Was im GKN-Zwischenlager momentan passiert
Seit knapp einem Jahr wird das Zwischenlager des Atomkraftwerks Neckarwestheim mit schwach und mittelstark strahlenden Abfällen gefüllt. Ein Rundgang.

Es ist gar nicht so einfach, hier hinein zu kommen. Schließlich liegt die Halle, um die es geht, mitten auf dem Gelände des Atomkraftwerks Neckarwestheim, zwischen Kühlturm und Kuppel.
Entsprechend streng sind die Sicherheitsvorschriften, immer wieder stehen Zäune im Weg, geht es durch Drehtore und an Kontrollpunkten vorbei. Dabei soll das Zwischenlager für schwach und mittelstark strahlende Abfälle in einigen Jahren autark arbeiten dürfen, also komplett aus dem Betrieb des − dann vermutlich stillgelegten − Kernkraftwerks ausgegliedert sein. Eine Etappe, die in Obrigheim schon Ende nächsten Jahres erreicht werden könnte.
Hat man erst einmal die letzte Schleuse passiert, führt der Weg Treppen hinauf bis in einen Kontrollraum. Lena Wieland hat heute die Leitung, zusammen mit Betriebsleiter Thomas Taschke führt sie später durch die Anlage.
Nichts wird dem Zufall überlassen

Momentan darf noch keiner rein − eine Einlagerung läuft: Am Schwerlastkran hängt ein Behälter, der an einen genau bestimmten Platz gebracht wird. Der Kranführer lenkt zwar mit dem Joystick, aber da alles genau vorgegeben ist, kann er nur zu einer bestimmten Position steuern. Hier ist schließlich nichts dem Zufall überlassen: Es ist genau festgelegt, wo welche Art Gebinde in der 133 Meter langen, 30 Meter breiten und 21 Meter hohen Halle platziert wird.
Da gibt es sogenannte Konrad-Container, würfelförmige gelbe Stahlkästen, tonnenschwer, da besonders dickwandig. Meist enthalten sie schwach radioaktives Material wie Betonschrott oder zersägte Rohrleitungen.
Dann gibt es Fässer, entweder aus noch dickerem Stahl oder aus Beton, in denen die stärker strahlenden Abfälle sind − zum Beispiel Verdampfer-Harze oder Schrott aus dem Reaktor-Kern. Und im vorderen Teil steht ein Stapel gewöhnlicher, blauer 20-Fuß-Container, wie sie auch auf Schiffen oder Lastwagen transportiert werden. In ihnen werden Reststoffe zwischengelagert, bis sie zur weiteren Zerlegung wieder aus dem Zwischenlager geholt werden.
Denn direkt nebenan arbeiten die Beschäftigten der Zerlegegesellschaft GNR. Im Gegensatz zum Zwischenlager-Betreiber BGZ (Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung), der eine Tochterfirma des Bundes-Umweltministeriums ist, sind sie für eine EnBW-Tochter tätig.
Ab 2027 sollen die Behälter nach Niedersachsen gebracht werden
Das meiste, was in der Halle eingelagert wird, stammt von hier, von der Zerlegung des Kraftwerks GKN 1. Theoretisch dürften auch Abfälle von den stillgelegten Atomkraftwerken Philippsburg und Obrigheim angenommen werden, obwohl es dort eigene Zwischenlager gibt. Bisher ist jedoch alles aus Neckarwestheim gekommen, berichtet Taschke.

Von 2027 an sollen die Behälter dann nach Niedersachsen gebracht werden: Dann wird das Endlager Schacht Konrad den Betrieb aufnehmen. Wie lange es dauert, die Halle zu räumen, stehe jedoch noch nicht fest: Es hängt davon ab, ob die BGZ das gewünschte Logistikzentrum bei Beverungen, auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Würgassen, errichten darf. Denn vor der Einlagerung in das ehemalige Eisenerzbergwerk müssen die Container sortiert werden − nach Inhalt, chemischen und physikalischen Eigenschaften, damit es nicht zu unerwünschten Reaktionen kommt. "Das Logistikzentrum würde den Zeitraum um zehn Jahre verkürzen", sagt Taschke.
So oder so − in Neckarwestheim werden die derzeit etwa 20 Beschäftigten des Zwischenlagers noch lange zu tun haben. Die Zerlegung eines Atomkraftwerks dauert wenigstens zehn Jahre, und so lange müssen auch diese Abfälle angenommen werden. Platz ist für exakt 1899 Behälter, wobei stets fünf aufeinander gestapelt werden können. Die Halle füllt sich zurzeit Tag für Tag ein wenig mehr. Vier Einlagerungen werden täglich angenommen, alles geschieht mit äußerster Sorgfalt und exakter Dokumentation. Die momentan noch recht einsam wirkenden gelben Container in dem riesigen Gebäude bekommen somit immer mehr Gesellschaft. So lange, bis die ersten von ihnen in Richtung Norddeutschland abtransportiert werden.
Weiteres Lager
Neben dem Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, das in einer komplett neu gebauten Halle in Betrieb ist, gibt es auf dem Gelände des GKN noch das Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle − das sind vor allem die Brennstäbe aus dem GKN und aus Obrigheim. Dafür wurden eigens zwei Tunnel in die Wand des früheren Steinbruchs, in dem das GKN errichtet wurde, gebohrt.
Bis 2046 ist deren Betrieb genehmigt − allerdings soll das Endlager, dessen Standort noch nicht feststeht, erst 2050 in Betrieb gehen. Für die Zwischenzeit arbeitet die BGZ derzeit an einer neuen Genehmigung.


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