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Schritt zur Klimaneutralität: Südwestdeutsche Salzwerke setzen auf eigene Wärme- und Stromversorgung

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Das Bergwerksunternehmen errichtet ein Holzkraftwerk am Stammsitz in Heilbronn. Ein weiteres Traditionsunternehmen im Industriegebiet Nord setzt ebenfalls auf Eigenversorgung.

Seinen Strom erhält der Schacht Franken der Grube Heilbronn bald zu einem Teil aus einem eigenen Holzkraftwerk der Südwestdeutschen Salzwerke.
Seinen Strom erhält der Schacht Franken der Grube Heilbronn bald zu einem Teil aus einem eigenen Holzkraftwerk der Südwestdeutschen Salzwerke.  Foto: Fritze, Heiko

Es soll ein erster Schritt hin zu einem klimaneutralen Unternehmen sein - und er wird die Energieversorgung am Stammsitz gewaltig umkrempeln: Die Südwestdeutschen Salzwerke werden auf dem Gelände der Grube Heilbronn ein Holzkraftwerk errichten. Das Besondere daran: Die Anlage wird Rest- und Abfallholz vergasen, das Gas durch Verbrennen in Wärme und Strom umwandeln und am Ende noch hochreine Holzkohle erzeugen.

Spatenstich soll im Herbst sein

"Solch eine Anlage gibt es noch an keinem Bergwerksstandort", sagt Salzwerke-Technikvorständin Natascha Groll. "Eigentlich ist Holzvergasung eine bewährte Technik, sie wird aber momentan kaum in diesem Maßstab eingesetzt." Das Bergwerksunternehmen rechnet mit einer Investitionssumme im hohen einstelligen Millionenbereich, berichtet sie. Derzeit liefen Verhandlungen mit Herstellern. Spatenstich soll im Herbst sein, die Inbetriebnahme ist für Anfang 2024 geplant.

 


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Entstehen soll das Kraftwerk auf den Parkplätzen neben der Hauptzufahrt zum Grubengelände. "Wir werden die betroffenen Parkplätze verlagern - die Belegschaft wird keinen Parkraum verlieren", verspricht Natascha Groll. Der Platzbedarf für die Anlage und die dazugehörigen Holzlager sei ohnehin gar nicht mal so groß, so dass voraussichtlich nur Parkplätze überbaut würden, die momentan nicht überdacht sind.

Übrig bleibt wertvolle Pflanzenkohle

Das Unternehmen kalkuliert mit etwa 6000 Tonnen Rest- und Altholz, zum Beispiel Grünschnitt von Straßenrändern, die hier im Jahr verarbeitet werden können. Die entstehende Wärmeenergie reiche aus, um den Standort komplett zu versorgen, berichtet die Vorständin. Der Strombedarf am Stammsitz könne künftig zu etwa 15 Prozent aus dem Neubau gedeckt werden. Als Endprodukt fallen etwa 1000 Tonnen hochreine Kohle an, die in der Futtermittelproduktion oder als Dünger für Ackerflächen genutzt werden können. Sie sollen dann weiterverkauft werden - passenderweise ist der Bergwerkskonzern seit Mai 2020 an der Carbuna AG beteiligt, einem Startup mit Sitz in Memmingen, das eben diese sogenannte Pflanzenkohle vermarktet.

 


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"Das ist durchwegs eine gute Sache", meint die Technik-Chefin. "Das ganze Projekt hat einen sehr hohen Effizienzgrad." Durch die Weiterverwendung der Pflanzenkohle werde die Anlage selbst sogar klimapositiv. Auch dank der Erlöse aus der Stromeinspeisung rechne sich das Ganze.

Weitere Projekte sollen entwickelt werden

Insgesamt peilen die Salzwerke an, ein klimaneutrales Unternehmen zu werden, deutet Natascha Groll an. Entsprechende Projekte sollen in diesem Sommer auf den Weg gebracht werden und sich auch auf die anderen Standorte Bad Friedrichshall, Bad Reichenhall und Berchtesgaden erstrecken.

Kraftwerksprojekt in der Nachbarschaft

Mit dem Holzkraftwerk sind die Salzwerke übrigens in guter Gesellschaft: Das direkt benachbarte Chemieunternehmen Brüggemann beginnt bald mit dem Bau eines Biomassekraftwerks. Das bestätigt eine Unternehmenssprecherin. Der Spatenstich sei schon in den nächsten Wochen geplant, zurzeit werde das Gelände vorbereitet. Bis vor kurzem war dort noch der Kleintierzuchtverein Z80 ansässig. Für das Neubauprojekt musste er weichen - nun wurde für ihn von der Stadtverwaltung ein Gelände südlich von Heilbronn-Horkheim gefunden. Brüggemann wollte ursprünglich auch eine Nahversorgung aufbauen, so die Sprecherin, beschränke sich nun aber auf Eigenversorgung.

 


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