Sturz des Heilbronner Käthchens wirft viele Fragen auf
Nach dem Sturz der Käthchen-Statue in Heilbronn gibt es eine Grundsatzdebatte. Wie soll die Stadt mit ihrer Symbolfigur umgehen? Die beschädigte Skulptur soll originalgetreu restauriert werden.
Nach dem Sturz der bronzenen Käthchen-Statue vor einer Woche hat Marc Gundel jetzt eine gute Nachricht. "Ich hatte Kontakt zur Tochter des verstorbenen Bildhauers Dieter Läpple", sagt der Leiter der Städtischen Museen in Heilbronn. "Sie berichtete mir, dass es noch verschiedene Gipsformen vom Käthchen gibt." Die symbolträchtige Skulptur nahe des Fleischhauses war vom Fahrer eines Kleintransporters aus Versehen touchiert worden, so dass sie vom Sockel kippte. Die gravierendsten Schäden sind laut Gundel Risse an den Füßen, die sich ohne Original-Formen, die der Künstler verwendet hatte, viel schwerer hätten reparieren lassen. Läpple hatte die Skulptur 1965 geschaffen.
In den sozialen Netzwerken gab es Kontroversen
Gundel will nun Kontakt zu Restauratoren und Gießereien aufnehmen. Die beschädigte Statute liegt zurzeit im Museums-Magazin im Milchhof. Der Museen-Chef hat auch die Haftpflichtversicherung des Transportunternehmens informiert, dessen Fahrer den Unfall verursacht hatte. Die Schadenshöhe wird auf rund 50.000 Euro geschätzt. Die Wiederherstellung der Statue erfordere Geduld, so Gundel. Ziel sei es, sie originalgetreu zu erhalten.
Der Käthchen-Sturz und die Berichterstattung darüber hatten ein sehr großes Echo. In den sozialen Netzwerken gab es Kontroversen über das Thema. Museen-Chef Gundel plädiert dafür, "von den Emotionen und Befindlichkeiten runterzukommen". Wenn der Unfall etwas Gutes haben solle, dann, wenn man ihn zum Anlass nehmen würde, sich dem Käthchen wieder inhaltlich zu nähern. Die Figur habe hier "ein schweres Schicksal", Marc Gundel spricht von "unglücklichen Fügungen". Er würde nun gerne diese Frage erörtern: "Wie gehen wir, wie geht die Raumschaft mit dem Käthchen um?"
Aktivisten legen Kranz am Sockel nieder
Unterdessen hat das "Büro für kulturelle Weiterentwicklung" einen Kranz auf dem verwaisten Sockel niedergelegt. Hinter dem Büro steckt unter anderem Philipp Kionka, der mit der Aktion Fragen stellen will. Dem Büro gehe es auch um "Schabernack" mit der Presse. Der Kranz soll als Kritik an der Berichterstattung verstanden werden. Die Aktion ziele außerdem auf einen "Effekt in der Gesellschaft". Näheres will Kionka nicht verraten. Bei der Figur des Käthchens gehe es den Aktivisten um die Fragen: "Was soll Kunst? Was kann Kunst?" An dem Sockel mit dem Kranz seien jetzt im Schnitt schon viel mehr Leute stehengeblieben als an der Käthchen-Statue, als sie noch intakt war. Im sozialen Netzwerk Facebook wurde die Kranz-Niederlegung kontrovers kommentiert. Ein Nutzer nannte sie "nur peinlich", ein anderer bezeichnete sie als "ziemlich makaber".
Kritik gab es von einem Stimme-Leser an der Verkehrssituation rund um die Skulptur. Die Poller, die die Durchfahrt zur Statue verhindern, seien nicht nur bei dem Unfall demontiert worden. Der Vollzugsdienst würde wenig gegen Falschparker tun. Rathaus-Sprecher Christian Britzke berichtet, dass die Poller tatsächlich immer mal wieder fehlen würden. "Hier hilft auch der vorgesehene Schutz durch Verschließen nichts." Dass fehlende Poller zum wilden Parken verführen würden, käme vor, so Britzke. Allerdings werde der Bereich vom Vollzugsdienst "täglich bestreift". 2019 seien in der Fischergasse 227 Knöllchen an Falschparker verteilt worden. 2020 sind es bisher 40.
Immer wieder flammen Diskussionen auf
Das "Käthchen von Heilbronn" ist ein Schauspiel von Heinrich von Kleist. Das Stück wurde 1810 uraufgeführt. Kleist war nie in Heilbronn. Warum er die Stadt als Ort wählte, ist unklar. Immer wieder flammen Diskussionen auf, wie die Stadt mit ihrer Symbolfigur umgehen soll. Die 1965 entstandene Käthchen-Statue des Bildhauers Dieter Läpple war umstritten. Einige kritisierten die Darstellung als gewöhnliches Mädchen. Läpple starb im März 2019.
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