Heilbronner Käthchenfigur vom Sockel gestürzt
Am Mittwoch ereignete sich ein folgenschwerer Unfall in der Heilbronner Innenstadt. Der Fahrer eines Kleinlasters fällte beim Rangieren aus Versehen die berühmteste Bronzestatue der Stadt. Der Schaden ist enorm.

Die Bestürzung ist nicht nur in der Kunstszene der Region groß. Der Fahrer eines Transporters hat am Mittwochvormittag gegen 11 Uhr beim Rangieren die wohl symbolträchtigste Skulptur im öffentlichen Raum Heilbronns, die Käthchen-Bronzestatue des Bildhauers Dieter Läpple, von ihrem Betonsockel gekippt.
Bis zu ihrem Abtransport gegen 13.30 Uhr war gefällte die Skulptur fast schon eine kleine Sehenswürdigkeit für Schaulustige geworden. Etliche Passanten machten ein Erinnerungsfoto. Manche dachten offenbar zuerst, der Sturm sei schuld. Der Schaden wird auf rund 50.000 Euro geschätzt. Es wird wohl lange dauern, bis das Käthchen, das schon bei seiner Entstehung 1965 die Gemüter bewegte, wieder seinen angestammten Platz bekommt.
Museumsleiter nennt es eine "unglückliche Verkettung von Zufällen"
Museumsleiter Marc Gundel wurde von der Polizei über den Unfall informiert und eilte zum Tatort, um sich ein Bild vom Schaden zu machen - und Hilfestellung bei der Bergung der Figur zu geben. Mitarbeiter des Betriebsamts waren mit mehreren Fahrzeugen vor Ort, hievten die rund 200 Kilo schwere Statue per Kran auf die Ladefläche eines Lasters, um sie dann ins Magazin im Milchhof zu bringen. Museumschef Marc Gundel war ziemlich geknickt wegen des ungewöhnlichen Unfalls. "Ich bin traurig", sagte er.
Wie konnte es zu dem "Schicksalsschlag" kommen, wie Gundel die folgenschwere Kollision nennt? Der Museumsleiter berichtet, wie ihm "die unglückliche Verkettung von Zufällen" geschildert wurde. So soll einer der Poller, der die Einfahrt am Fleischhaus abriegelt und der nur mit einem Spezialschlüssel zu entriegeln ist, am Boden gelegen sein.
Ein ortsunkundiger Fahrer eines Transporters habe sich dann zwischen zwei Pollern mit seinem Fahrzeug durchgezwängt. Dabei muss sich die abstehende Hand des Käthchens an dem Aufbau des Kleinlasters verhakt haben. Der Fahrer bemerkte dies offenbar und versuchte, die Hand durch Vor- und Zurückfahren wieder frei zu kriegen. Passanten hätten ihn noch warnen wollen, doch durch das Hin und Her brach der robuste Metallstab, der in dem 1,5 Tonnen schweren Sockel steckt und durch einen Fuß in der ganzen Käthchenfigur für stabilen Stand sorgte.
Am schlimmsten sind die Risse an den Füßen
Schlimmer noch: Als die Statue kippte, gab es auch Risse an beiden Füßen. Die Figur schlug mit dem Kopf auf dem Asphalt auf. "Der Fahrer ist wohl in Panik geraten", mutmaßt Marc Gundel. Der Unfallverursacher sei dann wie ein Häuflein Elend am Ort seines Missgeschicks gesessen. Auch eine Straßenlaterne hat eine Delle von dem missglückten Manöver abbekommen.
Der gravierendste Schaden sind die Risse an beiden Füßen des bronzenen Kunstwerks. "Man muss sie neu gießen", so Marc Gundel. Und das ist eine Reparatur mit vielen Fragezeichen. Denn der Schöpfer des Käthchens, der Heilbronner Bildhauer Dieter Läpple, verstarb im März 2019 im Alter von 80 Jahren.
Die Reparatur wird lange dauern
"Wir brauchen die alte Form für den neuen Guss", erklärt Gundel. Er wisse nicht, ob die noch existiert. Den Künstler könne er nicht mehr fragen, nun will der Museumschef Kontakt mit Läpples Tochter aufnehmen, um die Sache zu klären. "Ich bin jetzt erstmal ratlos", sagte Gundel. Er will sich schnell mit Restauratoren treffen, um zu erörtern, wie es weitergeht. "Die Reparatur wird jedenfalls lange dauern", glaubt Marc Gundel.
Der Unfall sei kein Anlass, den Standort anderer Skulpturen im öffentlichen Raum zu hinterfragen. Was passiert ist, sei eine Ausnahme und Zufällen geschuldet, versichert der Heilbronner Museumsleiter.
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