Stimme+
Heilbronn

Projekt der Arbeitsagentur Heilbronn holt Mitarbeiter der Gastro-Branche aus der Kurzarbeit

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Vier Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern sind schon an dem bundesweit einzigen Projekt dieser Art der Heilbronner Arbeitsagentur beteiligt. Es soll Gastronomen nicht nur raus aus der Kurzarbeit führen, sondern ihnen auch eine flexible Weiterbildung ermöglichen.

Konditormeister Jürgen Kircher zeigt den online zugeschalteten Teilnehmern, wie man einen ordentlichen Kuchenteig anrührt. Im Bildungspark Heilbronn-Franken geht man neue Wege, um Qualifizierungsmaßnahmen umzusetzen.
Foto: Bildungspark
Konditormeister Jürgen Kircher zeigt den online zugeschalteten Teilnehmern, wie man einen ordentlichen Kuchenteig anrührt. Im Bildungspark Heilbronn-Franken geht man neue Wege, um Qualifizierungsmaßnahmen umzusetzen. Foto: Bildungspark  Foto: privat

Den gebeutelten Mitarbeitern der Gastro-Branche eine Perspektive bieten und den Betrieben Fachkräfte sichern: Das ist das Ziel eines bundesweit einzigartigen Projekts der Arbeitsagentur Heilbronn. 21 Teilnehmer sind Ende Januar gestartet, die Nachfrage steigt.

Agentur ist bekannt dafür, neue Wege zu gehen

Immer wieder geht die hiesige Arbeitsagentur neue Wege. So auch dieses Mal. "Wir wollen betroffene Mitarbeiter der Gastro-Branche aus der Kurzarbeit holen und sie qualifizieren", sagt Johanna Bursac-Reinhart, die das Projekt bei der Agentur betreut. Für die Dauer der Teilqualifizierung von maximal sechs Monaten übernimmt die Arbeitsagentur nicht nur die Lehrgangskosten, sondern zahlt auch den regulären Lohn.

Der Bildungspark Heilbronn-Franken als Bildungsträger und die teilnehmenden Betriebe sind begeistert von dem Projekt. "Manche Mitarbeiter sind seit März 2020 in Kurzarbeit. Denen fällt die Decke auf den Kopf", sagt Nina Schittenhelm vom Voltino Catering in Heilbronn. Drei ihrer Mitarbeiter nehmen an dem Projekt teil, die bisherigen Erfahrungen seien sehr gut, sagt Schittenhelm. Neben dem Voltino beteiligen sich auch der Küffner Hof in Langenbrettach, das Brauhaus Neckarsulm und das Heilbronner Weingut Bauer an dem Qualifizierungsprojekt.


Mehr zum Thema

Stimme+
Kommentar
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Kurzarbeit zur Weiterbildung nutzen - davon profitieren alle


Die Weiterbildung in Corona-Zeiten ist eine Herausforderung. Das gilt erst recht in der Gastronomie, wo der Kontakt zu Gästen zentral ist.

Mischung aus Online-Unterricht und Arbeit vor Ort

Die Betriebe und der Bildungspark setzen auf eine Mischung aus Online-Unterricht und praktischem Arbeiten. So lässt Björn Siedler, Leiter Gastronomie/Hauswirtschaft und Bäckerei im Bildungspark, die Teilnehmer Käsekuchen backen, während er oder sein Kollege online zugeschaltet sind, um die Schüler zu unterstützen. Auch das fachgerechte Eindecken von Tischen lässt sich auf diese Weise üben. Die Schüler haben sich in kleinen Lerngruppen zusammengefunden, um zu Hause oder im Betrieb die Inhalte abzuarbeiten, die der Lehrplan Fachkraft im Gastgewerbe vorsieht.

Am Ende der maximal sechs Monate dauernden Teilqualifikation erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat. Danach können sie in Absprache mit dem Arbeitgeber eine Umschulung zum Koch oder zur Restaurantfachfrau dranhängen.

Diese Berufsanschlussfähigkeit macht die Maßnahme noch attraktiver, findet Hermann Hofmann, Gesamtleiter des Schulungszentrums im Bildungspark. "Die Leute bekommen Lust auf Weiterbildung und können zu einem Berufsabschluss kommen", sagt er. Und sie lernten das, was sie wirklich für ihren Beruf brauchen.


Mehr zum Thema


"Es sind wöchentliche Starts möglich"

Johanna Bursac-Reinhart betont die Flexibilität des Projekts. "Es sind wöchentliche Starts möglich", sagt sie. Auch eine begleitende Sprachförderung finanziert die Arbeitsagentur bei Bedarf. "Das ist sehr wichtig, weil wir viele rumänische und polnische Mitarbeiter haben", sagt Tobias Parthie, Gastronomieleiter im Küffner Hof.

Nachfrage der Betriebe nimmt zu

Die Weiterbildung kann jederzeit abgebrochen werden, so dass die Betriebe nicht fürchten müssen, dass ihnen bald das Personal fehlt. "Wir wollen die Mitarbeiter nicht verlieren, denn die Gastro-Betriebe brauchen sie, wenn es wieder losgeht", sagt Berater Uwe Zabel von der Arbeitsagentur. Wie die anderen Beteiligten geht er davon aus, dass die Nachfrage nach der Teilqualifizierung weiter zunimmt. "Wir haben viele Anfragen aus der regionalen Gastronomie", sagt er. Es sei auch eine Wertschätzung für die Mitarbeiter, die derzeit zur Tatenlosigkeit verdammt seien. Björn Siedler drückt es so aus: "Die Leute sollen arbeiten, nicht in Depression verfallen." Kommentar "Alle profitieren"

Wie die Arbeitsagentur Heilbronn mitteilt, ist das neuartige Qualifizierungsprojekt in nahezu allen Branchen denkbar, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Ähnliche Programme bestehen bereits in den Bereichen Verkauf, IT, Metall, Lager und Elektro.

 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben