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Arbeitswege programmieren

Roboter für die Landwirtschaft: Lautlos und nimmermüde

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Digitale Anwendungen wie autonome Roboter sind die Zukunft auf dem Acker. Deren Anwendung ist aber noch zeitaufwendig und teuer. Bauern aus der Region testen die Geräte in ihren Betrieben.

Ein Unkrautroboter fährt entlang der Zeilen in Obst- und Weinbau seinen vorgegeben Weg.
Ein Unkrautroboter fährt entlang der Zeilen in Obst- und Weinbau seinen vorgegeben Weg.  Foto: Sebastian Kahnert

Lautlos zieht der Farmroboter seinen Weg entlang der Baumzeilen. Das Interesse an der Vorführung des autonomen Geräts ist groß: Etliche Mitarbeiter des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums (LTZ) Augustenberg bei Karlsruhe schauen zu. Aus der Umgebung sind Obst- und Gemüsebauern gekommen, um sich über die Landwirtschaft der Zukunft zu informieren.

Die erste Überraschung: Statt mit dem Tieflader ist Jan-Ole Tietjen von der Firma Naio mit einem Sprinter angereist. Die Geräte sind recht handlich. Der kleinere Oz hat 150 Kilogramm Eigengewicht, der große Bruder Jo bringt 600 Kilo auf die Waage. Damit ist schon mal ein erster Vorteil klar: Die nicht gewünschte Bodenverdichtung fällt mit den autonomen Geräten deutlich geringer aus als mit einem Weinbergschlepper.

Der Weg muss vorher einprogrammiert werden

Mit bis zu fünf Kilometern in der Stunde zieht der Crawler seine Runden um die Spalierobstbäume. Am Ende dreht er elegant um und nimmt die nächste oder übernächste Reihe in Angriff. Der Weg muss vorher einprogrammiert werden, entweder per GPS oder von Hand. "Die meisten Bäume sind nicht GPS-konform gepflanzt", wirft ein Obstbauer ein.

Der Aufwand ist also erst mal groß. Ist aber der Weg einprogrammiert, arbeitet der Roboter Tag und Nacht, abgesehen vom Aufladen. Innerhalb eines geschlossenen Geländes darf der nimmermüde Mitarbeiter ohne Kontrolle fahren. "Das Gerät muss nicht beaufsichtigt werden", erklärt Jan-Ole Tietjen. Per "Geo-Fencing" werden dem Wunderknaben der Landwirtschaft seine Grenzen aufgezeigt: Bis hier hin und nicht weiter. "Auch wenn ein Hindernis auftaucht, egal ob Reh oder Mensch, stoppt der sofort", so Tobias Maier, Produktspezialist Neue Technologien bei der BayWa Heilbronn.

Die Zukunft der mechanischen Unkrautbekämpfung in Reihenkulturen − insbesondere im Gemüseanbau, Kräutern und Baumschulen, sieht er in den autonomen Feldrobotern. Die Anschaffung der 30.000 bis 100.000 Euro teuren Geräte kann sich angesichts des Mangels an Saisonarbeitern lohnen. Maier stellt aber klar: "Gegenüber dem Schlepper auf dem Acker kann der Roboter wirtschaftlich nicht konkurrieren."

Für die Anwendung im Weinberg, Obst- und Gemüseanbau können die Roboter punkten, wenn auch mancher der anwesenden Bauern noch etwas skeptisch schaut. Etwas Kreativität ist erforderlich, vor allem, um das passende und zertifizierte Werkzeug zu finden. "Der kann nicht nur den Boden bearbeiten", erklärt Tietjen. Mit dem passenden Aufsatz könne das Gerät auch zwischen die Bäume greifen.

Der kleine Oz sät, striegelt und häufelt, hackt und transportiert und ist für Gärtnereien und Baumschulen ein interessanter Gehilfe. Der größere Jo ist für den für den Einsatz in Reihenkulturen, Rebanlagen und Baumschulen gedacht. Auch in der Steillage macht der Raupenroboter nicht so schnell schlapp.

Geräte lassen sich per App überwachen

Trotz Zertifizierung und umfassenden Sicherheitsgarantien ist der Landwirt nicht außen vor. Zwar müssen die selbstständig arbeitenden Geräte nicht beaufsichtigt werden, tritt aber ein Problem auf, stellt der Roboter seine Arbeit ein. "Das Ganze lässt sich per App überwachen", verdeutlicht Tietjen. Unter Umständen muss also auch mal mitten in der Nacht ein Neustart gemacht werden.

In der Praxis ist vieles noch Zukunftsmusik: "Es ist nicht so, dass alles von selber läuft", sagt Gerd Sommer aus Untereisesheim. "Man hat schon noch seine Mühe." Zum Beispiel bei hartnäckigen Disteln oder Flechtgras sei der Hackroboter überfordert. Max Kühner aus Dahenfeld testet gerade den "Farming GT". "Mit App und Kameraführung läuft das Gerät selbständig und erleichtert uns die Arbeit."

Mit künstlicher Intelligenz kann eine Präzisions-Feldspritze wie der Ecorobotix sogar zwischen gewollten Nutzpflanzen und unerwünschten Beikräutern unterscheiden. "Spot spraying" könnte eine große Bedeutung bekommen, hat Tom Terbrüggen vom LTZ beim Gemüsebautag Südwest des Landesbauernverbands in Oedheim erklärt. Die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln ist durch das Gesetz zur Stärkung der Biodiversität das Ziel der EU. Auch wenn das "Pflanzenschutzverbot" erst mal gekippt ist: Der Einsatz chemisch-synthetischer Mittel soll bis 2030 um fast die Hälfte reduziert werden.

95 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel: Kamera kann Unkräuter mit KI erkennen

Dazu ist es notwendig, die Mittel, wo nötig, sehr gezielt auszubringen. Das Kamerasystem kann Unkräuter erkennen und exakt abspritzen. Herbizide, Fungizide, Insektizide oder Düngemittel lassen sich gezielt ausbringen. Der Hersteller verspricht bis zu 95 Prozent weniger Mitteleinsatz. Die immer wichtiger werdende Dokumentation erledigt das per App und Tablet gesteuerte System gleich mit. Die hohen Anschaffungskosten könnten sich lohnen, wenn der Satz aus dem Biodiversitätsstärkungsgesetz in Baden-Württemberg umgesetzt wird: "Das Land fördert die Anschaffung neuer Technik." In Bayern gebe es für die Anschaffung eines Feldroboters eine staatliche Förderung von bis zu 40.000 Euro, im Muster-Ländle nicht, so Maier.

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