Der Schemelsbergtunnel war 1990 nach vier Jahren Bauzeit für den Verkehr freigegeben worden. Er ist die Ortsumfahrung für Weinsberg, liegt aber auf Gemarkung Erlenbach. Der Bau des Rettungsstollens war notwendig geworden, weil für einröhrige Tunnel mit mehr als 400 Metern Länge ein solcher Fluchtweg inzwischen Vorschrift ist. Auch der Tunnel selbst entsprach betriebs- und sicherheitstechnisch nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Das umfangreiche und anspruchsvolle Bauvorhaben wurde maßgeblich vom Heilbronner Baureferat Nord des RP Stuttgart betreut, insbesondere von Projektleiter Alexander Metz und Referatsleiter Dieter Maierhöfer.
Verkehr rollt wieder durch den Schemelsbergtunnel – nach 14-monatiger Sperrung
Mit einem Festakt ist am Donnerstagvormittag der Schemelsbergtunnel zwischen Heilbronn und dem Weinsberger Tal nach 14 Monaten Vollsperrung feierlich wiedereröffnet worden. Der Verkehr rollt seit kurz vor 16 Uhr wieder durch die Röhre.
Um exakt 11.01 Uhr ist der wichtige Augenblick gekommen: Regierungspräsidentin Susanne Bay und Staatssekretärin Elke Zimmer vom Landesverkehrsministerium drücken gemeinsam auf einen roten Knopf – und wenige Augenblicke später geht hinter ihnen im 676 Meter langen Schemelsbergtunnel das Licht an. Applaus von den geladenen Festgästen vor ihnen: Landes- und Kommunalpolitiker, Vertreter von Fachbüros und Baufirmen, von Feuerwehr und Polizei und vom Regierungspräsidium (RP) Stuttgart, das die Tunnelsanierung und den Bau des Rettungsstollens im Auftrag von Bund und Land betreut hatte.
Schemelsbergtunnel feierlich eröffnet: Hoffen auf „stets unfallfreie Fahrt“
Das Drücken des Buzzers symbolisiert die Freigabe der Straßenröhre für den Verkehr, der noch ein paar Stunden warten muss. Ab kurz vor 16 Uhr dürfen die Fahrzeuge das B39-Verbindungsstück zwischen Heilbronn und dem Weinsberger Tal wieder passieren. Denn die tatsächliche Freigabe ist ein recht komplexer Vorgang mit vielen Beteiligten, der nicht in ein paar Minuten erledigt ist.
Susanne Bay wünscht allen Verkehrsteilnehmern eine „stets unfallfreie Fahrt“ durch „diesen wichtigen Verkehrsweg von überregionaler Bedeutung“. Bay ist nicht nur als Regierungspräsidentin vor Ort, sondern auch als Patin für den Rettungsstollen, der ab März 2024 parallel zum Straßentunnel in den Schemelsberg getrieben wurde. „Es war mir wirklich eine Ehre, die Patenschaft zu übernehmen.“
Rettungsstollen am Schemelsbertunnel: Schwerer Arbeitsunfall während der Bauzeit
Der 431 Meter lange Stollen dient als Fluchtweg für Verkehrsteilnehmer, falls es im Tunnel brennen sollte. Er hat eine begehbare Breite von 2,25 Metern – es ging also während der Bauzeit extrem eng zu. Spezialfahrzeuge und Spezialanfertigungen waren notwendig. Bay: „Die Logistik war Wahnsinn.“ Sie habe höchsten Respekt vor der Arbeit der Mineure. Rund 10.000 Kubikmeter Material wurden aus dem Schemelsberg herausgebaggert. Während der gesamten Bauphase wachte eine zierliche Holzfigur der heiligen Barbara am Stolleneingang – jetzt steht sie blumenumkränzt am Rednerpult.
Ganz optimal aufgepasst hat die Schutzpatronin von Bergleuten und Tunnelbauern allerdings nicht: Ein Mann wurde bei den Arbeiten im Stollen schwer verletzt. Es gehe ihm inzwischen so weit gut, arbeitsfähig sei er aber nicht, sagt Rainer Kraile von der Firma August Reiners aus Berlin. Das Unternehmen realisierte gemeinsam mit Leonhard Weiss und mit Porr Verkehrstechnik aus Österreich den Stollenbau und die Tunnelsanierung.
Schemelsbergtunnel und Fluchtstollen: Knapp 42 Millionen Euro wurden investiert
Von den knapp 42 Millionen Euro, die investiert wurden, entfielen etwa 13 Millionen Euro auf den Stollen. Für rund 17 Millionen Euro wurde die Betriebs- und Sicherheitstechnik im Straßentunnel umfangreich erneuert. Unaufschiebbares wurde für rund 5,3 Millionen bereits zwischen 2018 und 2020 erledigt. Knapp sieben Millionen Euro kostete der Straßenbau. „Es wurde viel Geld investiert. Aber bei weitem kein Luxus“, betont Heiko Engelhard, Leiter der Abteilung Mobilität, Verkehr, Straßenbau im RP Stuttgart. Staatssekretärin Elke Zimmer hebt hervor: Eine Investition in die Infrastruktur sei eine Investition in die Zukunft. Und: „Der Tunnel ist nun sicherer, moderner und leistungsfähiger als zuvor.
Das Update war dringend nötig.“ Die Freigabe für den Verkehr nach 14 Monaten Vollsperrung – zwei Monate länger als ursprünglich geplant – sei „ein freudiges Ereignis für die Region. Wir können heute stolz sein.“ Etwa 20.000 Fahrzeuge durchqueren den Tunnel pro Tag.
Schemelsbergtunnel: Pfarrer bittet um göttlichen Segen
Wahrlich feierlich wird es beim offiziellen Akt, den der Musikverein Binswangen umrahmt, als der katholische Erlenbacher Pfarrer Walter Ruoß Gottes Segen erbittet und den Tunneleingang mit Weihwasser benetzt. „Möge dieser Tunnel ein Ort der sicheren Passage sein.“ Der 25 Meter entfernt verlaufende Rettungsstollen sei ein Sinnbild für Sicherheit. „Seine Existenz schenkt uns ein Gefühl der Geborgenheit.“
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare