Reich gedeckter Tisch zieht die Waschbären an

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Der Allesfresser ist sehr flexibel, was seinen Lebensraum und die Ernährung angeht. Er hat sich vom Raum Mainhardt her ausgebreitet.

Obwohl das Hauptverbreitungsgebiet in Hessen und Brandenburg liegt, ist der Waschbär inzwischen auch im Stadt- und Landkreis Heilbronn flächendeckend anzutreffen, sagt Thilo Eberle, Wildtierbeauftragter der Stadt Heilbronn. Schwerpunkte gebe es in Hohenlohe, im Löwensteiner und im Welzheimer Wald sowie in Mainhardt. Seine Kollegin Julia Meny, Wildtierbeauftragte des Landratsamts Heilbronn, verzeichnet auch Fälle in Gundelsheim und Neckarsulm. Von einer Situation wie in Kassel, wo statistisch auf einen Quadratmeter ein Tier kommt, ist die Region aber noch weit entfernt.

Mülltonnen mit leckeren Obstresten sind für Waschbären interessant

In Heilbronn gab es unter anderem im Köpfertal, im Stadtwald und am Gesundbrunnen Sichtungen. "Im Kreuzgrund hat der Bursche einer älteren Dame immer die Mülltonne umgeschmissen - wegen der leckeren Gemüse- und Obstabfälle. Ich habe ihr geraten, die Tonne im Schuppen zu lagern und sie mit einem Schloss zu sichern," erzählt Eberle. Seitdem habe es keine Beschwerden mehr gegeben. "Wahrscheinlich ist der Vagabund weitergezogen."

Anfangs standen die Tiere unter Naturschutz

Zwei Hauptereignisse seien für die Verbreitung verantwortlich. 1934 wurden die Allesfresser in Hessen bewusst ausgesetzt und standen anfangs unter Naturschutz. 1945 wurde eine Zuchtfabrik für Pelztiere in Brandenburg zerstört. Vorkommen in Frankreich seien darauf zurückzuführen, dass amerikanische Soldaten die Tiere als Maskottchen mitbrachten.

Er ist so groß wie ein Fuchs und schlau

"Der Waschbär ist sehr resistent", sagt Eberle. "Er hat wenig Ansprüche an seinen Lebensraum." Das Tier aus der Familie der Kleinbären wird bis zu 20 Jahre alt, sammelt Früchte und frisst Amphibien, Reptilien und Vögel. Wie ein großer Fuchs hat er bis zu 80 Zentimeter Rumpflänge und wiegt bis zu neun Kilogramm. Seine Tagesverstecke sind alte Fuchsbauten, Baumhöhlen oder Häuser.

"Er ist schlau und schwer zu fangen, gerade mit Fallen", sagt Kreisjägermeister Edgar Häußer. Besonders in der Stadt finde er einen reich gedeckten Tisch vor.

Wildtiere breiten sich im urbanen Raum aus

Wie Wildtiere sich im urbanen Raum ausbreiten, das verblüfft sogar Experten. Steinmarder an der Kilianskirche in Heilbronn, ein Fuchs, der auf der Fußmatte eines Hauses nahe des Pfühlsees ein Nickerchen macht, davon berichten Bürger mit Beratungsbedarf. In Hohenlohe beschäftigt ein Dachs den Wildtierbeauftragten Martin Hans. Denn der Dachs hat seinen Bau so unter dem Bahngleis angelegt, dass dieses sich schon abgesenkt hat.

 

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