Viel Geld für ÖPNV: Zabergäubahn könnte profitieren
Der Bund pumpt Milliarden in den öffentlichen Nahverkehr. Davon könnten in der Region lange gehegte Wunschprojekte wie die Reaktivierung der Zabergäubahn massiv profitieren. Das Landratsamt Heilbronn begrüßt die jüngsten Berliner Beschlüsse, äußert sich ansonsten aber eher zurückhaltend.

"Die Rahmenbedingungen sind so gut wie nie zuvor", schätzt Joachim Esenwein. Der Güglinger ist Schriftführer des Vereins Zabergäu pro Stadtbahn und sieht gute Chancen, die Strecke zwischen Lauffen und Zaberfeld zu reaktivieren. Ein wesentlicher Grund für den Optimismus: Der Bundestag hat diese Woche die Änderung des Regionalisierungsgesetzes und des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) beschlossen.
Regionalisierungsmittel, die den Betrieb von Regionalbahnen subventionieren und so auch die Kommunen entlasten können, werden kräftig aufgestockt. Der GVFG-Topf für die Finanzierung von Schienenprojekten wird mit 665 Millionen Euro jährlich angefüttert, doppelt so viel wie bisher. Von 2025 an fließen zwei Milliarden Euro jährlich.
Bahnexperte sieht große Chancen für Projekte
Einen "Riesenfortschritt", sieht Bahnexperte Gerhard Schnaitmann. "Das schafft für den Raum Heilbronn enorme Planungsspielräume", sagt der langjährige Mitarbeiter der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) im Gespräch mit stimme.de. "Und es erhöht die Realisierungschancen sehr." Konkret spricht Schnaitmann von der Zabergäubahn und vom Regelbetrieb auf der Krebsbachtalbahn im Kraichgau nebst Anschluss an das Heilbronner Stadtbahnnetz.
Wesentliche Pluspunkte sind für den Experten neben dem schieren Geldsegen: Das GVFG sieht erstmals eine Planungspauschale vor, die es erleichtert, Projekte voranzutreiben. Förderwürdig sind zudem erstmals "straßenbündige" Abschnitte. Hier laufen die Schienen nicht auf einer separaten Trasse, sondern versenkt in der Fahrbahn wie bei der Stadtbahn im Heilbronner Zentrum. Im Zabergäu könnte das wichtig sein, wenn die Bahn durch Ortszentren verläuft. Außerhalb gibt es die Bahntrasse noch. Sie wird von Bahnenthusiasten regelmäßig vom Gestrüpp befreit.

Nachweis der Wirtschaftlichkeit steht noch aus
Der Haken bei aller Zuversicht: die Zabergäubahn muss den Nachweis erbringen, dass sie wirtschaftlich realisiert werden kann. Dafür gibt es ein Standardverfahren, das in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. Dasselbe gilt für einen möglichen Regelverkehr auf der Krebsbachtalbahn zwischen Hüffenhardt und Neckarbischofsheim.
Dort fahren derzeit nur Ausflugsbahnen. Durch einen wenige Kilometer langen Schienenstrang könnte die Strecke bei Bad Rappenau an die Heilbronner Stadtbahn angebunden werden. "Je mehr Geld von Bund und Land kommt, desto leichter tun sich die Kommunen", begrüßt Hans-Joachim Vogt vom Förderverein Krebsbachtalbahn das Berliner Milliardenprogramm.
Landratsamt gibt sich zurückhaltend
Für den Bahnexperten Gerhard Schnaitmann sind weitere Projekte in der Region seit dieser Woche sicher nicht unwahrscheinlicher geworden - so die Bottwartalbahn, ein Schienen-Bypass im überlasteten Frankenbahn-Abschnitt bei Bad Friedrichshall oder das zweite Gleis bei Möckmühl.
"Das freut uns", kommentiert auch Manfred Körner, Sprecher des Heilbronner Landratsamts. Jetzt müssten aber konkrete Gesetze und Förderrichtlinien abgewartet werden. Noch sei es zu früh, konkrete Aussagen zu treffen und Erwartungen zu wecken, gibt sich die Behörde betont zurückhaltend.
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