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Wilde Müllkippen: Experte sieht Videoüberwachung skeptisch

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Warum entsorgen manche Menschen ihren Abfall nicht ordentlich? Die Ursachen sind vielfältig, sagt Umweltpsychologe Dr. Ralph Hansmann. Eine Rolle spiele auch die Verbundenheit zur Stadt.

Wo Müll herumliegt, kommt oft weiterer Dreck hinzu.
Wo Müll herumliegt, kommt oft weiterer Dreck hinzu.  Foto: Cora Müller

Menschen stellen Sofas am Waldrand oder sonstigen Sperrmüll neben Recycling-Containern ab. Warum tun sie das? Umweltpsychologe Dr. Ralph Hansmann nennt Gründe. Wer sind die Täter? Und hilft eine Videoüberwachung, wie sie auf der Viehweide Heilbronn geplant ist?

Wilde Müllkippen in der Stadt sind ein Ärgernis, und sie zu beseitigen, kostet Kommunen viel Geld. Warum Menschen sich so verhalten? Dr. Ralph Hansmann lehrt und forscht am Departement für Umweltsystemwissenschaften an der ETH Zürich. "Jemand will seinen Müll loswerden", nennt er den profanen Grund für so ein Verhalten. Dass er dies auf illegale Art und Weise tut, könnte auf ein Informationsdefizit zurückzuführen sein. Hinweise, wie Sperrmüll entsorgt werden kann, erreichten manche Bürger nicht. Das könne an Sprachbarrieren liegen.

Übeltäter wollen nicht warten

Ein anderer Grund könne sein, dass der Übeltäter den Platz zu Hause sofort braucht, sagt Hansmann. Derjenige möchte nicht warten, bis der Sperrmüll ordnungsgemäß abgeholt wird. "Bevor man an der zuständigen Stelle anfragt, nimmt man die Sache selbst in die Hand." Wichtig sei, Bürgern mehrere Möglichkeiten zu geben, Sperrmüll zur Abholung zu beantragen - online, telefonisch, auf dem Postweg, sagt Hansmann. Genauso helfe es, wenn es eine Sammelstelle gebe, wo Bürger ihre Abfälle loswerden. Die Deponie Vogelsang in Heilbronn nimmt werktags inklusive samstags Müll jeglicher Art entgegen. Nicht jede Anlieferung ist jedoch kostenlos.

Experte befürchtet: Problem wird nur verlagert

Von einer Videoüberwachung neuralgischer Plätze, wie sie die Stadt Heilbronn auf der Viehweide in Böckingen vorsieht, hält der Umweltexperte wenig. Das führe zu einer Verlagerung, befürchtet er. Der illegale Müll werde dann eben zum Wald gefahren, was noch größere Umweltschäden nach sich ziehe als das Ablegen von Sperrmüll an einem Container-Standort. "Wichtig ist, dass Bürger den illegalen Müll sehen und sofort melden", sagt der 52-Jährige. Die Kommune sollte den Dreck schnell wegschaffen und die Ablagestellen rasch säubern, um keine Nachahmer auf den Plan zu rufen. Diese Strategie verfolgt das Heilbronner Rathaus nach eigenen Angaben.

Beim achtlosen Wegwerfen sind Täter tendenziell männlich

Wenn jemand Abfall wie ein Papiertaschentuch, eine Zigarettenkippe oder die Reste vom Fastfood achtlos in die Landschaft wirft, spricht die Fachwelt von Littering (von Englisch litter, Abfall). Dazu gibt es laut Hansmann einige Studien. Denen zufolge sind die Verursacher tendenziell jüngere Menschen und eher männlich.

Manche denken, sie haben das Recht dazu

Was verbotenen Sperrmüll angehe, gebe es noch keine Untersuchungen zu den Tätern. Es sei schwierig, diese herauszufinden, sagt Hansmann. Vorliegende Studien zum Littering belegen, dass es den Verursachern an Umweltbewusstsein mangelt. Einige hätten auch das Gefühl, sie haben ein Recht aufs Wegwerfen nach dem Motto: Es wird schon jemand wegmachen. Es gehe außerdem beim Müll-Problem um die Frage, wie verbunden sich jemand mit seiner Stadt fühle. Sei er Teil der Community oder sage er, "ich bin ich und die sind die".

 

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