Mit dem Wohnmobil zur Gartenschau in Eppingen
Eppingen lockt mit nagelneuem Stellplatz Wohnmobil-Fahrer zur Gartenschau. Die Anlage ist modern ausgestattet und verfügt über großzügig geschnittene Parkstreifen. Dass Hunde nicht auf das gelände dürfen, bedauern die mobilen Camper jedoch.

Zur Gartenschau mit dem Wohnmobil? Eppingen hat dafür im vorigen Jahr die Voraussetzungen geschaffen. Direkt am Festplatz an der Talstraße gelegen, bietet der Stellplatz alle heute üblichen Anschlüsse zur Ver- und Entsorgung der Fahrzeuge. Die Innenstadt ist zu Fuß gut zu erreichen. Davon konnte sich Monika Strecker überzeugen. Mit einer Tüte Einkäufe von Kaufland schlendert sie über den Stellplatz. Wegen der Gartenschau musste sie zwar einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, um zum Laden zu gelangen, doch sie nimmt es sportlich:
"Man sieht den Einkaufsladen ja schon aus der Ferne, kommt aber auf direktem Weg nicht hin", so die Wohnmobilistin, die mit ihrem Mann Wolfgang aus Darmstadt angereist war. Das Ehepaar hat es sich in Eppingen schon gemütlich gemacht, "Wir bleiben vier Tage lang hier", so Wolfgang Strecker.
Erst im Vorjahr hatte die Stadt den neuen Stellplatz an der Hilsbach errichtet und den alten am Altstadtring aufgegeben. Dies war notwendig geworden, weil der betreffende Teil des Altstadrings Teil der Gartenschau wurde. Um 10 Uhr fährt Eduard Langolf mit der Kehrmaschine von den Spitzgärten auf den neuen Wohnmobilstellplatz. "Damit die Leute nicht zu früh geweckt werden, kann ich ja nicht schon um sieben Uhr kommen", sagt der städtische Bauhofmitarbeiter.
Was Camper mit Vierbeinern beklagen
Doch inzwischen haben die meisten der Wohnmobilisten ihre Klappmöbel auf den geräumigen Parktaschen aufgestellt. Jeder Platz ist etwa doppelt so breit, wie ein Pkw. "Extrem komfortabel", sagt eine Urlauberin, die mit ihrem Mann aus dem Westerwald angereist ist. Auch der Tarif pro Nacht sei in Ordnung. "Fünf bis 12 Euro ist die Spanne in Deutschland. Mit sieben Euro ist Eppingen ein faires Angebot." Einkaufen, Essengehen, alles sei fußläufig erreichbar. Nur einen Wermutstropfen sieht das Ehepaar: Mit ihrem Australian Shepherd darf es nicht auf die Gartenschau. "Darüber sind wir sehr enttäuscht, so die Westerwälderin. Wohnmobilisten seien sehr häufig in Begleitung von Hunden anzutreffen, erläutert die Urlauberin. Diese Art zu reisen sei für Hundehalter oft die einzig mögliche.
Tipptopp-Ausstattung", lobt Harry Brandner, der sich mit Ehefrau Eva-Maria von Mosbach aus über Sulzfeld nach Eppingen zur Naherholung aufgemacht hat. "Wir haben uns für diese Reise extra das neue Buch "Kraichgau - Wandern für die Seele" gekauft", berichtet Eva-Maria Brandner. Das Paar hat die schon etwas betagtere Hundedame Nala dabei und ist auch enttäuscht, dass Hunde nicht aufs Gelände dürfen. Harry Brandner kennt noch die alte Eppinger Stellplatz-Variante. Der neue sei allerdings viel besser angelegt. Sein Kritikpunkt: "Schlecht ausgeschildert." Weil das Ehepaar am Vortag von Sulzfeld aus schon Mal vorsondiert hatte, fand es die Stelle dann prompt.
Wer nach Schildern fährt, sucht in Eppingen vergeblich
Zur Ausschilderung äußert sich auch Wolfgang Gärtner aus Murrhardt. "Das Wohnmobil-Symbol fehlt am Abzweig". Auch in der Talstraße gebe es keinen Hinweis, wo man zum Stellplatz abbiegen muss. "Aber im Navi ist der Stellplatz drin." Die Stadtverwaltung wird die Beschilderung vor Ort prüfen, kündigt eine Stadtsprecherin an. Auch Wolfgang Gärtner hat einen Hund dabei und ärgert sich, dass er mit seinem vierbeinigen Begleiter nicht aufs Gelände darf.
Der neue Wohnmobilstellplatz kostete die Stadt rund 300 000 Euro. Das Land spendierte eine Förderung in Höhe von rund 62 000 Euro. Der alte Stellplatz am Altstadtring war 2007 fertiggestellt worden. Er verfügte über vier Plätze und erfreutes sich stetig steigender Frequenz. Wurden 2011 noch 214 Wohnmobile gezählt, so stieg die Zahl auf 1181 im Jahr 2019.
Mit Blick auf den boomenden Wohnmobiltrend hat die Stadt im Vorfeld der Gartenschau eine neue Dimension für ihren neuen Wohnmobil-Stellplatz gewählt. In einem ersten Entwurf war eine Anlage mit zwölf Plätzen vorgesehen, die man aber bei Bedarf auf die doppelte Größe spiegeln könne. Von dieser Option wurde dann auch ziemlich bald Gebrauch gemacht: Der neue Stellplatz verfügt nun über 23 Parkstreifen. Das Übernachten auf dem alten Stellplatz am Altstadtring war bis zu dessen Auflösung gebührenfrei. Für den neuen Platz entschied sich die Stadt aber für ein Bewirtschaftungsmodell.
Wie man zum Wohnmobil-Stellplatz kommt
Eppingens neuer Wohnmobilhalt "An der Hilsbach" ist per Navigationsgerät über die Adresse Talstraße 23 in 75031 Eppingen erreichbar. Am nördlichen Kreisverkehr biegt man in die Talstraße in Richtung Festwiese ab. Der Stellplatz ist über die Straße "Spitzgärten" linker Hand erreichbar. Die Anlage verfügt über 23 Plätze auf befestigtem Untergrund und ist ganzjährig geöffnet, Tag und Nacht. Bezahlung ist über Automat, mit Bargeld, Kredit- oder EC-Karte möglich.
Alle Plätze sind mit Stromanschluss (CEE), Frischwasserversorgung und Abwasserentsorgung ausgestattet. Es gibt Bodeneinlässe für Fäkalien- und Abwassertanks sowie eine Entsorgungsstation für Chemietoiletten. Wlan ist verfügbar, die Mitnahme von Tieren erlaubt. Nutzer zahlen pro Stellplatz und Tag sieben Euro. Für den Stromanschluss zahlen Wohnmobilisten 50 Cent pro Kilowattstunde. 100 Liter Frischwasser sind für einen Euro erhältlich.


Stimme.de
Kommentare