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Personal zur Flüchtlingsbetreuung wird dringend gesucht

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Stadtverwaltung und Landratsamt in Heilbronn müssen die Aufnahme der Flüchtlinge bewältigen. Das bringt die Mitarbeiter an ihre Grenzen. Dabei würden die Behörden gerne neues Personal einstellen.

"Herzlich willkommen" auf Ukrainisch haben Helfer auf dieses Schild gemalt. In der Heilbronner Halle sind Flüchtlinge untergebracht.
Foto: privat
"Herzlich willkommen" auf Ukrainisch haben Helfer auf dieses Schild gemalt. In der Heilbronner Halle sind Flüchtlinge untergebracht. Foto: privat  Foto: privat

In den vergangenen fünf Wochen, seit Beginn des Ukraine-Krieges, hat die Stadt Heilbronn fast dreimal so viele Flüchtlinge aufgenommen wie im Jahr 2021. Damals waren es insgesamt 215 Menschen, aktuell sind 647 Geflüchtete aus der Ukraine erfasst. Ein Kraftakt für alle Beteiligten.

Im Landkreis Heilbronn sieht es ähnlich aus, 1525 Personen sind in privaten Unterkünften gemeldet, 55 leben in Unterkünften des Kreises, der Großteil in Brackenheim und Bad Friedrichshall. Wer sich beim Amt anmeldet, wird anschließend auch offiziell registriert. Doch dazu fehlt sowohl im Heilbronner Rathaus als auch im Landratsamt Personal.


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Polizei hilft mit

Während die Stadt aus Kapazitätsgründen die Registrierung erstmal ausgesetzt hat, hilft im Landratsamt die Polizei aus. Zwei Beamte aus dem Heilbronner Polizeipräsidium arbeiten seit dieser Woche in der Behörde mit, am Montag sollen es drei sein. Gleichzeitig hat die Bundesdruckerei eine zweite so genannte Pik-Station, mit der Fingerabdrücke gescannt, Dokumente geprüft und Daten registriert werden, geliefert. Weitere seien bestellt, erklärt der Heilbronner Landrat Norbert Heuser. Er weiß aber auch: Der größte Faktor ist das Personal.

Der Fachkräftemangel sei wie ein roter Faden. Allein im Bereich Sozialdienste/Integration gibt es im Landratsamt vier offene Stellen. "Und wir würden gerne noch mehr einstellen", sagt Heuser. Aber es gebe keine Bewerber, der Markt sei leer gefegt. Vier Mitarbeiter sind derzeit mit der Registrierung der Flüchtlinge beschäftigt, viele Krankheitsfälle erschweren die Situation. Also versuche man, Prozesse zu verschlanken, überlege, wo Abstriche bei der Qualifizierung gemacht werden können. Und baue Überstunden auf.

Geld fließt vor der Registrierung

Anträge auf finanzielle Unterstützung können die Flüchtlinge schon vor der eigentlichen Registrierung stellen - von 412 Anträgen sind bislang knapp 100 bewilligt. Es fließt also Geld, auch Vorschüsse werden gezahlt. Trotzdem gibt es Wartezeiten: "Die Aufrechterhaltung der Infrastruktur ist ein Kampf", sagt Heuser. Man suche pragmatische Lösungen, aber man könne nicht alles gleichzeitig tun.

Die Heilbronner Verwaltung hat "aus Kapazitätsgründen" die Registrierung der Flüchtlinge ausgesetzt. Zwar habe man eine Pik-Station, heißt es aus dem Rathaus, die fünf Mitarbeiter der Abteilung sollen sich aber auf die Erfassung konzentrieren. Das sei kein Nachteil für die Flüchtlinge: Die melden sich einfach per E-Mail an und beantragen Leistungen. Die Registrierung werde man später nachholen, sagt eine Rathaus-Sprecherin. Auch ohne Fingerabdrücke erhalten bereits rund 400 Menschen finanzielle Unterstützung.

Fünf zusätzliche Mitarbeiter

Für die Betreuung der Flüchtlinge wurde im Sozialamt bereits Personal aufgestockt. Teilzeitkräfte arbeiten mehr Stunden, eine Mitarbeiterin hat intern gewechselt. Aber wenn für alle 647 erfassten Flüchtlinge eine Leistungsgewährung bearbeitet werden müsste, bräuchte er fünf zusätzliche Mitarbeiter, rechnet Achim Bocher, Leiter des Amts für Familie, Jugend und Senioren, vor.

Zwar beantragt nicht jeder Sozialleistungen, trotzdem fehlen Mitarbeiter in der Behörde, auch in anderen Bereichen. "Der Stellenmarkt ist nicht üppig", weiß auch Bocher.

Wohnungen werden bereitgestellt

Seine Mitarbeiter sind derzeit hauptsächlich damit beschäftigt, Wohnungen bereitzustellen. Die Stadt hat etliche angemietet, um Flüchtlinge unterzubringen. Vorher müssen Strom, Heizung und Wasser laufen, manches muss renoviert oder angeschafft werden. "Das ist das größte Nadelöhr", sagt Bocher. Ziel sei es, die Erstunterbringung nur vorübergehend zu nutzen und den Flüchtlingen schnell Wohnungen zuzuweisen.

Gleichzeitig brauchen aber auch immer häufiger Menschen Wohnraum, die zunächst privat untergekommen sind.

 

 

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