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Warum weniger Wegwerfen so schwierig ist

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Die Bundesregierung will die Lebensmittelverschwendung bis 2030 halbieren. Klappen kann das nur, wenn mehr krummes Gemüse im Laden landet und anderes erst gar nicht gekauft wird. Selbst dann noch fehlen verbindliche Regeln, die das Wegwerfen verbieten.

 Foto: Christiane Raatz (ZB)

Seit Jahren werfen Verbraucher in Deutschland viele Lebensmittel in die Mülltonne. 75 Kilogramm sind es pro Person jedes Jahr, etwa die Hälfte davon wäre noch genießbar gewesen. Am heutigen internationalen Tag gegen Lebensmittelverschwendung soll erstmals weltweit auf das Problem aufmerksam gemacht werden.

Die Bundesregierung will die Lebensmittelverschwendung bis 2030 halbieren. In einer aktuellen Studie beziffert das Thünen-Institut die Menge verschwendeter Lebensmittel in Deutschland auf 12 Millionen Tonnen im Jahr. Etwa die Hälfte wird demnach in privaten Haushalten weggeworfen (52 Prozent), die andere Hälfte werfen Produzenten, Handel und Restaurants weg.

So viel Brot, dass es selbst die Tafel nicht losbekommt

Am häufigsten landen in Privathaushalten Obst und Gemüse in der Tonne, gefolgt von selbst zubereitetem Essen und Backwaren. Bei der Heilbronner Tafel kennt man dieses Problem. Derzeit gibt es dort viel Obst und Gemüse, berichtet Andreas Krützfeldt, stellvertretender Leiter des Tafelladens in der Cäcilienstraße. "Wir bekommen so viel, dass wir es gar nicht an den Mann bekommen." Besonders Äpfel und Bananen gibt es in großen Mengen, sagt der 58-Jährige. Was übrig bleibt, gibt er an Lebensmittelretter weiter. "Es wird einfach zu viel produziert."

Auch Brot und Backwaren würden in so großer Zahl hergestellt, dass die Tafel nicht alles abnehmen könne. "Wir bekommen Brot von mehreren Bäckereien in der Region. Was nicht verkauft wird, geht an einen Tiergnadenhof." Bei gekühlten Produkten sehe er oft, dass sie im Supermarkt bereits im Preis reduziert wurden, aber auch dadurch nicht verkauft wurden. Die Lebensmittelhändler entscheiden hierzulande freiwillig, ob und welche Lebensmittel sie an die Tafeln spenden. In Frankreich und Tschechien müssen übrige Lebensmittel per Gesetz an wohltätige Organisationen abgegeben werden.

Ob die Lebensmittelverschwendung bereits eingedämmt wurde, ist unklar

Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) setzt dagegen auf freiwillige Initiativen wie "Zu gut für die Tonne", bei der Ideen gegen Lebensmittelverschwendung vorgestellt werden. Außerdem hat ihr Ministerium Kampagnen zum Thema gestartet. "Darüber hinaus kann beispielsweise die Landwirtschaft noch bedarfsgerechter produzieren", erklärt eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums. "Lebensmittelhersteller sind angehalten, Prozesse so zu optimieren, dass weniger Lebensmittelabfälle entstehen." Viele Supermärkte würden seit Jahren unverkaufte Lebensmittel an die Tafeln spenden.

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Die zur Neckarsulmer Schwarz-Gruppe gehörende Handelskette Kaufland spendet seit Jahren an die Tafeln und arbeitet vereinzelt auch mit Foodsharing zusammen. Das Unternehmen versucht durch eine möglichst genaue Planung im Vorfeld, übrige Lebensmittel zu vermeiden. "Unsere Filialen disponieren täglich bedarfs- und saisongerecht, insbesondere Obst und Gemüse", erklärt ein Sprecher. Kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums würden Produkte preisreduziert. Obst und Gemüse würden kurz vor Ladenschluss günstiger abverkauft.

Im Sommer hatten sich auf Bundesebene 16 Unternehmen dazu verpflichtet, Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung zu ergreifen, darunter auch Lidl. Verpflichtende Maßnahmen sind die Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen und die bessere Erfassung von Daten. Wie weit die Bundesrepublik bei der Halbierung der Lebensmittelabfälle insgesamt gekommen ist, kann das Ministerium jedoch nicht angeben.

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Das Mindesthaltbarkeitsdatum haben viele inzwischen verstanden

Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kritisiert die ungenaue Datenlage. "In Studien wird oft nicht erfasst, was auf dem Feld zurückbleibt und den Weg in den Supermarkt gar nicht findet." Vorgaben für das Aussehen von Obst und Gemüse seien nicht gesetzlich, sondern kämen vom Handel. "Es leuchtet ein, dass ich eine Kiste besser voll bekomme, wenn das Gemüse gerade ist." Es gebe jedoch keinen Hauptschuldigen, betont sie. "Alle Akteure müssen an einem Strang ziehen."

Das Mindesthaltbarkeitsdatum sei für viele kein Grund mehr, Lebensmittel wegzuwerfen. "Die meisten Verbraucher haben inzwischen verstanden, was es aussagt." Problematisch sei, dass Verbraucher oft zu große Packungen kaufen müssten. "Zum einen müssen kleinere Mengen verfügbar sein, zum anderen ist das auch eine Preisfrage."

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