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Von Elvis bis Beethoven
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185 Spieluhr-Schnapsflaschen: Manfred Thiels besondere Sammlung im Museum Bönnigheim

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185 Spieluhr-Schnapsflaschen hat Manfred Thiel gesammelt – nun sind einige davon im Schnapsmuseum Bönnigheim zu sehen. Jede spielt Musik, manche sind echte Raritäten.

Schnaps-Spieluhr-Flaschen-Sammlung: Schnapsmuseum-Leiter Kurt Sartorius (links) und Manfred Thiel, der seine Sammlung spendet.
Schnaps-Spieluhr-Flaschen-Sammlung: Schnapsmuseum-Leiter Kurt Sartorius (links) und Manfred Thiel, der seine Sammlung spendet.  Foto: Ferdinand, Ben

Eine scheinbar einfache Frage bringt Manfred Thiel schwer ins Grübeln: Welche seiner 185 Schnaps-Spieluhr-Flaschen aus der großen Sammlung ist seine liebste? Schließlich winkt er ab: „Da habe ich keine – alle sind toll, die Sammlung ist toll.“ So toll, dass er sie im März dieses Jahres dem Schnapsmuseum in Bönnigheim gespendet hat. Nun sind 90 Exemplare dort ausgestellt.

„Meine Enkel wollten die Sammlung nicht, und Interessenten wollten nur einzelne Exponate“, berichtet der 85-jährige Thiel aus Mundelsheim. „Deshalb war es mir ein Anliegen, die Sammlung dem Schnapsmuseum zu übergeben – sie passt einfach perfekt hierher.“ Museumsleiter Kurt Sartorius nickt: „Schnaps und Musik, das gehört zusammen“, sagt er und hebt eine der Flaschen an. Sofort erklingt die Melodie einer kleinen Drehorgel – ein Trinklied. Manfred Thiel schaut wie ein Kind begeistert auf die spielende Flasche. Wie kam es zu dieser Leidenschaft für Spieluhr-Schnapsflaschen?

Spieluhr-Flaschen im Schnapsmuseum Bönnigheim: Manfred Thiel spendet Sammlung

„In den 70ern ist mir so eine Flasche auf einem Flohmarkt aufgefallen“, erinnert sich Thiel. „Die hat mir so gut gefallen, dass ich immer weiter nach solchen Exemplaren gesucht habe.“ Aus der Entdeckung entwickelte sich ein echtes Hobby – auch seine Frau Ursula ließ sich davon anstecken. „Ich habe über die Jahre einen richtigen Blick dafür entwickelt“, erzählt sie. „Es war jedes Mal eine Freude, wenn wir eine neue Flasche gefunden haben.“ Über Trödel- und Antiquitätenläden in ganz Deutschland ging es sogar bis nach Amerika. „Es ist nicht bei einer Flasche geblieben“, sagt Thiel und lacht.Napoleon, Charlie Chaplin, Oliver Hardy, Sportler, Berufsgruppen, Tierfiguren, Lokomotiven und Instrumente – es gibt kaum etwas, das sich nicht in Thiels Sammlung wiederfindet. Die Flaschen stammen aus aller Welt: von Belgien über Portugal bis nach Japan. Sie spielen einfache Volkslieder aber auch Musikstücke wie „We Are the Champions“, „La Paloma“ oder Beethovens fünfte Sinfonie. „Wir haben jede so für 60 bis 70 Mark gekauft“, erklärt Thiel. Die Besonderheit: Diese Flaschen waren in den 1950er Jahren kurzzeitig im Trend und wurden spätestens in den 80ern nicht mehr produziert.

Manfred Thiel lehnt 1000-Euro-Angebot für Schnapsflasche ab

Nur in sehr geringer Auflage entstand eine limitierte Elvis-Keramikflasche, die wohl das Schmuckstück der Sammlung darstellt. Sie zeigt den King of Rock ’n’ Roll im pinken Blazer mit Gitarre – hebt man sie an, spielt sie „Loving You“. „Mir wurden dafür schon über 1000 Euro geboten“, erzählt Thiel. Er lehnte ab. „Ich bin eben Jäger und vor allem Sammler.“ Nebenbei sammelte Thiel auch Schellackplatten – über 7000 Stück, die er zuletzt verkauft hat.

Die Spieluhr-Schnapsflaschen sind jeweils mit einer individuellen Melodie ausgestattet. Die Spielwerke werden an der Unterseite aufgezogen, am äußeren Flaschenboden befindet sich ein kleiner Stift, der beim Anheben die Mechanik in Gang setzt. Einige Flaschen enthalten zudem eine Figur im Inneren, die sich synchron zur Musik dreht. So genießt der Schnapsliebhaber nicht nur das feine Destillat nach dem Einschenken, sondern auch beste musikalische Unterhaltung.

Die Schnapsflaschen-Sammlung wuchs über die Jahre. „So groß, dass ich mir einen Schrank anfertigen ließ, der eine ganze Wand ausfüllte – ich dachte, das reicht“, sagt Thiel, schüttelt aber gleichzeitig den Kopf. „Das hat bei weitem nicht gereicht – ich hätte die Tiefe großzügiger bemessen sollen.“ Nun ist die vier Meter lange Vitrine leer, dafür ist eine eigens angeschaffte im Schnapsmuseum bis zum Rand gefüllt.„Ich freue mich sehr über die Spende von Herrn Thiel“, sagt Museumsleiter Sartorius. „Ich hätte natürlich auch etwas dafür gezahlt, aber...“ – Thiel unterbricht ihn, nickt zufrieden dankend ab. „Es ist eine einmalige Sammlung, die ganz gut zu uns passt“, ergänzt Sartorius. Die ersten Reaktionen der Museumsbesucher? Sehr positiv und interessiert, berichtet er. Viele Fragen werden gestellt – die wohl nur Thiel beantworten kann.Bleibt noch eine letzte Frage: Welche der Spieluhr-Schnapsflaschen hat Manfred Thiel eigenhändig „geleert“? Thiel schaut verdutzt. „Natürlich gar keine – das wäre als Sammler eine Sünde“, sagt er und lacht. „Wenn noch etwas drin war, bleibt es auch drin.“

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