Waschbären breiten sich bei uns aus

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Der Waschbär breitet sich aus in der Region. Das belegen die Beobachtungen von Experten, die Kot und Fährten ausmachen, aber auch die Wildstrecken der Jäger, die jedes Jahr mehr Waschbären erlegen. Denn es handelt sich um eine invasive Art, ursprünglich war sie nicht hier heimisch.

Der Waschbär wird in der Dämmerung aktiv. Er hat einen buschigen Schwanz, graues Fell und eine charakteristische Gesichtsmaske.
Der Waschbär wird in der Dämmerung aktiv. Er hat einen buschigen Schwanz, graues Fell und eine charakteristische Gesichtsmaske.  Foto: Marc Scharping_stockadobecom2

Mit der Wildtierkamera hat er sie zuerst entdeckt: die Waschbären. "Die sind nachts einfach unterwegs und halten sich nicht an die Ausgangssperre", sagt Gartencenter-Unternehmer Klaus Kölle scherzhaft. Anfang des Jahres hat er sie in seinem Versuchsgarten im Heilbronner Osten gesichtet.

Kölle wird ernst: "Sie klettern über jeden Zaun und graben den Rasen und die Beete um", erzählt er. "Drei Mal die Woche muss man die Löcher zumachen." Er findet: "Es ist eine Plage. Wir haben es deshalb in Absprache mit der Stadt Heilbronn zunächst mit Lebendfallen versucht, leider erfolglos. Deshalb probieren wir nun, sie mit Wildverbissmittel zu vergrämen." Weil es mit der Zeit verdunste, sei es aber nur begrenzt wirksam."

Waschbären lieben Engerlinge

Thilo Eberle, Wildtierbeauftragter der Stadt Heilbronn, weiß, was der Allesfresser in der Erde sucht: "Engerlinge und Regenwürmer. Das ist die pure Eiweißbombe." Im Köpfertal soll es weitere Tiere geben.

Die Tiere gelten als invasive Art

Fakt ist: Der Waschbär breitet sich aus in der Region. Das belegen die Beobachtungen der Experten, die Kot und Fährten ausmachen, aber auch die Wildstrecken der Jäger, die jedes Jahr mehr Waschbären erlegen. Denn es handelt sich um eine invasive Art, ursprünglich war sie nicht hier heimisch. Und: Sie unterliegt dem Jagd- und Wildtiergesetz. Die neuesten Erhebungen stammen von 2019. "Da wurden in Baden-Württemberg 2533 Tiere erlegt, eine Zunahme von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr," sagt Eberle. Dazu kamen 152 Totfunde und 192 Waschbären, die im Verkehr starben.


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Experten halten den Schaden, den Katzen anrichten, für größer

Auswirkungen hat der pelzige Jäger auf die heimische Tierwelt. "Er nimmt Nester aus, frisst Amphibien und Reptilien", sagt Julia Meny, Wildtierbeauftragte des Landkreises Heilbronn und Försterin. Thilo Eberle hält den Schaden, den die Hauskatze und ihre halb verwilderten Artgenossen in der Vogelwelt anrichten, zwar für die größere Gefahr. Und Kreisjägermeister Edgar Häußer hegt für die "lustigen Kerlchen durchaus eine gewisse Sympathie". Trotzdem: "Er gehört nicht in unsere Kulturlandschaft und ist ein stärkerer Räuber als der Fuchs." Der ist allerdings viel häufiger. So wurden 2019 im Stadt- und Landkreis Heilbronn 2300 Füchse erlegt, aber nur 31 Waschbären.

Doch Meister Reineke kann nicht klettern, um an Nester zu kommen, und schwimmt auch ungern, so dass etwa Bodenbrüter wie Enten, die auf einer Insel im See ihr Nest haben, von ihm wenig fürchten müssen. Eine Runde im Wasser zu drehen, schreckt dagegen den Waschbären nicht.

Momentan ist Schonzeit

Bei Niederwildprojekten zum Schutz von Rebhühnern, Fasanen und Feldhasen, die von dem kleinen Bären bedroht sind, wird der "Predator" (Raubtier), wie ihn Häußer bezeichnet, auch in der Region teils gezielt gejagt. Momentan ist allerdings Schonzeit. Dass das Tier mit der markanten Fellzeichnung lokal ein Problem für einige Artengruppen werden kann, sieht auch Marco Lutz so, Bezirksgeschäftsführer des Nabu Heilbronn. Er betont jedoch: Zum Schutz dieser Arten solle der Schutz der Lebensräume im Vordergrund stehen. "Eine Bejagung aus Artenschutzgründen sollte stets genauestens geprüft werden und kann höchstens im Einzelfall etwas bringen."

Vor dem geschickten Kletterer ist auch im Haus kein Stockwerk sicher

Außer der Fauna werden andernorts auch Dächer oder die Haus-Isolation in Mitleidenschaft gezogen. Denn vor dem guten Kletterer ist kein Stockwerk sicher. Schäden von mehreren tausend Euro können entstehen. "Hier in der Region hatten wir bislang eher Bagatellfälle", so Eberle. Försterin Julia Meny rät: Waschbär-Kot im Garten solle man im Hausmüll entsorgen und dabei Mundschutz und Handschuhe tragen, sich Tieren nicht nähern und sie nicht füttern.

Beobachtungen des scheuen "Neubürgers" sind selten: "Vor einigen Tagen war ich in den Weinbergen bei Untergruppenbach-Unterheinriet unterwegs und habe prompt einen kräftigen Burschen gesehen", sagt Eberle. Seine Prognose ist, dass es vorerst bei Zufallsbegegnungen bleibt. "Außer vielleicht in der Paarungszeit, wenn sie balzen."

 

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