Solarzellen auf Altstadtdächern in Lauffen und Bad Wimpfen?
In Lauffen versucht man den Spagat zwischen Denkmal- und Klimaschutz. Bad Wimpfen hat keine eigene Behörde mit Entscheidungsrecht.

Nicht nur in Eppingen, auch andernorts, etwa in Bad Wimpfen oder Lauffen, stehen Gebäudeensembles unter Denkmalschutz, gibt es entsprechende Debatten: zwischen Bewohnern, die gerne das Klima schützen und Energie selbst produzieren würden, und Gemeindeverwaltungen. Diese wollen, oft Touristen im Blick, unbedingt das mittelalterliche Stadtbild wahren.
Wenn das Gerüst schonmal steht...
Aus diesem Grund hat es Jochen Link aus Lauffen jahrelang nicht gewagt, eine Photovoltaik-Anlage formal zu beantragen. Doch 2021 verschob ein Sturm Dachziegel. Und ein Gerüst an sein Regiswindispfründehaus zu stellen, erklärt der 42-Jährige, koste mehr als eine PV-Anlage. Also wollte er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Dass sein Antrag nun, wenngleich unter starken Auflagen, genehmigt wurde, schreibt er dem Wechsel der Zuständigkeit zu: Denkmalschutz ist jetzt Sache des Wohnungsbauministeriums.
Ministerin Razavi stellt Schutzwürdigkeit gleich
Für die zuständige Ministerin Nicole Razavi (CDU) sind "Denkmalschutz und Klimaschutz gleichrangige öffentliche Belange". In der Broschüre "Denkmalpflege und erneuerbare Energien" empfiehlt sie, sich "mit den individuellen Möglichkeiten und Bedürfnissen von Denkmaleigentümern, das Klima zu schützen und ihr Gebäude energieeffizienter zu gestalten, zu befassen", auch wenn Kulturdenkmale nur drei Prozent des Baubestands in Deutschland ausmachten.
Pfarrer von Regiswindiskirche will auch Geld sparen
Doch die individuellen Eigentümer haben auch Wirtschaftlichkeit im Sinn. Gunter Bareis, Pfarrer der Regiswindiskirche, würde die alternative Energieerzeugung über deren großes Süddach befürworten: "Das Gebäude wird mit Strom geheizt." Die neue Heizung, die nur die Sitzplätze heizt, komme schon günstiger. Vor deren Einbau kostet der Strom für einen Gottesdienst 200 Euro.
Lauffens Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger kann sich keine Solarzellen auf dem Kulturdenkmal vorstellen. Aber er sucht das Gespräch mit Antragstellern und dem Landesdenkmalamt: "Die historische Stadtansicht liegt uns am Herzen. Da ist eine Güterabwägung nötig, um auch dem Klimaschutz gerecht zu werden." Lieber als PV-Anlagen auf den Dächern wäre Waldenburger, wenn die Altstadtanrainer ihren Strom von Freiflächen-PV-Anlagen beziehen könnten. Doch das gehe technisch noch nicht.
Wimpfens Bürgermeister sucht den Kompromiss
In der Altstadt von Bad Wimpfen wurden bisher weder PV- noch Solarthermieanlagen zugelassen. Bürgermeister Andreas Zaffran verweist auf die Denkmalbehörden. Die Stadt habe keine eigene Baurechts- und Denkmalrechtszuständigkeit. Doch in Kürze bahne sich eine neue Abstimmung an: "Es muss uns irgendwie gelingen, den Spagat zwischen Klimaschutz, persönlichen Interessen und unserem historischen Erbe, das gleichzeitig unser touristisches Pfund ist, hinzukriegen", sagt Zaffran. Er hofft auf einen Kompromiss. "Grundsätzlich stellt sich die Frage, was wichtiger ist - Denkmal- oder Klimaschutz: In meinen Augen sollten wir dem Klimaschutz, soweit dies mit unserer Verantwortung für unsere Geschichte und unsere Denkmäler vereinbar ist, den Vorrang geben."
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