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Vorstoß ohne Erfolg: IHK will nicht zurück in die Wirtschaftsförderung WHF

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Sieben Jahre nach dem Austritt der IHK Heilbronn-Franken aus der WHF wirbt die Initiative Pro Region für eine Rückkehr der Kammer. Doch die fordert weiterhin eine Neuaufstellung der Fördergesellschaft.

Matthias Neth, Landrat des Hohenlohekreises.
Matthias Neth, Landrat des Hohenlohekreises.  Foto: Reichert, Ralf

Neidisch schaut man sogar aus Stuttgart inzwischen nach Heilbronn. Nach den jüngsten Erfolgen mit Förderzusagen in zweistelliger Millionenhöhe soll die Fördergesellschaft WHF die regionale Wirtschaft noch schlagkräftiger vertreten können. Die Initiative Pro Region will nun die IHK in den Gesellschafterkreis der WHF zurückholen. Damit solle der Zusammenhalt gestärkt und dem Kirchturmdenken etwas entgegengesetzt werden. Die IHK reagiert zurückhaltend.

2014 wurden schon klare Foderungen gestellt

Ein Blick zurück: Eine "effiziente und zukunftsfähige" Wirtschaftsförderung wünschte sich die IHK im Jahr 2014. Kurz zuvor hatte sich die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH (WHF) mit ihrer Bewerbung beim RegioWin-Wettbewerb eine bittere Abfuhr eingeholt, Heilbronn-Franken entging Fördergeld in zweistelliger Millionenhöhe.

Als die IHK anschließend keinen Reformwillen erkannte, stieg sie kurzerhand als Gesellschafterin aus der WHF aus - und riss damit nicht nur ein Loch ins Budget, sondern setzte die Fördergesellschaft auch kräftig unter Druck.

Mit den jüngsten Erfolgen hat die WHF nach Meinung vieler bewiesen, dass ihre Entwicklung seither äußerst erfolgreich war. Ihr Budget liegt derzeit bei 550 000 Euro. Viele der 18 Mitarbeiter (13 Vollzeitstellen) werden aber auch aus projektbezogenen Fördermitteln bezahlt. Dennoch würde die IHK als ein Hauptgesellschafter wichtiges zusätzliches Geld mitbringen.

Landrat Neth: Der richtige Zeitpunkt ist jetzt

"Die WHF hat ihre Hausaufgaben gemacht", sagt etwa der Landrat des Hohenlohekreises, Matthias Neth. "Jetzt ist das Zeitfenster, hier die Weichen zu stellen." Bei einem groß angelegten Treffen von Pro Region vor einigen Tagen gehörte er zu den vielen Stimmen, die sich für eine Stärkung der WHF aussprachen.

Zu den bisherigen Gesellschaftern, den Stadt- und Landkreisen der Region, der Handwerkskammer und dem Regionalverband, soll die IHK wieder an Bord geholt werden.

"Heilbronn wird wahrgenommen", sagt Friedlinde Gurr-Hirsch, die seit gut einem halben Jahr Vorsitzende des Vereins Pro Region ist. Bei Pro Region seien die Reihen geschlossen worden. Jetzt gelte es, dies auch bei der WHF hinzukriegen.

Bei einem Workshop kam der Impuls

Gemeinsam mit dem Beirat, an dessen Spitze Initiator Reinhold Würth steht, mit dessen Stellvertreter Frank Stroh und vielen anderen bereitete sie den Boden für einen konstruktiven Austausch. "Denn ein Wir-Gefühl in unserer Region zu schaffen, das ist immer wieder eine große Herausforderung", sagt Gurr-Hirsch.

Viele neue Köpfe in der Region

Die Chance für einen Neuanfang ergibt sich auch aus einer besonderen Konstellation: Es gibt zahlreiche neue Amtsträger und Führungspersönlichkeiten. Mit Daniel Bullinger als OB von Schwäbisch Hall etwa einen Nachfolger von Hermann-Josef Pelgrim, der seine Stadt in der Vergangenheit gerne als Gegengewicht zu Heilbronn sah.

Mit Christoph Schauder gibt es seit kurzem einen neuen Landrat im Main-Tauber-Kreis. In Heilbronn startet in Kürze Norbert Heuser als Nachfolger von Landrat Detlef Piepenburg. Fred Schulze ist bei Audi Neckarsulm als Werkleiter zurück. Er hatte sich schon vor seinem Weggang 2015 mit dem Thema WHF beschäftigt.

Aus Sicht der IHK hat sich an der Situation nichts geändert

Elke Döring, IHK-Hauptgeschäftsführerin.
Elke Döring, IHK-Hauptgeschäftsführerin.  Foto: privat

Den Schwung der neuen Kräfte sollte Schulze als Pro-Regions-Beiratsmitglied transportieren. Im Auftrag der Initiative suchte er das Gespräch mit IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring. Einen schnellen Erfolg brachte es nicht. "Die Frage einer Rückkehr zur Rolle als Gesellschafter der WHF stellt sich derzeit nicht", erklärt Döring gegenüber der Heilbronner Stimme unbeeindruckt.

Die Vollversammlung der IHK habe 2015 eine neue Organisationsform vorgeschlagen, bei der die unterschiedlichen Belange der ländlichen Räume und der Verdichtungsräume berücksichtigt werden sollten, sowie Große Kreisstädte und Unternehmen aktiv eingebunden werden. Die Steuerung sollte über einen Lenkungsrat erfolgen.

"Dazu ist es nicht gekommen", so Döring. Gleichwohl sei vonseiten der IHK die projekt- und themenbezogene Zusammenarbeit mit der WHF erfolgreich ausgebaut worden. Aktuelles Beispiel sei die Gigabit-Region Heilbronn-Franken.

Die Tür soll offen bleiben

Klaus Mandel, Direktor des Regionalverbands Heilbronn-Franken, vertritt dazu die Meinung: "Es tut der Region nicht gut, dass die IHK nicht Gesellschafter der WHF ist." In der Kommunikation nach außen gebe es so immer diese "Bruchkante", es sei durchaus schon die Frage gestellt worden: "Für wen spricht diese WHF eigentlich?" Bei der WHF betont man dennoch unisono: Die Tür für die IHK steht offen.

Die Region Heilbronn-Franken ist ein Konstrukt, für das schon der passende Name fehlt. Nicht nur der Tourismus tut sich deshalb schwer mit einer einheitlichen Vermarktung nach außen. In der Wirtschaftsförderung nutzt man kreativ die hohe Dichte an teils versteckten, kleineren und größeren Weltmarktführern, um sich zu positionieren.

Doch das einzige Oberzentrum liegt im Südwesten des schuhförmigen Gebildes, weit entfernt von den ländlichen Regionen in Main-Tauber und Hohenlohe. In der Peripherie schwankt vieles zwischen der Hoffnung, von einem erstarkenden Heilbronn profitieren zu können, und der Befürchtung, dabei abgehängt zu werden.

Hohenlohe ähnlich unzufrieden wie die IHK

Nicht umsonst hatten vor sieben Jahren, just zur Schwächephase der WHF, die Rathauschefs der großen Hohenloher Städte ihre eigene Wirtschaftsförderung Hohenlohe Plus gegründet. Parallel zu den Wirtschaftsförderungen der Kommunen, der Kreise und der Dachgesellschaft WHF sollte sich auch Hohenlohe Plus um Themen wie den Fachkräftemangel kümmern.

Für manchen Wirtschaftsboss in Hohenlohe und außerhalb das perfekte Beispiel für ein "Kirchturmdenken", das all den anderen Bemühungen für mehr Einheit zuwiderläuft. Besser sollte man doch die Kräfte bündeln, heißt es auch aus den Reihen der Bürgerinitiative von Pro Region.

Öhringens OB Thilo Michler gibt auf solche Vorhaltungen eine klare Antwort: Der "Masse aus Heilbronn" seien Wertheim, Crailsheim et cetera doch egal. "Hohenlohe Plus ist deshalb sehr gut und sehr wichtig. Wir werden da weiter im Sinne der ganzen Region gut zusammenarbeiten", erklärt Michler. Und die Entscheidung, ob die IHK die WHF wieder stärken soll, könne nur die IHK selbst treffen.

Verständnis vom Heilbronner OB

Heilbronner OB Harry Mergel.
Heilbronner OB Harry Mergel.  Foto: Veigel, Andreas

Verteidigt wird Hohenlohe Plus auch von Heilbronns OB Harry Mergel. "Jeder Raum kann auch für sich werben. Ich habe nichts gegen dezentrale Aktivität." Wo es aber um regionale Anliegen gehe, brauche es die regionale Vertretung der WHF.

Als Vorsitzender der WHF hofft er, dass die jetzt angeschobene Initiative Erfolg hat. "Wir müssen enger zusammenrücken." Pro Region mit seinen vielen namhaften Vertretern biete dafür das Netzwerk, die Software, sozusagen. Die WHF sei die Hardware. Nur zusammen könne das System funktionieren.

 
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