Neue Chefin im Veterinäramt des Landkreises Heilbronn muss Tierseuchen und Tierwohl im Auge behalten
Die neue Veterinäramtsleiterin Stephanie Beker-Hess steht im Landkreis Heilbronn vor großen Herausforderungen: Neue Tierseuchen und gestiegene Anforderungen beim Tierwohl lassen die Arbeit nicht langweilig werden. Ihr Vorgänger Martin König ist nach 15 Jahren in den Ruhestand gewechselt.

Neue Tierseuchen und höhere Anforderungen an das Tierwohl: Auf Dr. Stephanie Beker-Hess, neue Leiterin im Veterinäramt des Landkreises Heilbronn, warten große Aufgaben. Ihr Vorgänger Dr. Martin König blickt auf 15 ereignisreiche Dienstjahre zurück.
"Spannend, oft spontan und zeitkritisch": So umreißt König seine Erfahrungen an der Spitze des Veterinäramts des Landkreises Heilbronn. Der 66-Jährige hat die Behörde seit 2007 geleitet. Sein Pflichtenheft war prall gefüllt: Lebensmittelüberwachung, Fleischhygiene, Tierschutz und Tierseuchenbekämpfung seien Schwerpunkte gewesen.
Wie sich die Arbeit im Veterinäramt wandelt
Die Anforderungen an Schnelligkeit und Tiefe seien in der Zeit gestiegen, resümiert der in Freiburg Geborene. Geradezu explodiert sei die Masse an Korrespondenz, die zu erledigen sei. "Früher bekam man in jeder Woche eine überschaubare Zahl an Briefen, die man zu beantworten hatte." Heute seien täglich mehrere Dutzend E-Mails zu bearbeiten. Zugenommen hätten auch die Erwartungen und Ansprüche. Die Mitarbeiter im Veterinäramt müssen sich ständig auch mit neuen Tierseuchen befassen. Dazu zählt die Blauzungenkrankheit, die etwa seit 2007 eine Rolle spielt.
Welche besonderen Ereignisse sich ins Gedächtnis gebrannt haben
Einige besondere Ereignisse haben sich in das Gedächtnis Königs eingebrannt. So das Koi-Herpes-Virus im November 2008 im Neckar. "Da waren zentnerweise Karpfen an den Wehren gestrandet", erinnert sich der Tierarzt. Auch der Heilbronner Weinskandal im Jahr 2008 ist ihm noch präsent. Damals waren mehr als 100.000 Liter nicht geprüfter Wein als Qualitätswein in Verkehr gebracht worden.
Zuletzt das Fischsterben in der Schozach 2019, ausgelöst durch Tenside, die ins Gewässer gelangt waren. Die durch den Verzehr von Paradiesnüssen ausgelöste Selen-Vergiftung von Hausschweinen, die sich wie Maul- und Klauenseuche äußerte, zählt zu den eher kuriosen Erinnerungen. Bei Havarien von Fleischtransportern musste König als Amtsleiter zum Unfallort fahren und sich die Sache genauer ansehen. "Da geht es zum Teil um nicht unerhebliche Summen", so der Veterinär.
Letzter Seuchenfall in der Region liegt noch gar nicht so lange zurück
Seit 2012 ist Stephanie Beker-Hess als Amtstierärztin im Landratsamt Heilbronn. Ab 2018 war sie zunächst als stellvertretende Amtsleiterin kommissarisch an der Seite von König im Einsatz, seit Sommer vorigen Jahres ist sie es ohne den Zusatz "kommissarisch". Die beiden waren bis zu Königs Ausscheiden ein eingespieltes Team.
"Dem Tierschutz wird immer mehr Aufmerksamkeit zuteil", berichtet die 50-Jährige. Aber auch den Tierseuchen, wie der Vogelgrippe oder der Afrikanischen Schweinepest, gelte eine erhöhtes Augenmerk. Stephanie Beker-Hess erinnert an den Nachweis der Geflügelpest in einem Kleinbestand im angrenzenden hohenlohischen Bretzfeld 2020, der die ganze Prozesskette mit Sperrbezirk, Beobachtungsgebiet und anderen Maßnahmen zur Folge hatte.
Wie sich die Zahl der Mitarbeiter entwickelt hat
Die Geflügelpest sei noch vor wenigen Jahren eine saisonale Gefahr gewesen, die sich vor allem in der Zeit des Vogelzuges ereigne, so die Amtsleiterin. Heute müsse man ganzjährig damit rechnen. Vor wenigen Wochen erhielten die Landratsämter vom Ministerium für ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz eine Allgemeinverfügung, die erhöhte Maßnahmen zur Biosicherheit enthielt. Dies gelte auch für Kleinst-Geflügelhaltungen.
Einen immer größeren Raum im Pflichtenheft nimmt die Cross-Compliance-Kontrolle ein. Dabei geht es vor allem um die Anwendung des EU-Rechts im Hinblick auf Tierschutz, Kennzeichnungspflichten und Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln. Die gewachsene Aufgabenfülle zeigt sich an der Zahl der Mitarbeiter im Veterinäramt des Landratsamts Heilbronn. Als König 2007 die Amtsleitung übernahm, arbeiteten in seiner Verantwortung 17 Mitarbeiter. Stephanie Beker-Hess hat das Ressort mit 38 Mitarbeitern übernommen.
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