Warnstreiks bei Audi, Kolbenschmidt und Thyssenkrupp
Die IG Metall erhöht den Druck: In der ersten Warnstreikwelle verlassen Tausende Mitarbeiter der Metall- und Elektroindustriebetriebe ihre Arbeitsplätze anderthalb Stunden früher. Kundgebungen sind derweil nicht möglich.

In der Tarifauseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie rollt die erste Warnstreikwelle. Die IG Metall hat für Freitag und Samstag die Mitarbeiter von Audi in Neckarsulm und Heilbronn, von Kolbenschmidt und Huayu Alutec in Neckarsulm, MSI in Neuenstadt, Amphenol-Tuchel in Heilbronn und Thyssenkrupp in Heilbronn und Weinsberg aufgerufen, ihre Schichten anderthalb Stunden früher zu beenden. Ohne Einigung sind weitere Aktionen vor und nach Ostern geplant.
Zuschläge sind für viele entscheidend
Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm, Michael Unser, ist zuversichtlich, dass eine fünfstellige Teilnehmerzahl zusammenkommt. Er steht am Freitagmorgen selbst am Werkstor von Audi in Neckarsulm und spricht mit den Audianern. „Viel Überzeugungsarbeit müssen wir nicht leisten, das haben die Arbeitgeber schon geschafft mit dem Paket, das sie auf den Tisch gelegt haben“, sagt Unser.
Wenn Spät- und Nachtschichtzulagen gekürzt werden sollen, von denen viele Menschen nicht nur bei Audi lebten, dann sei das Motivation genug.
Keine Zeit für eindrucksvolle Bilder
Landesweit erwartet die IG Metall eine Rekordbeteiligung in rund 140 Betrieben. Genauere Schätzungen zur Teilnehmerzahl im Raum Heilbronn lehnt Unser aber ab. Konkrete Zahlen gebe es erst am Montag. „Leider werden wir die große Streikbereitschaft nicht mit Bildern unterlegen können“, sagt Unser im Gespräch mit der Heilbronner Stimme.

In Pandemie-Zeiten sind große Kundgebungen, wie aus der Vergangenheit bekannt, nicht möglich, die Auflagen vom Ordnungsamt seien da auch eindeutig. So gibt es diesmal nur begleitende Aktionen vor den Werkstoren, wo mit Kreidekreisen auf dem Asphalt die Abstandsregeln unterstrichen werden.
Momentan sind die Positionen weit auseinander
Unser hofft auf eine Einigung bis Ostern. Die Vorzeichen dafür stehen nicht allzu gut. Die IG Metall fordert eine Entgelterhöhung von vier Prozent. Außerdem soll vor dem Hintergrund der Transformation in der Automobilindustrie eine verkürzte Vollzeit möglich sein, sprich eine Vier-Tage-Woche mit einem gewissen Lohnausgleich. Für Auszubildende und Duale Studenten brauche es Perspektiven, wie Unser betont.
Die Arbeitgeber stellen Tariferhöhungen frühestens für 2022 in Aussicht und fordern Befreiungen für Betriebe, die in der Pandemie in die Krise gerutscht sind. Die vierte Verhandlungsrunde war Anfang der Woche ergebnislos zu Ende gegangen. Der Arbeitgeberverband Südwestmetall mahnte: „Es kann nicht sein, dass wir uns am Verhandlungstisch konstruktiv aufeinander zubewegen, dieser Prozess aber durch immer schrillere Begleitmusik gestört wird“, so Wilfried Porth, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands.
Weitere Aktionen sind geplant
An der ersten Warnstreikwelle haben sich in den ersten neun Tagen mehr als 122.000 Arbeitnehmer in Baden-Württemberg beteiligt. Am Freitagvormittag gab es zudem einen „digitalen Warnstreik“ mit Musik, Gesprächsrunden und einer Kochshow im Livestream. 18.500 Endgeräte waren laut IG Metall eingewählt. Bezirksleiter Roman Zitzelsberger appellierte an die Arbeitgeber, sich am Verhandlungstisch zu bewegen. Am Montag gehen die Warnstreiks in die dritte Woche.
Weitere Warnstreiks sind in etwa zwei Wochen geplant. Gibt es dann in der nächsten Verhandlungsrunde keine Einigung, folge die dritte Warntstreikwelle nach Ostern, kündigt Michael Unser von der IG Metall in Neckarsulm an. „Wir haben die Befürchtung, dass die Arbeitgeber nicht einsichtig sind.“
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