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Neckarsulm

Neuer Name für die Neckarsulmer Sport-Union

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Die Mitglieder stimmten mehrheitlich für den Namen Sport-Union Neckarsulm. Der Grund für die Namensänderung ist die abgeleitete Verbindung zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Kritik gab es am Rathaus wegen der angespannten Hallen- und Sportplatzsituation.

Links auf dem Banner das neue Logo der Sport-Union Neckarsulm. Die Mitgliederversammlung stimmte der Namensänderung mehrheitlich zu.
Foto: Archiv/Seidel
Links auf dem Banner das neue Logo der Sport-Union Neckarsulm. Die Mitgliederversammlung stimmte der Namensänderung mehrheitlich zu. Foto: Archiv/Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Es war ein hoch emotionaler Augenblick, als am Mittwochabend die Mitglieder der Neckarsulmer Sport-Union, kurz NSU, ihren Namen in Sport-Union Neckarsulm änderten.

Der Verein, der 2009 durch die Fusion der Sportvereinigung Neckarsulm 1946 und den Sportfreunden Neckarsulm entstanden ist, beugte sich damit dem öffentlichen Druck, der sich durch die Verbindung des Vereinsnamens NSU zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gebildet hatte. Die Mitglieder stimmten der Namensänderung betroffen und ohne Debatte bei zwei Gegenstimmen zu.

Für Rolf Härdtner war NSU eine Herzensangelegenheit

"Der Druck von außen auf unseren Verein wurde zuletzt immer größer. Nach zwei Jahren habe ich resigniert, obwohl der Begriff NSU mir eine Herzensangelegenheit ist", bekannte im Deutschherrenstüble der Ballei Vorsitzender Rolf Härdtner mit betrübt-bitterer Stimme. Er sprach von "einem Drama" um die Abkürzung NSU und bekannte: "Je erfolgreicher unsere Sportler wurden, desto schlimmer wurde es mit den Beschimpfungen."

Fernsehsender übten Druck aus

So hätten beispielsweise TV-Sender klar gemacht, keine Bilder von den Sportlern zu übertragen, solange das NSU-Logo nicht zugedeckt sei. Aber auch für Sponsoren sei der Begriff "NSU" zunehmend zum Problem geworden. Eine Teilschuld für diese Entwicklung gibt Härdtner den überregionalen Medien.

Die Homepage des Vereins wurde blockiert

"Bitter" für den Verein war nach den Worten von Geschäftsführer Kai Stettner, dass zuletzt auch die Homepage und E-Mail-Adressen des Vereins blockiert wurden. Die Sport-Union Neckarsulm hat rund 3000 Mitglieder in 16 Abteilungen.


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Ein rassistisches und fremdenfeindliches Trio

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) war eine neonazistische terroristische Vereinigung in Deutschland. Ihre bekanntesten Köpfe waren Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Ihnen werden zahlreiche Morde, unter anderem die Tötung der Polizisten Michèle Kiesewetter im April 2007 in Heilbronn, zur Last gelegt.

Für Verwunderung hat die Frage aus der Mitte der Versammlung gesorgt, wer denn die Kosten für die neue Trikots mit dem neuen Logo trage? Dazu Vorstandsmitglied Bernd Dollmann: "Den Schwimmern kommt der Verein entgegen, für die Leichtathleten haben wir einen Sponsor gefunden, der 5000 Euro gibt." Im Übrigen werde der Übergang in den einzelnen Abteilungen fließend und nicht hart sein.

Härdtner-Kritik am Neckarsulmer Rathaus

Mit deutlichen Worten kritisierte Rolf Härdtner die Hallen- und Sportplatzsituation für den Verein: "Wir reden mit der Stadt, aber alle Ideen werden gerade abgeschmettert." In dem Zusammenhang stellte der Vereinsvorsitzende die Frage: "Was ist wichtig - schöne Grünflächen oder Bewegung für die Kinder?"

Bei den Finanzen schloss das Jahresergebnis 2019 mit rund 76.000 Euro, das erste Halbjahr 2020 mit minus 75.000 Euro und das Restjahr 2020 bis zum 30. Juni 2021 mit minus 32.000 Euro.

Verschmelzung mit dem Verein "Lauf zum Leben"

Bei einer Enthaltung stimmte die Versammlung der Verschmelzung mit dem Verein "Lauf zum Leben" zu. Mitglieder und Vermögen gehen in die Sport-Union über, "Lauf zum Leben" wird dem Hauptverein angegliedert und der Name bleibt erhalten. Der Verein setzt sich für krebskranke Menschen ein.

Bei den Wahlen wurde Rolf Härdtner (78) im Amt des Vorsitzenden einstimmig bestätigt. Gleiches gilt für das sechsköpfige Vorstandsgremium.

 

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