Wohngeld: Wie Ämter die Herkulesaufgabe stemmen wollen
Die Wohngeldreform stellt die Kommunen vor große Herausforderungen. Allein der Landkreis Heilbronn schafft zehn zusätzliche Stellen, um die erwartete Antragsflut bewältigen zu können.

Die mit Beginn des Jahres 2023 beschlossene Wohngeldreform stellt die Kommunen vor große Herausforderungen. Die Bundesregierung geht davon aus, dass dann 1,4 Millionen Haushalte mit niedrigen Einkommen mehr als bisher einen Anspruch haben werden. Die Zahl steigt damit von 600.000 auf zwei Millionen. Das Wohngeld-Plus-Gesetz ist Teil des dritten Entlastungspakets der Bundesregierung.
Kritik an kurzer Vorlaufzeit
Vor allem für die Ämter bedeutet dies einen erheblichen Mehraufwand. "Das Landratsamt bereitet sich so gut wie möglich auf die Wohngeldreform vor. Wir hatten dafür aber nur eine sehr kurze Vorlaufzeit", sagt Tamara Waidmann, stellvertretende Pressesprecherin im Landratsamt. Die dortige Wohngeldstelle bearbeitet die Anträge der kreisangehörigen Gemeinden, allerdings nicht der Städte Bad Rappenau, Eppingen und Neckarsulm.
Auf die künftig dreifache Menge der Berechtigten hat das Heilbronner Landratsamt mit einer deutlich höheren Anzahl von Stellen reagiert. Bisher waren im Stellenplan für den Bereich Wohngeld acht Stellen vorhanden. "Wir haben hier unverzüglich zusätzliche zehn Stellen geschaffen, die wir auch teilweise mit Kräften aus dem Haus besetzen können", so Waidmann. Allerdings könne man aktuell nicht alle bisher schon vorhandenen acht Stellen durch Wechsel und Ausscheiden besetzen.
Daher rechnet man 2023 mit einer angespannten Personalsituation in diesem Bereich. Waidmann: "Wir versuchen durch Dauerausschreibungen die Stellen so schnell wie möglich nachbesetzen zu können." Es werde aber Verzögerungen auch bei den Auszahlungen durch eine Einlernphase geben. Befristet sind die Stellen bis zum 30. Juni 2024. Waidmann: "Aber wir stellen die Bewerber unbefristet ein."
Heilbronn: Bearbeitung könnte länger dauern
Auch Achim Bocher, Leiter des Amts für Familie, Jugend und Senioren der Stadt Heilbronn, kritisiert die kurze Vorbereitungszeit der Kommunen, nachdem das Gesetz erst Ende November beschlossen wurde. "Das erforderliche Personal wird über den Stellenplan 2023 bereitgestellt. Im Vorgriff wurden bereits Stellen ausgeschrieben."
Die Stadt Heilbronn hat über die sozialen Medien und auch über die städtische Homepage umfangreiche Informationen bereitgestellt. Auch Heilbronn rechnet aufgrund des zu schulenden zusätzlichen Personals mit Verzögerungen bei der Bearbeitung der Wohngeldanträge. Die Stadt Heilbronn wird die Stellen nicht durch Umschichtungen aus anderen Abteilungen besetzen, sondern durch zügige Einstellung und Qualifizierung neu schaffen. Mehrere Mitarbeiter habe man dadurch bereits gewinnen können.
Die große Kreisstadt Eppingen schafft aufgrund der Wohngeldreform eine zusätzliche Vollzeitstelle. "Es ist mit personellen und zeitlichen Engpässen zu rechnen", sagt Sönke Brenner, der unter anderem den Geschäftsbereich Personal und Organisation leitet. Und er kündigt bereits an: "Es werden Rückstände entstehen." Die Stadtverwaltung habe derzeit eine Bearbeitungszeit von rund vier Wochen. Antragsteller müssten sich also auf längere Bearbeitungszeiten einstellen.
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