Mordprozess in Heilbronn: Mutter soll neugeborenes Baby aus Fenster geworfen haben
Aus niederen Beweggründen soll eine 33 Jahre alte Frau aus Lauffen im September vergangenen Jahres ihr Baby getötet haben. Die Staatsanwältin wirft ihr Mord vor.

Mit dem Vorsatz, ihr neugeborenes Baby zu töten, soll eine 33 Jahre alte Frau am 12. September 2023 ihre Tochter unmittelbar nach der Geburt aus dem Schlafzimmerfenster des dritten Stocks ihrer Wohnung in Lauffen geworfen haben.
Erste Staatsanwältin Sara Oeß erhob am Mittwoch vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Heilbronn Anklage wegen Mordes. Ihrem Umfeld habe sie die Schwangerschaft verheimlicht. "Damit das Kind schutzlos ausgeliefert ist."
Mordprozess in Heilbronn: Staatsanwältin spricht von unbedingtem Vernichtungswillen
Von niederen Beweggründen sprach die Staatsanwältin. Getrieben von "unbedingtem Vernichtungswillen" habe die Beschuldigte beschlossen, das Kind zu ermorden, "um ihren Lebensgenuss, das berufliche Fortkommen und ihr Masterstudium nicht zu gefährden", sagte Sara Oeß.
Nach der Geburt habe die Angeklagte die Nabelschnur durchtrennt und das Kind aus dem 3,70 Meter hochgelegenen Fenster geworfen.
Das Baby stirbt an einem Schädelhirntrauma
Das Kind sei lebensfähig auf die Welt gekommen, so Oeß weiter. Durch den Aufprall habe das Mädchen ein Schädelhirntrauma erlitten, an deren Folgen es gestorben sei.
Die Lauffener Wohnung teilte sich die Beschuldigte bis zu ihrer Verhaftung mit ihren Eltern. Ihre Mutter ist ausgebildete Krankenschwester und soll sich bei der Geburt in der Wohnung aufgehalten haben. Mitbekommen habe sie aber nichts, so die Staatsanwältin. Im Umkehrschluss muss die Angeklagte die Schmerzen während der Geburt so stark unterdrückt haben, dass ihre Mutter im Nebenraum nicht das Geringste hörte.
Laut Verteidiger wusste die Angeklagte nichts von ihrer Schwangerschaft
Der Vater des Kindes tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf. Er sowie das gesamte Umfeld wussten bis zuletzt nichts von der Schwangerschaft. Laut ihrem Verteidiger Malte Höch habe die Angeklagte selbst nichts davon gewusst. Sie sei von der Spontangeburt vollkommen überrascht gewesen.
Ein Geständnis im Sinne der Anklage ist nicht zu erwarten
Am kommenden Montag wird die Angeklagte offenbar ausführlich aussagen. Ein Geständnis im Sinne der Anklage dürfte nicht zu erwarten sein. Denn Rechtsanwalt Malte Höch will bei diesem Prozess auf fahrlässige Tötung hinaus. "Egal, wie krank jemand im Kopf ist": Die Tat passe nicht zur Persönlichkeit seiner Mandantin, die bis zu ihrer Inhaftierung eine duale Ausbildung zur diplomierten Wirtschaftsjuristin machte, sagte Höch am Rande des Verhandlungsauftakts.
Hätte sie das Neugeborene geplant töten wollen, "hätte sie es doch nicht aus dem Fenster geworfen, wo es sofort entdeckt wird". Seine Mandantin sei bei der Geburt überfordert gewesen. "Zwischen jemanden töten und ,es ist mir etwas passiert " ist ein weiter Weg. Es war ein Unglück", so Höch.
Prozessbeobachter sind entsetzt von den Äußerungen des Verteidigers
Prozessbeobachter sind entsetzt von den Äußerungen des Anwalts. Es werde sich im Laufe der Verhandlung herausstellen, dass die Angeklagte sehr wohl von ihrer Schwangerschaft gewusst habe und das Kind töten wollte, sind sie sicher. Dafür sprächen viele Indizien.
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