Stimme+
Heilbronn
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Heilbronner Ruderschwaben schwingen Spaten für neues Wassersportzentrum

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Baustart für das Wassersportzentrum in der Neckarhalde. Die Heilbronner Ruderschwaben investieren vier Millionen Euro. Die Schwarz-Gruppe kauft das alte Schwabenhaus zwischen Rosenbergbrücke und Kaufland-Zentrale aus strategischen Gründen.


Josef Klug, salopp gesagt Chefplaner der Schwarz-Gruppe, steht ganz bescheiden - und mit gebührendem Corona-Abstand - inmitten einer knapp 100-köpfigen Schar von Ehrengästen und Mitgliedern der Heilbronner Rudergesellschaft Schwaben 1879. Man hat sich auf einer 47 Ar großen Wiese, die dem Freibad Neckarhalte abgezwackt wurde, zum Spatenstich für ein neues Wassersportzentrum versammelt. Mit Blick auf das ambitionierte Vier-Millionen-Vorhaben sprechen allen voran Vorsitzender Bernhard Münzing, Kassier Gerhard Reinert und Oberbürgermeister Harry Mergel von einem "Jahrhundertprojekt" und von einem "Meilenstein" in der 142-jährigen Geschichte des international erfolgreichen Traditionsclubs.


Mehr zum Thema


Ohne Geld von Schwarz wäre Neubau kaum möglich

Bevor acht Spaten in einen aufgeschütteten Erdhügel fahren, alle "Hipp, hipp, Hurra!" rufen und die Sektgläser klingen, greifen sieben Redner zum Mikrofon. Josef Klug hält sich zurück, obwohl der Verein das Großprojekt - trotz Zuschüssen von Stadt und Württembergischem Landessportbund - ohne die Schwarz-Gruppe finanziell niemals hätte stemmen können. Der Handelsriese hat den Ruderschwaben für einen guten, unbekannten Preis ihr bisheriges Vereinsheim abgekauft, das Schwabenhaus. Wobei die von der Stimme vor Monaten aufgeworfene Frage, was aus dem 1909 von Architekt und Oberbürgermeister Emil Beutinger gebauten Vereinshaus wird, bis heute vielen Heilbronnern keine Ruhe lässt.

Selbst Josef Klug kann die Schwabenhaus-Frage nicht beantworten, ganz einfach, weil es noch keine Pläne gebe, ja nicht einmal Überlegungen, sagt er der Stimme. Bis Mitte 2022 werde es ja von den Ruderschwaben genutzt. Oft kaufe Schwarz Grundstücke "aus strategischen Gründen", was im Umfeld der Kaufland-Zentrale auch in der Bahnhofsvorstadt der Fall sei.


Zwischen Wehmut, Tradition und Zukunft

Der Abschied von der "liebgewordenen Vereinsheimat", mit der viele Erinnerungen und Erfolge verbunden sind, dürfte nicht leicht fallen, weiß OB Mergel. "Doch bei allem Traditionsbewusstsein und aller Wehmut muss man auch an die Zukunft denken", was die Ruderschwaben nach einem langen Prozess, der bis 1998 zurückreiche, mit ihrem neuen Wassersportzentrum eindrucksvoll unter Beweis stellten. Wie die TG Böckingen nach der Fusion mit dem ESV durch den Sportpark auf der Schanz und dem Vereinszentrum am See die Weichen richtig gestellt habe, lässt TGB-Chef Herbert Tabler einfließen.

Ambitionierte Architektur

Die Visualisierung des Architekturbüros Krummlauf Teske Happold zeigt das neue "Schwabenhaus". Der Entwurf ging aus einem Wettbewerb hervor.
Foto: privat
Die Visualisierung des Architekturbüros Krummlauf Teske Happold zeigt das neue "Schwabenhaus". Der Entwurf ging aus einem Wettbewerb hervor. Foto: privat  Foto: Krummlauf

Gerd Krummlauf erinnert, wie der Entwurf seines Büros Krummlauf Teske Happold 2017 aus einem beschränkten Wettbewerb als Sieger hervorgegangen ist. Grundidee des eingeschossige Holzgebäudes sei es, sich in die Nachbarschaft zwischen hohen Bäumen Parklandschaft am Altneckar einzufügen, durch das gefaltete Dach und die polygone Form aber auch einen markanten Akzent zu setzen und damit "Identität zu stiften".

Die Pläne zeigen ein rund 7,50 Meter hohes, mit Holz verkleidetes Bauwerk zuzüglich Lagerflächen. Der Zugang zu dem 1700 Quadratmeter großen Komplex befindet sich im Süden, wobei die rund 750 Quadratmeter große Bootshalle nach Norden offen ist, um die Boote auf kurzem Wege direkt über einen - öffentlichen - Fuß- und Radweg zu einer geplanten Slip-Anlage am Neckarufer befördern zu können. Um absehbare Konflikte in Grenzen zu halten, soll der zeitweise stark frequentierte Weg von heute vier Meter auf 6,50 bis sieben Meter verbreitert werden, heißt es.

Im Sommer 2022 soll schon alles fertig sein

Nach dem Spatenstich sollen "die Baggerschaufeln" an diesem Montag zugreifen, so Reiner Zoller von der Zero Architektur GmbH Untermünkheim, die die Bauleitung übernimmt. An Weihnachten soll der Rohbau stehen. Im Juni 2022 signalisieren die von Cornelia Biegert aus Bad Friedrichshall konzipierten Außenanlagen die "Schlussphase" der Baustelle. Dass die Ruderschwaben ihr Großprojekt Dank der Mithilfe Vieler "in trockene Tücher gebracht haben" freut nicht zuletzt Klaus Ranger vom Sportkreis Heilbronn. Er hofft, dass die aktuelle Holzpreis-Explosion keine neuen Hürden aufbaut.

 

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben