Vorwurf der sexuellen Belästigung: Prozess gegen Feuerwehrkommandant hat begonnen
Ein Feuerwehrkommandant aus dem Landkreis Heilbronn steht vor dem Amtsgericht Heilbronn. Ihm wird vorgeworfen, eine Frau aus der Wehr sexuell belästigt zu haben. Sein Verteidiger zieht die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers in Zweifel.

Am Amtsgericht Heilbronn ist am Montagvormittag die Hauptverhandlung gegen einen Feuerwehrkommandanten aus dem Heilbronner Landkreis gestartet. Unter den Zuschauern befinden sich einige Feuerwehrkameraden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 48 Jahre alten Kommandanten vor, ein weibliches Mitglied der Wehr sexuell belästigt zu haben. Der Verteidiger des Beschuldigten bestreitet den Vorwurf. Dem Kommandanten zufolge könne es sich nur um einen unbewussten Körperkontakt gehandelt haben, eine versehentliche Berührung auf der engen Treppe.
Die angegebene Tat soll sich im vergangenen Sommer nach einer Feuerwehrübung ereignet haben. Gegen 20.45 Uhr soll die heute 32 Jahre alte Frau vor dem Kommandanten eine Stahltreppe hinauf in den Besprechungsraum im ersten Obergeschoss gegangen sein. „Er hat mir einen Klaps auf den Po gegeben“, sagt das mutmaßliche Opfer.
Feuerwehrkommandant soll Frau sexuell belästigt haben – Prozess am Amtsgericht Heilbronn hat begonnen
Es sei ein starker Schlag mit der rechten Hand gewesen. Daraufhin habe sie sich zu ihm umgedreht, den Zeigefinger gehoben und ihm gesagt, das sei sexuelle Belästigung. Auf die Frage der Richterin, ob es ein Versehen des Beschuldigten gewesen sein könnte, sagt die Frau: „Definitiv nicht. Es war ein bewusster Schlag.“ Als sie danach weiter die Treppe hochgegangen sei, habe er ihr in den Po gekniffen.
Keiner der befragten Zeugen war bei dem eigentlichen Ereignis dabei. Den Aussagen nach kam es noch am selben Abend zu einer ersten Aussprache zwischen der Frau und dem Kommandanten. Dabei war ein weiterer Feuerwehrmann anwesend. Dieser sagt aus, der Kommandant habe in dem Gespräch gesagt, dass es ihm leidtue. Er habe keine sexuelle Belästigung herbeiführen wollen, es sei keine Absicht gewesen.
Gespräch mit dem Bürgermeister über sexuelle Belästigung: So haben sich Feuerwehrkommandant und mutmaßliches Opfer verhalten
Später trafen sich das mutmaßliche Opfer und der Tatverdächtige zu Gesprächen mit dem Bürgermeister der betreffenden Gemeinde. Der Rathauschef befindet sich inzwischen im Ruhestand. Als Zeuge vor Gericht sagt er aus, die Frau habe geäußert, sie möchte die Sache nicht an die große Glocke hängen.
Dem Kommandanten sei wichtig gewesen, die Angelegenheit zu klären, gibt der ehemalige Bürgermeister zu Protokoll. „Er wollte, dass das gute Verhältnis zwischen ihm und ihr keinen Schaden nimmt und es einigermaßen in die Reihe kommt.“ Für ihn sei schon klar gewesen, „dass es da was gegeben hat“.
Mutmaßliches Opfer befindet sich in psychologischer Behandlung wegen eines früheren Vorfalls
Die Frau war bereits früher einmal Opfer einer Vergewaltigung geworden. Das kommt in der Verhandlung zur Sprache. In dem früheren Fall verhängte das zuständige Gericht nach Angaben der Prozessbeteiligten einen Strafbefehl. Die Frau begründet ihre Anzeige gegen den Kommandanten unter anderem damit, dass sie sich damals geschworen habe, dass sie derartige Vorkommnisse nicht mehr zurückhalten werde. Seit damals sei sie in psychologischer Behandlung und nehme Antidepressiva.
Nach der Tat im Sommer seien die Gespräche mit dem Kommandanten in die falsche Richtung gelaufen. „Er hat es kleingeredet.“ Er habe das Ereignis auf der Treppe heruntergespielt. Deshalb habe sie seinen vorgebrachten Entschuldigungen nicht geglaubt. Sie habe eine ernstgemeinte Entschuldigung erwartet. Der Kommandant hätte ihr zufolge Einsicht zeigen sollen, damit so etwas nicht mehr vorkomme.
Prozess um sexuelle Belästigung eines Feuerwehrkommandanten in Heilbronn: Wie glaubwürdig ist das mutmaßliche Opfer
Felix Schmidt, Verteidiger des Kommandanten, ruft weitere Zeugen aus der Feuerwehr auf. „Keine Tatzeugen, Leumundszeugen.“ Sie könnten etwas zum „auffälligen Verhalten“ des mutmaßlichen Opfers sagen. „Sie steht ganz gern mal im Mittelpunkt“, sagt einer der Zeugen über die Frau. Sie nehme außerdem gern mal eine Opferrolle ein. So soll sie erzählt haben, sie habe Brustkrebs. Ein anderes Mal habe sie erzählt, sie sei Zeugin einer Messerstecherei in einem Fastfood-Restaurant gewesen. Dann habe sie gesagt, sie habe Probleme mit der Kniescheibe, und habe aber trotzdem Stöckelschuhe getragen.

Die fachliche Kompetenz der 32-Jährigen als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr stellt eine weitere Zeugin infrage. „Ich habe sie so erlebt, dass sie unter Druck stand“, berichtet sie. „Immer zappelig, nie fokussiert. Ich würde sie nicht im Angriffstrupp einsetzen.“
Verteidiger des Feuerwehrkommandanten: Mutmaßliches Opfer sexueller Belästigung hat "enormen Geltungsdrang"
Verteidiger Schmidt bringt frühere sexuelle Beziehungen des mutmaßlichen Opfers zu Feuerwehrkollegen zur Sprache. Er fragt nach, ob es zutreffe, dass die Frau immer wieder von ihren sexuellen Vorlieben erzählt habe. Was das mit den Vorwürfen gegen den Beschuldigten zu tun habe, will die Anwältin der Nebenklage, Birgit Uhl, wissen. Sie vertritt die 32-Jährige.
Verteidiger Schmidt bescheinigt der Frau einen „enormen Geltungsdrang“, und sie sei als Feuerwehrfrau ungeeignet gewesen. Er beantragt, ein psychiatrisches Gutachten anfertigen zu lassen. Es soll über die Glaubwürdigkeit der Frau Auskunft geben. Bis das Gutachten vorliegt, wird die Hauptverhandlung ausgesetzt.
Kommandant legte gegen Strafbefehl Einspruch ein
Zur öffentlichen Verhandlung vor dem Amtsgericht kam es, weil der beschuldigte Kommandant vorher gegen einen Strafbefehl in der Sache Einspruch eingelegt hatte. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hatte im Dezember ihre Ermittlungen in dem Fall abgeschlossen. Sie sah einen hinreichenden Tatverdacht und beantragte einen Strafbefehl beim Amtsgericht. Das Gericht setzte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 120 Euro fest – in Summe 10.800 Euro. Den hatte der Kommandant nicht akzeptiert.
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare