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Landwirtschaft

Obst- und Gemüsebauern tagen in Weinsberg und Oedheim: Über allem steht der Markt

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Klimawandel und Nachhaltigkeit sind besondere Herausforderungen im Gartenbau. Ernährungssicherung sollte nach Sicht der Landwirte stärker im Fokus von Politik und Verbrauchern stehen.

Nicht einmal ein Drittel des in Baden-Württemberg konsumierten Gemüses kommt aus heimischem Anbau.Bei den Äpfeln sind es immerhin etwas mehr.
Nicht einmal ein Drittel des in Baden-Württemberg konsumierten Gemüses kommt aus heimischem Anbau.Bei den Äpfeln sind es immerhin etwas mehr.  Foto: Alexander Raths/stock.adobe.com

Am Dienstag trafen sich die Obstbauern in der Weinsberger Versuchsanstalt zu ihrer Jahrestagung. Gastgeber Dieter Blankenhorn stellte fest: "Es bläst ein Wind der Veränderung." Gleichzeitig tagten in der Kochana in Oedheim die Gemüsebauern. Neben den Herausforderungen durch den Klimawandel ist bei beiden Tagungen die Nachhaltigkeit im Fokus.

Faire Wettbewerbsbedingungen gefordert

Über allem steht der Markt. "Alle reden von fairen Preisen, wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen", sagt Horst Wenk vom Landesbauernverband (LBV) in Oedheim. Nur etwas mehr als 30 Prozent des in Baden-Württemberg konsumierten Gemüses werden auch hier angebaut. "Das heißt, wir importieren fast 70 Prozent", sagt Wenk. "Da ist noch Luft nach oben. Regionale Produkte liegen doch voll im Trend."

Ähnlich äußert sich Franz Josef Müller, Präsident des Landesverbandes Erwerbsobstbau in Weinsberg. "Man kann alles hierher karren, aber klimaneutral ist das nicht." Immerhin kommt fast jeder zweite Apfel aus dem Ländle. Zufrieden sind aber auch die Obstbauern nicht mit der Lage: "Das ist makaber, dass wir kein Geld für die Ernährungssicherheit unserer Bevölkerung mehr haben", wettert Müller in Richtung Politik.

In der Corona-Pandemie seien die Landwirte "systemrelevant" gewesen, nun wolle man bei den Bauern kürzen, was geht: "Wenn das bei der Ernährung so weiter geht, sind wir noch erpressbarer als bei Öl und Gas." Die ungleichen Wettbewerbsbedingungen und der Preisdruck im Lebensmitteleinzelhandel seien "schuld an der Misere".

"Die Politik redet nur, wir brauchen aber Ergebnisse."

Zwei Hauptprobleme macht Horst Wenk vom LBV aus: "Die Politik redet nur, wir brauchen aber Ergebnisse." Und: "Der Landwirt kann nur das absetzen, was der Verbraucher auch kauft." Eine deutliche Mehrheit sei für Öko-Landbau, aber nur wenige seien bereit, dafür auch mehr zu bezahlen.

Dass der Weltmarkt auch sein Gutes haben kann, stellte der neue Abteilungspräsident im Regierungspräsidium (RP) Ulrich Dura dar: Der Leiter der Abteilung "Landwirtschaft, Ländlicher Raum, Veterinär- und Lebensmittelwesen" stellte in Weinsberg fest, dass die schlechte Ernte im vergangenen Jahr zu deutlich besseren Preisen für die heimischen Obstbauern geführt hat. Eigentlich habe es genug geregnet, aber zur Unzeit. Daher seien neue Methoden in der Bewässerung unerlässlich, so der im RP direkt für Obst- und Gartenbau zuständige Marc Calmbach. "Eine gesicherte Wasserversorgung ist für den Obstbau notwendig."

Die "effiziente Nutzung der knappen Ressource Wasser im Obstbau" oder die "Verwendung von Nutzwasser als alternative Strategie im Gemüseanbau" waren bei beiden Fachtagungen wichtige Themen.

Käufer wollen nur makellose Produkte

Weniger Pflanzenschutzmittel sind trotz des Rückziehers der EU-Kommission weiterhin en Vogue: Neue Methoden vom Drohnenflug bis hin zum autonomen Feldroboter erlauben den punktgenauen Einsatz von Spritzmitteln, was nicht nur die Umwelt schont, sondern letztlich auch die Vermarktung fördert. "Die Produkte sollen stets makellos sein", sagt in Oedheim Tom Terbrüggen vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg. Ganz ohne Spritzmittel geht es wohl nicht, aber mit Kameras, die Beikräuter erkennen können und Spritzdüsen, die auf wenige Zentimeter punktgenau Pflanzenschutzmittel applizieren, lasse sich die Menge an Herbiziden um 75 bis 95 Prozent reduzieren.

Mit Kosten bis zu 200 000 Euro ist der "Farm Druid" aber noch nicht für den Alltagseinsatz rentabel. Zudem sei die rechtliche Situation derzeit noch so, dass der Landwirt das autonom fahrende Gerät beaufsichtigen müsse.

Ob Geschmack, botanische Wissenschaft oder Gartenbau: Es gibt unterschiedliche Einteilungen für Pflanzenfrüchte. Botanisch gelten Tomaten und Paprika ebenso als Früchte wie Kirschen und Johannisbeeren. Eine Erdbeere ist eine Sammelnuss, ein Kürbis eine Panzerbeere. Alles klar?

Für die Bauern ist es einfach: Obst stammt von verholzenden Pflanzen wie Bäumen oder Sträuchern, Gemüse von krautigen Pflanzen, die meist auch nur einjährig sind. An diese Regel hält sich wiederum nicht der Spargel, der mehrjährig ist, und wie Kenner wissen, durchaus verholzen kann.

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