Was hatten die Heilbronner von der Buga? Und was bleibt?
Nicht nur das verbesserte Image bleibt, auch die Naherholung wird durchaus geschätzt, zeigt eine Studie der Hochschule Heilbronn. Nur der Verkehr profitiert von der Gartenschau wenig.

Was hatten die Heilbronner von der Bundesgartenschau in ihrer Stadt? Und was bleibt? Fünf Studenten der Hochschule Heilbronn (HHN) sind dieser Frage nachgegangen. Ergebnisse liegen jetzt vor. Nach Meinung der Heilbronner hat die Buga Leben in die Stadt gebracht, die Kultur bereichert und den Neckar erlebbar gemacht.
Ein annähernd repräsentativer Datensatz
Die Gruppe aus dem Kurs von Professor Rainer Schnauffer (Betriebswirtschaft und Unternehmensführung) hatte für die Untersuchung rund 560 Personen befragt, darunter 400 Bürgerinnen und Bürger der Stadt Heilbronn. Auf sie war der Fokus gerichtet. Besonders viele wurden über die sozialen Netzwerke erreicht, erläutert Student Robin Winter. Über Online-Fragebögen, aber auch mit persönlichen Interviews ergab sich ein annähernd repräsentativer Datensatz.
Auf die erhofften 1000 Teilnehmer waren sie nicht gekommen, aber: "Die Rücklaufquote war enorm", kommentiert Schnauffer. Nur 26 Teilnehmer hatten die Umfrage begonnen, aber nicht beendet.
An einem gewissen Anteil ging die Buga einfach vorbei
Das Negative vorneweg: Fast 20 Prozent der befragten Heilbronner fühlten sich durch die Buga kein bisschen enger mit der Stadt verbunden. Und in der Tendenz lag dieser Anteils sogar bei 44 Prozent.
Dagegen gaben fast 57 Prozent an, dass ihre Freizeitgestaltung durch die Buga attraktiver geworden ist. Auch die kulturellen Angebote wurden sehr geschätzt. "Trotzdem sieht eine Mehrheit keinen Grund, sich häufiger in der Innenstadt aufzuhalten", weist der Student Domenik Chelo auf einen wichtigen Punkt hin.
Der ÖPNV profitierte nicht auf breiter Front
Die Studie sollte auch das Thema Nachhaltigkeit genauer beleuchten. Beim Thema Verkehr waren die Ergebnisse insgesamt ernüchternd. Die Veranstaltung lieferte für die meisten keinen Grund, vermehrt öffentliche Verkehrsmitteln zu nutzen. Positiv hervorgehoben wurde jedoch, dass Fuß- und Radwege im neuen Stadtteil entstanden sind. "Da sind sich die Leute ziemlich einig, dass sie diese auch in Zukunft nutzen wollen", sagt Chelo.
Eine der Hypothesen war aber auch, dass die nachhaltige Ausrichtung der Buga eine gute Werbung für Heilbronn war. Das bestätigte sich, und zwar sowohl bei den jungen wie auch bei den älteren Teilnehmern, wie Luca Gebert betont.
Der Tourismus wurde vor einigen Jahren noch anders bewertet
Der Vergleich mit einer städtischen Bürgerbefragung von 2012 stellte sich als nicht ganz einfach heraus, weil damals andere Fragen gestellt und eine andere Skala verwendet wurden. "Wir nutzten die Chance trotzdem", sagt Martin Schließus. Und ein Ergebnis stach heraus: "Der Tourismus wurde damals unterschätzt", so Florian Muliqi. 2012 war das Thema kaum beachtet worden. 2019 sah die Mehrheit große Chancen, durch das verbesserte Image auch dauerhaft mehr Touristen nach Heilbronn zu locken.
Der Neckar brachte jedenfalls fast alle zusammen: 90 Prozent der Befragten wollen auch in Zukunft die neuen Zugangsmöglichkeiten zum Fluss nutzen. Nur rund vier Prozent wussten damit nichts anzufangen.
Auf den Punkt gebracht
Rainer Schnauffer brach damit die Ergebnisse auf das Wesentliche herunter: "Die Leute finden: Meinen Alltag hat die Buga wenig verändert, aber die Stadt ist attraktiver geworden und ich kann Dinge tun, die ich vorher nicht machen konnte." Die Studenten hoffen, dass ihre Ergebnisse genutzt werden.
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Kommentare
Gerd Hofmann am 22.01.2020 12:10 Uhr
Ist damit Heilbronn gemeint?
Vom leerstehenden Wollhaus (eine Lösung ist nicht in Sicht) über den öden Kiliansplatz bis hin zum grauseligen K3. Dazwischen Kebabstuben, Handyläden, Optikerketten, Nagelstudios und immer mehr Leerstände. Und natürlich Verkehrschaos, weil die Stadtverwaltung immer noch nicht geschnallt hat, dass der Individual-Stau aus der Innenstadt herausgehört.
Peter Henschel am 21.01.2020 15:10 Uhr
Studie: "Die Studie sollte auch das Thema Nachhaltigkeit genauer beleuchten. Beim Thema Verkehr waren die Ergebnisse insgesamt ernüchternd. Die Veranstaltung lieferte für die meisten keinen Grund, vermehrt öffentliche Verkehrsmitteln zu nutzen." Hierbei wurde eine wesentlich negative Auswirkung völlig ausgeblendet. Die damit verbundene Schliessung der Kranstrasse, zur massiven Belastung der Gerberstrasse und deren Anwohner. Das soll lt. Verwaltung und Gemeinderat auch so bleiben!