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Standing Ovations für atemberaubende Artistik

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Stars der Turngala und eine originelle Moderatorin bringen die Harmonie zum Toben. Leider lässt der Saal nicht alle Nummern zu, doch Standing Ovations am Ende der Show zeigen, dass die gut 1500 Zuschauer keinesfalls enttäuscht worden sind.

Was die Artisten und Turner an diesem Abend zeigen, ist ein Feuerwerk an Körperbeherrschung, Kraft und effektvollen Überraschungen.  Foto: Andreas Veigel
Was die Artisten und Turner an diesem Abend zeigen, ist ein Feuerwerk an Körperbeherrschung, Kraft und effektvollen Überraschungen. Foto: Andreas Veigel  Foto: Andreas Veigel

Es war ein Abend zum Staunen und zum Lachen. Die Turngala des Schwäbischen und Badischen Turnerbunds in der ausverkauften Harmonie wurde wie in so vielen Jahren zuvor zum vollen Erfolg. Und das, obwohl die Bedingungen der Veranstaltungshalle die spektakulärsten Aktionen gar nicht zuließen.

Für den "Lift" hängt die Decke zu tief

Das zeichnet sich schon am Nachmittag vor der Show ab. "Wir haben hier zwei Meter zu wenig Höhe", stellt Joachim Kant vom Schwäbischen Turnerbund (STB) aus Stuttgart fest. So sei noch nicht abzusehen, wie die Artisten von "Lift" auf ihren Podesten ihre weiblichen Mitglieder in die Höhe wirbeln können. Alles Proben hilft am Ende nichts. Der Auftritt muss ausfallen. Zu gefährlich wäre es geworden.

Es ist nicht die einzige Einschränkung. Auch die Schweden Lukas Ivanow und Aaron Hakala müssen auf die wagemutigsten Sprünge von ihrem Schleuderbrett verzichten. Die Standing Ovations im Anschluss an ihren Auftritt zum Abschluss der Show zeigen aber, dass die gut 1500 Zuschauer keinesfalls enttäuscht worden sind. Im Gegenteil.

Der Humor kommt nicht zu kurz

Was die Artisten und Turner an diesem Abend zeigen, ist ein Feuerwerk an Körperbeherrschung, Kraft und effektvollen Überraschungen. Dabei kommen Lockerheit und Humor nicht zu kurz - sowohl bei den Sportlern als auch bei Moderatorin Rosemie.

Die beginnt mit schwäbischem Dialekt und ebensolchem Understatement, entpuppt sich nach ein paar Konfettiwürfen dann aber als Multitalent mit beachtlichen Fähigkeiten. Als Ballerina tanzt sie Spitze, trifft singend die höchsten Töne, spielt das Alphorn wie andere Trompete, jodelt und lässt die Bonbons in ihrem Mund Stepp tanzen. Zumindest hört sich das so an. Mit jedem Auftritt nimmt sie das Publikum noch mehr für sich ein.

Nummern, die den Atem rauben

Letztlich soll sie als Pausenclown natürlich vor allem die Anspannung lösen, in der sich die mitfiebernden Zuschauer sonst permanent befänden. Irgendwann hält man selbst die Luft an, wenn Anatoliys Ignatov und Valeriy Ganzyuk aus der Ukraine gar nicht mehr aufhören, sich auf einem Arm in die unmöglichsten Figuren zu verbiegen. Wenn der Äthiopier Fasil Moges vorführt, wie man auf einer Leiter im Handstand balanciert, ohne dass die jemand festhält. Wenn Jose Miguel Martinez und Gabriela Diaz Cardozo sich ebenso elegant wie kraftvoll ineinander verschränken.

Das Turnen kommt nicht zu kurz. Die drei Männer von Showproject sind am Reck ebenso kreativ wie auf dem Tisch, den sie mit purer Kraft als Pauschenpferd oder als Turnboden nutzen. Am Barren zeigen ehemalige Bundes- und Oberliga-Turner des Artistic Show Teams Heidelberg, was Profis gemeinsam an diesem Gerät veranstalten können. Mit den Gymnastinnen von SKC Tabea tanzen und fliegen sie nur so über den luftgefüllten Airtrack, der zusätzliche Sprungkraft verleiht.


Nachwuchs ist etwas aufgeregt

Wie immer kommen auch lokale Gruppen zum Zug, Fast drei Dutzend Nachwuchs-Turnerinnen des FC Kirchhausen zeigen, was in jungen Jahren am Boden und in der Luft möglich ist. Vor dem Rückwärtssalto haben Luisa (11) und Nova (10) besonders großen Respekt. "Aber wir geben Hilfestellung", sagt Lina (10) aus Massenbachhausen. Einige in der Truppe sind kurz vor Beginn der Show doch ganz schön aufgeregt. Trainerin Tiffany Barlow hat mit ihnen zuletzt eine Woche lang fast täglich trainiert. 3000 Euro erhält die Gruppe an dem Abend auch noch als Spende von der Sparda-Bank.

Die Tanzeinlage der Hotsteppers der Neckarsulmer Sport-Union kam bei zahlreichen Auftritten schon gut an - auf der Buga etwa oder auch bei der Soirée der Bewegung im Heilbronner Theater. "Das war gut, aber heute Abend ist das Highlight - zumindest für mich", sagt Trainerin Anne Jürriens. "Für uns alle!", schiebt Michaela Kübel hinterher.

Dutzend Helfer für den Auf- und Abbau

Fast 60 Personen - darunter 35 Künstler - sind Teil des Wanderzirkus, der seit Ende Dezember quer durch Baden-Württemberg zieht. Drei 40-Tonner transportieren Technik und Geräte, dazu gibt es einen "Nightliner" für die Übernachtung.

Dazu kommen mehrere Dutzend Helfer für den Auf- und Abbau, die Platzanweisung, Security von örtlichen Vereinen. "Schon für den frühen Morgen so viele Helfer zu finden ist natürlich schwierig an einem Arbeitstag", sagt Markus Küstner, Vizepräsident des Turngaus Heilbronn.

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