Strohballen-Haus in Pfaffenhofen weckt landesweites Interesse
60 Architekten und Interessierte aus Baden-Württemberg informieren sich in der Keltergasse 5 in Pfaffenhofen über das Strohballen-Haus von Investor Thomas Hoinka. Das Doppelhaus hat eine Reihe von Besonderheiten.

Das große Interesse lässt erahnen, dass dieses neue Holzhaus, mitten in Pfaffenhofen, etwas Besonderes ist. Doch das erleben die rund 60 Besucher, die mit dem Reisebus aus Stuttgart angereist sind, erst, als sie dieses Gebäude betreten. Es sind Architekten und Architekturinteressierte, die das Stuttgarter Architekturbüro Atelier Kaiser-Shen und der Investor und Eigentümer Thomas Hoinka aus Sindelfingen zu einer Führung an den Dorfplatz in die Keltergasse 5, direkt gegenüber der evangelischen Kirche, eingeladen haben.
Hoinka ist Energieberater, und der Grund, warum ausgerechnet in Pfaffenhofen ein Haus entstanden ist, das beispielhaft für das Bauen im Klimawandel ist, ist dessen Schwiegervater. Dieser stammt nämlich aus der knapp 2500 Einwohner zählenden Gemeinde im Zabergäu.
Nachwachsend und kreislauffähig

Das Haus ist gebaut aus gepressten Strohballen, kombiniert mit Lehmputz als thermische Hülle für Boden, Decke, Dach und Wände. "Denn Stroh ist nachwachsend, kreislauffähig und damit klima- wie auch ressourcenschonender als herkömmliche Dämmstoffe", sagt Kilian Juraschitz, Projektleiter des Stuttgarter Architekturbüros. Die Strohballen sind in einer Dicke von 36,5 Zentimeter in eine Holzunterkonstruktion hineingepresst worden.
Alle sechs Fassaden, also einschließlich der Bodenplatte und dem Dach, sind in der Strohballenkonzeption umgesetzt. Laut Architekt Florian Kaiser wurde darauf geachtet, dass neben Stroh, Lehm und Holz auch alle anderen Materialien "eine gute Ökobilanz aufweisen und wieder sortenrein trennbar verarbeitet werden können". Die Materialien sind samt Herkunft in einer Datenbank für nachhaltige Bauprodukte erfasst. Auf schwer lösbare Klebungen sei größtenteils verzichtet worden.
Verschachteltes Doppelhaus
Das Gebäude ist ein komplex ineinander verschachteltes Doppelhaus. Die Wohneinheiten sind gespiegelt. Dabei führen die Wohneinheiten durch gegenüberliegende Treppen vom Erd- bis ins Dachgeschoss. Im Erdgeschoss gibt es eine 40 Quadratmeter große Einliegerwohnung, die bereits vermietet ist, allerdings grundsätzlich auch anders genutzt werden kann. Darüber hinaus gibt es offene Felder, die laut Thomas Hoinka "Möglichkeitsräume" und ebenfalls unterschiedlich nutzbar sind. Denkbar seien eine Ladestation für ein E-Auto, eine Werkstatt oder ein Wintergarten.
Die Kernbereiche bilden das Ober- und das Dachgeschoss. In diesen Wohngeschossen gibt es acht jeweils annähernd quadratische Räume von vier mal vier Metern. Diese können je nach Bedarf als Küche, Schlaf-, Wohn- oder Esszimmer genutzt werden und mehrfach ihre Funktion ändern. Lediglich Toiletten und Bäder sind wegen der Installationen klar definiert.
Nach dem derzeitigem Ausbaustand bestehen hier vier Wohnungen. Neben der Einliegerwohnung eine große Maisonettewohnung über zwei Etagen sowie zwei jeweils 80 Quadratmeter große Einheiten. Da die beiden Wohneinheiten in den beiden Doppelhaushälften geschossweise teilbar sind, können auch weitere in sich geschlossene Wohnungen entstehen. Florian Kaiser: "Das Haus bietet somit, auch ohne bauliche Eingriffe, eine große Nutzungsflexibilität."
Solarzellen
Für den Hausbetrieb werden vor allem regenerative Energien eingesetzt. Strom wird aus Solarzellen auf dem Dach gewonnen. Die PV-Elemente produzieren pro Jahr 30 000 kWh Strom. Die Produktion übersteigt den prognostizierten Bedarf um rund 6000 kWh. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe. Das Haus erreicht den KfW-40-Plus-Effizienzhaus-Standard.



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