Schemelsbergtunnel vor der Freigabe: So laufen die letzten Arbeiten auf der Großbaustelle
Nach 14 Monaten Vollsperrung steht der sanierte Schemelsbergtunnel auf der B39 zwischen Heilbronn und Weinsberg kurz vor der Freigabe. Ende Februar beginnt der vierwöchige Einfahrbetrieb. Während dieser Zeit kann es zu kurzfristigen Einschränkungen kommen.
Noch ist nicht alles fertig. Aber fast. In knapp zwei Wochen, am 26. Februar, ist die offizielle Verkehrsfreigabe des Schemelsbergtunnels. Nach dem Festakt und nach fast 14 Monaten Vollsperrung sollen Fahrzeuge wieder ungehindert durch das modernisierte B 39-Verbindungsstück zwischen Heilbronn und dem Weinsberger Tal rollen – in den ersten Wochen womöglich noch mit kurzzeitigen Einschränkungen.
Hier kniet ein Bauarbeiter am Fahrbahnrand und legt letzte Hand an, dort steht ein Mann auf einer Hebebühne und hantiert am Beleuchtungssystem. Die ganz großen Maschinen haben den Tunnel längst verlassen, aber immer noch sind Bauleute am Schaffen. Sie entfernen Folien von den Fluchttüren, fugen einzelne Stellen aus, verpressen kleinere Risse oder verfüllen Schächte mit Blähton. „Derzeit werden Restarbeiten erledigt“, sagt Alexander Metz, zuständiger Projektleiter beim Heilbronner Baureferat Nord des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart. Das RP betreut das fast 42 Millionen Euro teure Großprojekt im Auftrag des Bundes.
Schemelsbergtunnel zwischen Heilbronn und Weinsberg: Neuer Stollen als Fluchtweg
Parallel zum 676 Meter langen Straßentunnel, durch den normalerweise rund 20 .000 Fahrzeuge pro Tag rollen, wurde ein 431 Meter langer Rettungsstollen in den Schemelsberg gegraben. Über zwei Querschläge ist der Stollen, der eine begehbare Breite von 2,25 Metern hat, an die Verkehrsröhre angedockt. Falls es im Tunnel brennt, dient der Stollen als Fluchtweg.

Viel Geld floss auch in die Betriebs- und Sicherheitstechnik im Tunnel selbst. An der Decke zum Beispiel ist ein neues Beleuchtungssystem auf LED-Basis installiert. „Es ist nun im Tunnel durchgängig viel heller“, sagt Metz. Wie hell genau, hängt vom Tageslicht ab. Die Beleuchtung reagiert darauf, damit der Kontrast für die Augen beim Einfahren nicht so groß ist.
Sanierung des Schemelsbergtunnels: Wände haben neue Beschichtung
Die Röhre wirkt auch deshalb heller, weil die Wände bis auf eine Höhe von 3,70 Metern eine neue, weiße Beschichtung bekommen haben. An der einen Seite leuchtet es jetzt alle 20 Meter grün: Die Beschilderung zeigt an, wie weit es nach draußen oder bis zur nächsten Fluchttür Richtung Stollen ist. Auf dem Asphalt verläuft die aktive Leiteinrichtung: Frühere Reflektoren entlang der Notgehwege leuchten nun über eingebaute LED.

Mit der Freigabe Ende des Monats beginnt der Einfahrbetrieb. Vier Wochen lang wird der runderneuerte Tunnel unter Echtbedingungen, also unter fließendem Verkehr, genau beobachtet. Wird womöglich falscher Alarm ausgelöst, weil es irgendwo einen Wackelkontakt gibt? Da der 36 Jahre alte Tunnel nun voller komplexer Technik steckt, muss womöglich hier und da nachjustiert werden. Metz: „Das könnte zu einem kurzzeitigen eingeschränkten Betrieb oder zu kurzzeitigen Sperrungen führen.“
Übrigens: Wie in der Vergangenheit, so muss der Tunnel auch künftig in regelmäßigen Abständen gewartet werden. Dann ist er wie früher mehrere Stunden oder wenige Tage voll gesperrt – und keineswegs ein Pannentunnel, wie manche Menschen immer wieder unterstellten. Metz: „Es ist, wie wenn Ihr Auto zur Inspektion muss. Dann können Sie es auch kurze Zeit nicht nutzen.“
Bauarbeiten im Schemelsbergtunnel: Jede Menge neue Technik installiert
Mit wie viel Technik der Tunnel ausgerüstet wurde, können Normalmenschen kaum erahnen. Vom Feuerlöscher bis zu den Ventilatoren: 10.000 Datenpunkte gibt es in der Röhre und im Stollen. Zehntausende Meter Kabel wurden im Untergrund verlegt. Nicht zugänglich sind diverse Schaltschränke. Stetig wird im Tunnel gemessen und kontrolliert: Verkehrsaufkommen, Geschwindigkeiten, Staus, Lichtdichte, Kohlenmonoxid oder Luftströmung – auf alles reagiert der programmierte Tunnel. Dennoch braucht es für den Betrieb natürlich auch geschultes Personal. Manche Technik ist gar nicht in der Röhre selbst angesiedelt. Metz: „Die übergeordnete Leitzentrale ist im Raum Stuttgart, weitere Technik in der Straßenmeisterei in Abstatt.“

Drei Firmen schulterten das Großprojekt in einer Arbeitsgemeinschaft: Leonhard Weiss aus Crailsheim/Satteldorf, August Reiners aus München und Porr Verkehrstechnik aus Österreich. Auch wenn der Schemelsbergtunnel zwei Monate länger gesperrt blieb als ursprünglich geplant, ist Diplom-Ingenieur Metz dennoch sehr zufrieden. Schließlich seien die Arbeiten – manchmal wurde rund um die Uhr geschafft – technisch sehr anspruchsvoll und umfangreich gewesen. Das Kostenbudget werde wohl „so ziemlich genau eingehalten“.
Schemelsbergtunnel vor Freigabe: Erleichterung in Weinsberg und Erlenbach
Der Schemelsbergtunnel ist zwar die Umfahrung für die Stadt Weinsberg, liegt aber auf Gemarkung Erlenbach. Beide Kommunen hatten vor Beginn der Vollsperrung im Januar 2025 große Sorge, dass der Ausweich- und Schleichverkehr abseits der offiziellen Umleitungsstrecke über die L1101/K2126 und L1036 die Ortsdurchfahrten sehr belasten würde. Wie lief es tatsächlich? „Selbstverständlich haben wir gemerkt, dass der Tunnel gesperrt war“, sagt Weinsbergs Bürgermeisterin Birgit Hannemann. Vor allem wenn die nahe Autobahn mal dicht war, „hatten wir eine massive Belastung in der Innenstadt“. Grundsätzlich seien die Befürchtungen vorab aber schlimmer gewesen als das, was dann tatsächlich war.
Ähnlich äußert sich Erlenbachs Bürgermeister Uwe Mosthaf: „Es gab schwierige Tage.“ Aber alles in allem sei es viel besser gelaufen als gedacht. Die Gemeinde hatte im Vorgriff auf die Sperrung innerörtlich einige Maßnahmen ergriffen. Diese hätten sich genauso bewährt wie die im Vorfeld ertüchtigte Umleitungsstrecke. Dennoch: „Alle Erlenbacher sind froh, wenn der Tunnel wieder offen ist.“
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