Schwarz-Campus: Die Bauarbeiten in Bad Friedrichshall kommen gut voran
Bis Jahresende wird noch tonnenweise Erde auf der Campus-Baustelle im Gebiet "Obere Fundel" in Bad Friedrichshall abgegraben. 2023 beginnt die Hochbau-Phase für die fünf Gebäude.

Ein Lastwagen nach dem anderen verlässt die Großbaustelle im Gebiet "Obere Fundel" in Bad Friedrichshall. Sie transportieren die Erde ab, die Tag für Tag von zahlreichen Baggern abgetragen wird, um die Baugrube für den Projekt-Campus der Schwarz-Gruppe auszuheben. Rund 390 000 Kubikmeter Boden werden in Tausenden Lkw-Ladungen noch bis Ende des Jahres abtransportiert, berichtet Josef Klug, Geschäftsführer Standortentwicklung bei der Schwarz-Gruppe.
Die Hochbauarbeiten sollen 2023 starten. Zwei große Kräne stehen bereits, 21 sollen es in der Hochphase der Bauarbeiten werden. "Das ist noch mal eine Nummer größer als in Bad Wimpfen", sagt Josef Klug mit Blick auf den Bau der Lidl-Deutschlandzentrale. Dort seien es 16 Kräne gewesen. "Es wird die größte Baustelle im Umfeld sein und die größte Hochbaustelle, die wir je hatten." Bisher sei die Schwarz-Gruppe mit dem Ablauf der Arbeiten sehr zufrieden.
Spatenstich fand im August statt

Im Sommer haben die Bauarbeiten für den Projekt-Campus begonnen, im August hatte das Unternehmen zum Spatenstich geladen. Seither ist viel passiert. Als Voraussetzung für den Abtransport des Aushubs wurde als erstes eine Baustraße fertiggestellt. Sie wird später zur Kreisstraße 2117 ausgebaut und führt am neuen Lärmschutzwall entlang, der den Campus von der Wohnbebauung trennt. Über die neue Straße wird 80 Prozent des Baustellenverkehrs abgewickelt, sagt Josef Klug.
Trotzdem müssten die Laster und andere Fahrzeuge natürlich auch über öffentliche Straßen fahren. Um die Verschmutzung so gering wie möglich zu halten, seien rund um die Uhr zwei Straßenreinigungsmaschinen im Einsatz. "Die Schwarz-Gruppe hat alle Absprachen eingehalten", berichtet Bürgermeister Timo Frey. Trotzdem habe es bereits Beschwerden von Anwohnern gegeben. "Das hält sich aber in Grenzen", betont der Rathauschef. Eine Baustelle ohne Einschränkungen gibt es leider nicht, sagt Josef Klug.
Um die Anwohner und alle anderen Interessierten auf dem Laufenden zu halten, hat die Schwarz-Gruppe zu Beginn der Arbeiten in der "Oberen Fundel" eine Homepage eingerichtet (projektcampus.schwarz), auf der regelmäßig über den Fortschritt berichtet wird. Auf Fotos und Zeitraffer-Videos kann man dort die Entwicklung verfolgen. Von zwei Masten aus schießen Kameras täglich Bilder von der Baustelle. Dabei geht es nicht um Kontrolle der Arbeiten, sondern um Dokumentation, sagt Josef Klug. Arbeiter würden auf den Aufnahmen zum Beispiel gepixelt. Es entstünden auch keine Bilder in Richtung der Siedlung. Durch diese offene Kommunikation sei das Miteinander mit den Anwohnern der Baustelle gut.
Erdaushub wird unter anderem nach Möckmühl transportiert

Die Tonnen an Erde, die aus dem Campus-Grundstück abgefahren werden, gehen in verschiedene Richtungen. Ein großer Teil wird nach Möckmühl gebracht, erläutert Josef Klug. Dort erweitere Kaufland auf einer fünf Hektar großen Fläche ein Logistikzentrum. Die Bauarbeiten starten laut Klug in diesem Jahr. Als Vorbereitung müsse das Gelände aufgefüllt werden.
Parallel zum Ausbaggern des Baufeldes in Bad Friedrichshall starten dort auch erste Rohbauarbeiten. Los geht es am tiefsten Punkt, im fünften Untergeschoß des künftigen Parkhauses. Dieses ist freigelegt, Betonierarbeiten für die Bodenplatte haben begonnen, erklärt Josef Klug. So kommt die Baustelle langsam "aus dem Dreck", wie Experten es formulieren. Am Rand der Baustelle entsteht außerdem eine Containerstadt für die bis zu 700 Mitarbeiter, die künftig auf der Campus-Baustelle arbeiten werden.
Die Zufahrt zum künftigen Campus bildet der Kreisverkehr an der Amorbacher Straße, der bereits angelegt und befahrbar ist. Eine Ausfahrt führt derzeit auf die Baustraße. Sie ist nicht für den öffentlichen Verkehr freigegeben und noch nicht an das weiterführende Straßennetz angeschlossen. Später wird die Kreisstraße 2117 in Richtung Bundesstraße 27 führen und nach Kochendorf abzweigen.

Zum Mobilitätskonzept der Schwarz-Gruppe gehört auch ein umfangreiches Angebot an Rad- und Fußwegen, zum Beispiel soll eine Brücke direkt vom Campus-Gelände über die B27 zur geplanten Stadtbahnhaltestelle Kochendorf Süd führen. Auch Bushaltestellen entstehen am Campus. Später ist außerdem der Anschluss an den Radschnellweg, den das Land Baden-Württemberg plant, vorgesehen. Josef Klug geht davon aus, dass die geplanten Angebote dazu führen, dass mehr Menschen auf das Rad und den ÖPNV umsteigen. "Bis der Standort in Betrieb geht, wird sich das Bewusstsein dafür noch einmal ändern", betont er.
Umbau des B27-Knotens soll bei fließendem Verkehr stattfinden
Trotzdem bleibt der Individualverkehr und damit der Ausbau des B27-Knotens ein wichtiger Baustein für die Erschließung des Projekt-Campus. Bauherr ist hier aber nicht die Schwarz-Gruppe, sondern der Bund. Die Stadt hat einen Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Den Umbau bezeichnet Josef Klug als Mammutprojekt, das eine technische Herausforderung wird. Die Fläche sei knapp und der Verkehr müsse während der Bauarbeiten weiter fließen.
"Das wird wie eine OP am offenen Herzen", vergleicht er. Die jedoch notwendig ist, um Probleme zu beheben, die bereits jetzt bestehen und nichts mit der Campus-Ansiedlung zu tun haben, betont Timo Frey. Er sei froh, dass man damit Teil des Mobilitätspaktes Heilbronn-Neckarsulm sei. Der B27-Anschluss Kochendorf Süd werde bis 2025 leistungsfähig sein. Immer im Blick behalten müsse man laut Josef Klug aber, dass damit nicht alle Verkehrsprobleme behoben sein werden. Es müssten noch weitere Anschlussstellen umgebaut und die B27 vierspurig ausgebaut werden. Das dauere viele Jahre.



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