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Schweinehalter stecken tief in der Krise

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Geschlossene Restaurants, ausgefallene Feste, afrikanische Schweinepest: Viele Landwirte leiden unter der aktuellen Situation. Burkhard Monninger aus Gemmingen besitzt rund 1000 Schweine. Auch sein Betrieb ist betroffen.

Der Gemminger Schweinewirt Burkhard Monninger besitzt rund 1000 Tiere. Foto: Elfi Hofmann
Der Gemminger Schweinewirt Burkhard Monninger besitzt rund 1000 Tiere. Foto: Elfi Hofmann  Foto: Hofmann, Elfi

Die Schweinehalter in Deutschland stehen unter Druck, denn wegen immer wieder geschlossener Restaurants und ausgefallener Feste ist die Nachfrage nach Fleisch in den vergangenen Monaten immer weiter zurückgegangen. Die Landwirte bleiben auf ihren Tieren sitzen. "Für die Schweinehalter ist die Situation katastrophal und existenzbedrohend", sagt der Präsident des Landesbauernverbands (LBV) Joachim Rukwied. Der gebürtige Heilbronner appelliert an die Politik: "Damit die Betriebe die Krise überstehen, brauchen sie dringend Corona-Überbrückungshilfen."

Kein Fußball, keine Stadionwurst

Über bessere Preise und mehr Absatzmöglichkeiten würde sich auch Burkhard Monninger freuen. "Ich als Schweinemäster bin bisher aber mit einem blauen Auge davongekommen", sagt der Gemminger. Trotzdem spürt natürlich auch er die Krise, die mit mehreren Aspekten zusammenhänge. Zum einen die bereits erwähnte mangelnde Nachfrage durch Gastronomie und Caterer. Zu Letzterem zählt er auch die Stadionbelieferer: "Das Wurstfleisch bekommt man gar nicht mehr untergebracht."


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Was Fleischesser wollen


Zum anderen würden aber auch die höheren Kosten der Schlachthöfe zu Buche schlagen. Diese werden an die Landwirte weitergereicht. Große "Player" wie Discounter ließen nicht viel Luft. Ein weiterer Grund für die Krise sind die steigenden Preise bei Futter und Energie. Rund 50 Prozent mehr muss Burkhard Monninger ausgeben, um seine rund 1000 Schweine zu ernähren. "Das macht pro Tier ungefähr 30 Euro aus", rechnet der 55-Jährige vor.

Markt brach wegen Tönnies zusammen

Dabei gehe es ihm im Vergleich zu den Ferkelverkäufern noch gut. Als es im vergangenen Jahr beim Fleischkonzern Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück einen großen Corona-Ausbruch gab und das Schlachten heruntergefahren wurde, blieben viele Landwirte auf ihren Tieren sitzen. Ergo hatten sie keinen Platz, um neue Schweine unterzubringen. "Der Markt brach damals zusammen", erinnert sich Monninger.


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"Die gesetzlichen Standards müssen angehoben werden"


Auch die afrikanische Schweinepest (ASP) macht den Landwirten zu schaffen. Obwohl sie bisher nur im Osten Deutschlands aufgetaucht ist, wirkt sich die Tierseuche auf die globale Vermarktung aus. Bei Deutschen eher unbeliebte Körperteile wie Füße oder Kopf - das "fünfte Viertel vom Schwein", wie Monninger erklärt - werden auch nach China exportiert. Doch dort wolle man wegen der Krankheit nichts mehr kaufen. Dabei ist die ASP regional begrenzt. "Da hätte ich mir mehr Unterstützung von der Politik erhofft und bin enttäuscht", sagt Monninger und führt Frankreich als Beispiel an. Der Regierung ist es als erstes EU-Mitglied gelungen, ein Regionalisierungsabkommen mit China zu unterzeichnen.

Bessere Bedingungen, glücklichere Schweine

Der Gemminger Schweinewirt vermarktet sein Fleisch vorwiegend über lokale Metzgereien und hat einen Vertrag mit Edeka abgeschlossen. Das "Gutfleisch-Programm" garantiert ihm Mindest- und Höchstpreise. In Preistälern helfe das seinem Ferkelerzeuger sehr. Auf seinem eigenen Hof hat Burkhard Monninger mehrere Ställe, in denen er den Tieren rund 20 Prozent mehr Platz einräumt, als von der Regierung vorgeschrieben. "Weil es ihnen damit besser geht, wachsen sie schneller", beschreibt er die Vorteile dieser Haltung.

Doch um diese Vorgaben umzusetzen oder überzuerfüllen, müsse man Geld investieren, was aber auch erstmal in die Kasse kommen muss. Mit den aktuell niedrigen Preisen sei die Umsetzung schwer, viele Landwirten kämen finanziell an ihre Grenzen. "Und überlegen sich dann, wo eigentlich ihre Perspektive ist." Tierhaltung brauche verlässliche Bedingungen, die sich nicht alle fünf Jahre ändern. "Dafür müssen Gesellschaft und Handel mit ins Boot geholt werden", resümiert Burkhard Monninger. Wie prekär die Situation stellenweise ist, beschrieb LBV-Vizepräsident Klaus Mugele im November: "Viele Schweinehalter stehen mit dem Rücken zur Wand und brauchen jetzt schnell finanzielle Unterstützung."

Umfrage unter Schweinehaltern

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) mit Sitz im niedersächsischen Damme hat 1000 deutsche Sauenhalter und Schweinemäster befragt. Die Hälfte will in den kommenden zehn Jahren ihren Beruf aufgeben. Als einen Grund führen sie die anhaltende Preiskrise an. Lediglich rund sieben Prozent wollen ihre Sauenhaltung beziehungsweise Schweinemast ausbauen. Zusammengenommen wird sowohl der Sauen- als auch Schweinebestand laut ISN in den nächsten Jahren um weitere 25 bis 30 Prozent abgebaut werden.

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