Belästigungen, Schlägereien, Drogen – Wenn der Spaß im Freibad aufhört
Undiszipliniertheiten in Freibädern nehmen immer mehr zu - auch in der Region. Immer mehr Betreiber müssen Security-Personal einsetzen. Mancherorts scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.

Bundesweit sorgen diesen Sommer Freibäder für Negativschlagzeilen: wegen Pöbeleien, Belästigungen, Schlägereien, Alkohol, Drogen und in Berlin mit regelrechten Bandenkriegen. In den meisten Freibädern im Heilbronner Land und in Hohenlohe scheint die Welt noch in Ordnung und der Badespaß ungetrübt zu sein.
Doch offensichtlich nicht überall. Mancherorts drehen bereits Security-Streifen ihre Runden. Und im Oberstenfelder Mineralfreibad wurde wie berichtet am Mittwoch an der Wasserrutschbahn ein handfester Streit ausgetragen.
Krawall im Freibad: In Öhringen wird es Security geben
Der Öhringer Bäderbetriebs-Leiter Christian Hanselmann schlug diese Woche Alarm. Er plant, für kommendes Jahr einen Sicherheitsdienst zu beauftragen. Eine gewisse Entwicklung erkenne er zwar seit Jahren, doch in diesem Sommer hätten Belästigungen, Schlägereien, Drogen und Respektlosigkeiten gegenüber dem Aufsichtspersonal so zugenommen, dass die Aufsicht der Lage kaum mehr Herr werde - und zwar unabhängig von der Aktion, als kürzlich junge Leute zehn Tage lang kostenfreien Eintritt genossen.
Zwar seien es alles keine schweren Zwischenfälle gewesen, doch leide unter der Abwicklung der Dinge die Aufsicht über den Badebetrieb. In einer Woche habe fast täglich die Polizei anrücken müssen.
Auch Heilbronn setzt auf Sicherheitsleute
In Heilbronn scheint es nicht so schlimm zu sein. Aber wenn bei gutem Wetter oder an Wochenenden die Massen strömen, setzen die Stadtwerke Heilbronn zur Unterstützung des Personals "sicherheitshalber" Security ein. Tatsächlich sei der Umgangston in der Neckarhalde und im Gesundbrunnen, "untereinander, aber auch gegenüber anderen, gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, rauer geworden". Teils komme es "gerade bei großer Hitze" auch zu Streitereien, berichtet Ursula Stiefken von der Bäderverwaltung.
Immerhin seien Bademeister und andere Mitarbeiter bisher "nicht schlimmer angefeindet worden". Gründe für Auseinandersetzungen seien meist "private Dinge, die sich hochschaukeln, etwa Eifersüchteleien". Teils machten sich einzelnen das Leben schwer, teils ganze Gruppen. Beteiligt seien "im Prinzip alle Nationalitäten, auch Deutsche". 2023 hätten die Stadtwerke bisher drei Hausverbote ausgesprochen, sagt Stiefken: "Wobei dies auch schon vor Jahren nicht viel anders war".
Kleine Bäder setzen auf individuelle Konfliktlösung
Auch im Solefreibad in Bad Friedrichshall überlasst man nichts dem Zufall: "An besucherstarken Tagen setzen wir Security-Personal ein", sagt der technische Leiter der Stadtwerke, Ulrich Feldmeyer. Es bleibe aber ausschließlich bei Einsätzen an warmen Freibad-Wochenenden. "Wir hatten noch keinerlei Zwischenfälle. Der dauerhafte Einsatz eines Sicherheitsdienstes ist nicht geplant."
Ähnlich verhält es sich in Bad Rappenau: "Die Probleme, die manche Bäder vor allem in Großstädten haben, haben wir nicht", sagt Hauptamtsleiter Wolfgang Franke in Vertretung von Rappsodie-Geschäftsführer Timo Künzel. Konflikte habe man bisher immer noch im Gespräch lösen können. Die Security, die nachts in den Rappenauer Parks unterwegs ist, streife auch das Freibad. Aber tagsüber könne man dort auf Security verzichten: "Und hoffentlich noch lange", sagt Wolfgang Franke.
Keine Probleme gibt es auch im Ernst-Freyer-Bad in Obereisesheim. "Wir sind ein Familienbad, die Klientel sind eher Eltern mit Kindern", berichtet der stellvertretende Betriebsleiter Tobias Laux. Dieses Jahr sei es sogar besonders friedlich: "Wir haben keine Zwischenfälle, keine Beschwerden, die Atmosphäre ist sehr entspannt."
Heile Welt in Bönnigheim und Gemmingen
"Wir haben hier alles im Griff", sagt auch Dietmar Schmid vom Bönnigheimer Mineralfreibad. Es gebe lediglich hin und wieder kleinere Konflikte unter Gästen. Das ist auch in Gemmingen so: "Wir sehen akut keinen Bedarf an Security", sagt Bürgermeister Timo Wolf. Komme es zu größeren Problemen, dann machten die Schwimmmeister von ihrem Hausrecht Gebrauch und riefen auch mal die Polizei. So einen Fall habe es dieses Jahr gegeben: "Das ist aber das langjährige Mittel", erklärt Timo Wolf. kra/ruf/fwi/fri/büc/rik
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare