz in der Pause durch Tiktok scrollen oder im Klassenzimmer Nachrichten lesen – wenn es nach Kultusministerin Theresa Schopper geht, soll damit an den Schulen in Baden-Württemberg künftig einheitlich Schluss sein.
Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) will die private Nutzung von Handys an Schulen in Baden-Württemberg einschränken. Eine schulgesetzliche Regelung mit klaren Leitplanken für den Umgang mit Smartphones an Schulen sei in Planung, teilte das Ministerium der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart mit. Schulen sollen damit verpflichtet werden, sich eigene Regeln im Umgang mit Smartphones zu geben.
Am Hohenlohe-Gymnasium Öhringen beispielsweise wird sich schon kommenden Mittwoch die Gesamtlehrerkonferenz mit dem Thema beschäftigen, stellt Schulleiter Frank Schuhmacher in Aussicht.
Regelung an Schulen: Schutz vor negativen Einflüssen von Smartphones
"Es geht mir um den Schutz unserer Kinder und Jugendlichen", sagte Schopper der dpa. Die negativen Einflüsse von Smartphones seien inzwischen ausreichend belegt. Als Beispiele nannte Schopper Folgen für die Konzentrationsfähigkeit, das Lernvermögen und die mentale Gesundheit. Auch könnten diese zu Cybermobbing oder emotionaler Vereinsamung führen. "Es ist Zeit, zu handeln", sagte die Ministerin.
Mit ihrem Vorstoß will Schopper die private Nutzung der Geräte angehen. Medienbildung und die sinnvolle Nutzung von Endgeräten im Unterricht seien dagegen in einer zunehmend digitalisierten Welt unerlässlich. Gemeinsames Ziel müsse sein, dass Kinder und Jugendliche nicht unentwegt mit zerstreuenden Inhalten bombardiert würden. "Deshalb brauchen wir klare, altersgerechte Regelungen an unseren Schulen, die auf breite Akzeptanz stoßen", sagte Schopper.

Bis jetzt gelten an Schulen unterschiedliche Regeln
Wie genau die Regeln aussehen sollen, sagte die Ministerin nicht. Details müssten nun erarbeitet werden, teilte ein Sprecher mit. Die Regeln müssten aber auch die Altersangemessenheit berücksichtigen - etwa an beruflichen Schulen, wo Erwachsene unterrichtet würden.
Bislang kann jede Schule selbst festlegen, ob sie die Nutzung von Handys etwa in der Pause über die Hausordnung der Schule verbietet.
Am Hohenlohe-Gymnasium Öhringen gelten bis dato unterschiedliche Regeln für die unterschiedlichen Klassenstufen. Bis Klasse neun darf das Handy während der Schulzeiten nicht benutzt werden, für die Oberstufe bis Klasse 13 dann in Maßen. Das Problem für Frank Schuhmacher: Regeln müssen kontrolliert werden, damit sie konsequent umgesetzt werden. Das sei gerade nicht der Fall. Deshalb erhofft er sich von der Gesamtlehrerkonferenz ein Konzept, das trägt, um eine Reduzierung der Handyzeiten bei den Schülern durchzusetzen. "Wir werden sehen, dass wir das konsequent hinbekommen", ist Schuhmacher zuversichtlich. Bewegte Pausen seien ein besserer Anreiz als Verbote. Man müsse auch mit Blick auf Klausuren und Hausaufgaben die Nutzung von Handys berücksichtigen.
Handy-Regelung an Schulen: Gespaltene Reaktionen auf Schoppers Vorstoß
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht Schoppers Vorstoß kritisch. "Es braucht keine schulgesetzlichen Regelungen", sagt die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein. Die Schulen hätten die Handynutzung schon auf dem Schirm. "Ich war bislang in keiner Schule, die bei dem Thema noch keine klaren Regeln formuliert hat." Ein mögliches Verbot hält Stein für kontraproduktiv: "Die Schulen sind der einzige Ort, wo alle Kinder und Jugendlichen unabhängig vom Elternhaus lernen können, sinnvoll mit dem Handy umzugehen und wo sie über Gefahren beim Medienkonsum aufgeklärt werden." Außerdem sei die digitale Entwicklung rasant. "Ein Schulgesetz hinkt da immer hinterher."
Anders sieht das der Philologenverband, der zahlreiche Gymnasien vertritt: "Es ist gut, dass die Ministerin das Thema in den Fokus rückt", sagte die Landesvorsitzende Martina Scherer, an deren Pforzheimer Schule Handys in den Gebäuden strikt verboten sind. "Jede Schule musste da bisher alleine entscheiden. Da ist etwas Verbindlicheres hilfreich", sagte Scherer. Das sieht Gerhard Brand, der Bundes- und Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, ähnlich: Individuelle Regelungen führten bisher regelmäßig zu größeren Diskussionen mit Schülern und Eltern. "Insofern wäre eine klare und einheitliche Regelung seitens der Kultusverwaltung sehr zu begrüßen."
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