Antiisraelischer Boykott-Aufruf auf Facebook: Unter anderem gegen Lidl und Kaufland
In den sozialen Medien wird zum Boykott von zahlreichen Unternehmen aufgerufen. Die türkische Facebook-Gruppe "Heilbronn Haber" beteiligt sich daran. Betroffen ist unter anderem auch die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland.

Der Terror der Hamas und der darauffolgende Krieg in Nahost rufen kontroverse Diskussionen hervor. Sie sind auch Thema in den sozialen Medien. Einige Facebook-Gruppen positionieren sich eindeutig propalästinensisch. Mit einer Mischung aus Tatsachen, falschen Darstellungen, Vereinfachungen und einer emotionalen Sprache befeuern sie eine antiisraelische Stimmung. So rufen sie beispielsweise zum Boykott von Firmen und Unternehmen mit möglichen Verbindungen nach Israel auf.
Facebook-Gruppe "Heilbronn Haber" teilt Boykott-Aufruf: Zeichnung stellt offensichtlich Dieter Schwarz dar
Erneut fällt dabei die Facebook-Gruppe "Heilbronn Haber" (auf Deutsch: Heilbronn Nachrichten) auf. Sie teilt einen Beitrag von "Deutsch Türkische Neuigkeiten" in den sozialen Medien. In diesem Post ist ein Mann abgebildet, der offensichtlich den Unternehmer Dieter Schwarz darstellen soll. In dem Text heißt es, der Zukunftsfonds Heilbronn bereite sich darauf vor, Millionen Dollar in israelische Technologien zu investieren. Dieter Schwarz gilt als Geldgeber des Zukunftsfonds. Überschrieben ist der Post groß mit "Boykott". Die Facebook-Gruppe "Heilbronn Haber" verbreitet diesen Beitrag und schreibt dazu "Finanzielle Unterstützung für Israel von Lidl!!"
Weder die Heilbronner Facebook-Gruppe noch das Portal "Deutsch Türkische Neuigkeiten" reagieren auf Anfragen der Heilbronner Stimme. "Heilbronn Haber" war bereits unmittelbar nach dem Terror-Angriff der Hamas auf israelische Zivilisten mit propalästinensischen Äußerungen aufgefallen, wobei die Opfer des Terrors keine Erwähnung fanden. Die Gruppe hat etwa 9000 Mitglieder.
Portal mit Sitz in Istanbul hetzt gegen Medien und Israel
Hinter dem Facebook-Auftritt "Deutsch Türkische Neuigkeiten" mit gut 54.000 Followern steht eine Website mit Sitz in Istanbul, wie aus der Internetseite hervorgeht. Sie verbreitet nach eigenen Angaben "Informationen, die uns Massenmedien vorenthalten", und unterstellt eine Presselandschaft, die absichtlich die Unwahrheit sagt. In einem Beitrag heißt es beispielsweise, eine Ausgabe des Magazins "Der Stern" gehöre auf den Scheiterhaufen und die Redaktion und die Verantwortlichen gehörten vor Gericht. Auslöser des Zorns ist die "Stern"–Titelstory unter der Überschrift "Erdogan. Der Brandstifter".
Konkret wirft die Website Israel Genozid an Palästinensern vor. Das Portal verlinkt unter anderem auf weitere Posts in den sozialen Medien, die zum Boykott unzähliger Unternehmen und Marken aufrufen. Mit einem Bann belegt ist eine ganze Palette an Unternehmen – Coca-Cola, Unilever oder McDonald"s, aber auch Bosch oder AEG.
Boykott-Aufruf ruft geteiltes Echo in sozialen Medien hervor
Befürchten Unternehmen, dass sich Kunden aufgrund solcher Beiträge in den sozialen Medien gegen einen Kauf ihrer Produkte entscheiden? Lidl ist wie Kaufland, das ebenfalls auf derartigen Boykott-Listen aufgeführt ist, ein Unternehmen der Schwarz-Gruppe. Zu ihr gehört außerdem das israelische IT-Unternehmen XM Cyber. Lidl äußert sich nicht zum Boykott. "Wir sind bestürzt über die aktuellen Ereignisse und beobachten die Situation in Israel mit großer Sorge", schreibt eine Pressesprecherin. Die Unternehmen der Schwarz-Gruppe lehnten jegliche Form von Gewalt ab und unterstützten grundsätzlich keine kriegerischen Auseinandersetzungen.
Die Ächtung bestimmter Firmen und Marken auf Facebook ruft bei Kommentatoren ein geteiltes Echo hervor. Ein Befürworter etwa schreibt, er werde keine "Kindermörder" unterstützen. Ein Gegner erinnert daran, dass der Terrorangriff von der Hamas kam.
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