Was tun, wenn das Kind Kopfläuse hat?
Egal ob jung oder alt, Läuse können jeden befallen. Mit fehlender Hygiene hat das überhaupt nichts zu tun, denn mit gewöhnlichen Shampoos kommt man den lästigen Tierchen nicht bei. Was also tun, wenn es auf dem Kopf juckt? Außerdem gehen wir der Frage nach, ob Läuse von einem auf den anderen Kopf springen können.

Eines vorweg: Es könnte sein, dass man sich beim Lesen dieses Artikels unwillkürlich am Kopf kratzen muss. Doch das ist ganz normal: "Wenn es um Läuse geht, ist einfach auch ein Ekelfaktor dabei. Es juckt schon, wenn man nur über das Thema spricht", weiß Kinderarzt Wolfgang Schober aus Heilbronn-Böckingen. Wer allerdings bei sich oder seinen Kindern tatsächlich einen Kopflausbefall feststellt, sollte das melden und schnell Gegenmaßnahmen ergreifen.
"Wenn es den Läusen auf einem Kopf zu eng wird, krabbeln sie auf den nächsten", sagt Wolfgang Schober. Derzeit würden kaum Fälle in seine Praxis kommen, so Schober. Die Abstandsregeln würden hier wohl auch ihren Teil dazu beitragen. "In der Regel haben wir nach den Sommerferien die meisten Fälle. Wenn die Kinder aus dem Urlaub kommen, dort vielleicht gecampt und Urlaubsbekanntschaften gemacht haben."
Gar nicht so einfach zu entdecken
Läuse zu entdecken, ist allerdings gar nicht so einfach. Denn die Tiere sind nicht wirklich groß, halten sich sehr nah an der Kopfhaut auf und heften dort winzige Eier ans Haar. "Wenn es nicht allzu viele sind, können sie auch erstmal unbemerkt bleiben", weiß der Kinderarzt. Und genau da liege auch das Problem: "Bis man dann Notiz von ihnen nimmt und es juckt, haben sie sich schon ordentlich vermehrt." Ein Laus-Weibchen lege viele Eier, sogenannte Nissen, heftet diese dicht an der Kopfhaut an. "Im Gegensatz zu Schuppen lassen sich die länglich-ovalen Eier nicht so einfach aus dem Haar schütteln. Nissen sind festanhaftend." Schon nach wenigen Tagen schlüpfen aus den Nissen Larven, die wiederum schnell geschlechtsreif sind.
Nicht nur Kinder, auch Erwachsene können von Läusen befallen werden. "Bei Kinder kommt es häufiger vor, weil sie in der Kita oder in der Schule beim Spielen eher mal die Köpfe zusammenstecken. So können die Läuse von einem auf den anderen Kopf krabbeln. Aber springen können Läuse nicht", weiß Schober.
Kopfläuse sind Lästlinge und laut der Paragraphen 33 und 34 des Infektionsschutzgesetzes (IFSG) namentlich per Virtuelle Poststelle (sicherer Postweg) oder per Fax meldepflichtig, das erklärt das Landratsamt Heilbronn. "Um die Weiterverbreitung zu unterbrechen, hält das Gesundheitsamt telefonisch Rücksprache mit der Gemeinschaftseinrichtungen, um zu beraten, aufzuklären und Maßnahmen zu besprechen", berichtet Pressesprecher Manfred Körner. Bei Lausbefall müssten Kindergarten oder Schule das Vorgehen in einem Hygieneplan festlegen. Manfred Körner sagt, dass Kopfläuse das ganze Jahr über gemeldet werden. "Häufungen zu bestimmten Jahreszeiten können wir nicht feststellen."
Kopflausbefall hat nichts mit fehlender Hygiene zu tun
Laut Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) neigen Läuse nicht dazu, ihren Lebensraum, den behaarten Kopf, zu verlassen. Wenn eine Übertragung erfolgt, so hauptsächlich direkt von Mensch zu Mensch durch Überwandern der Parasiten von Haar zu Haar. Gelegentlich sei die Übertragung auch indirekt möglich - über Gegenstände, die mit dem Haupthaar in Berührung kommen und gemeinsam benutzt werden wie zum Beispiel Haarbürsten oder Mützen.
Haustiere sind keine Überträger von Kopfläusen. Betont wird, dass ein Kopflausbefall nichts mit fehlender Sauberkeit zu tun habe, da Kopfläuse durch das Waschen der Haare mit gewöhnlichem Shampoo nicht beseitigt werden. Enge zwischenmenschliche Kontakte, insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche, begünstigen die Verbreitung von Kopfläusen.
Apothekerin Petra Katz erinnert sich an einen Lausbefall an der Schule ihrer Tochter. "Alle Eltern wurden daraufhin aufgefordert, das eigene Kind zu untersuchen. Mit Unterschrift musste man bestätigen, dass es keine Läuse hat. Dann durfte es wieder in den Unterricht." Zur Behandlung empfiehlt Katz ein spezielles Mittel auf Silikonöl-Basis. "Es verklebt die Atemwege der Laus, wodurch sie stirbt." Das Mittel wird wie ein Shampoo angewendet. "Nach dem Ausspülen sollte das ganze Haare mit einem feinen Kamm durchgekämmt werden, um die Nissen zu entfernen." Nach sieben bis acht Tagen sollte eine zweite Behandlung erfolgen, "damit man wirklich alles erwischt und das Ganze nicht wieder von vorn losgeht".
Fakten zum Erreger und zur Ansteckung
Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts ist die Kopflaus ein flügelloses, ausgewachsen etwa 2,1 bis 3,3 Millimeter großes, dorsoventral abgeplattetes Insekt. Sie lebt in der Regel permanent auf ihrem Wirt im Kopfhaar. Bei massivem Befall können gelegentlich auch andere behaarte Stellen des Oberkörpers (Bart, Augenbrauen, Achselhaare) betroffen sein. Läuse haben drei Paar mit klauenartigen Fortsätzen versehene Beine, mit denen sie sich an den Haaren festhalten und fortbewegen können, sowie Mundwerkzeuge, mit denen sie stechen und saugen.
Sie nehmen mehrmals täglich Blut als Nahrung auf. Zugleich bringen sie Speicheldrüsensekrete in die Wunde ein, die Fremdkörperreaktionen und Juckreiz hervorrufen. Kopfläuse übertragen in unseren Breiten keine Krankheitserreger. Entgegen dem Mythos können Läuse mit ihren Klammerbeinen nicht springen. Eine Ansteckungsfähigkeit ist gegeben, solange Betroffene mit mobilen Läusen befallen sind.
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