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Mentorinnen helfen Migrantinnen bei der Jobsuche

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Das Mentorinnen-Programm des Landes Baden-Württemberg unterstützt Migrantinnen bei der Integration ins Berufsleben. Durchgeführt wird das Programm von den landesweit neun Kontaktstellen Frau und Beruf - eine davon ist in Heilbronn angesiedelt.

Ein Tandem, das bestens funktioniert: Die Ukrainerin Yulia Chepras (rechts) wurde im Rahmen des Mentorinnen-Programms von Virginia Müller bei der Jobsuche tatkräftig unterstützt.
Foto: privat
Ein Tandem, das bestens funktioniert: Die Ukrainerin Yulia Chepras (rechts) wurde im Rahmen des Mentorinnen-Programms von Virginia Müller bei der Jobsuche tatkräftig unterstützt. Foto: privat  Foto: privat

Viele Migrantinnen in Deutschland würden gerne arbeiten oder sich weiterbilden. Doch die Hürden sind enorm: Neben den zahllosen bürokratischen Herausforderungen tun sich viele Migrantinnen schwer mit der deutschen Sprache. Doch ohne Sprachkenntnisse ist eine Integration in den hiesigen Arbeitsmarkt kaum zu schaffen.

Abhilfe schafft seit fünf Jahren das Mentorinnen-Programm für Migrantinnen des Landes Baden-Württemberg. Seit das Wirtschaftsministerium das Programm im März 2017 als Reaktion auf die Flüchtlingswelle ins Leben rief, haben 357 Mentees teilgenommen. Die Mentees, also die Migrantinnen, werden dabei von Mentorinnen sechs bis acht Monate individuell bei allen Fragen und Problemen betreut. Im Schnitt starten jedes Jahr gut 70 Tandems. Durchgeführt wird das Programm von den landesweit neun Kontaktstellen Frau und Beruf - eine davon ist in Heilbronn angesiedelt.

 


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Das Wirtschaftsministerium zieht nach fünf Jahren eine positive Bilanz des Mentorinnen-Programms, das mittlerweile dauerhaft angelegt ist. "Unser Mentorinnen-Programm ist ein absolutes Erfolgsmodell und ein Leuchtturmprojekt für die Wirtschaft im Land", sagt Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut.

Von den bislang 357 Teilnehmerinnen haben 36 Prozent direkt im Anschluss Arbeit gefunden, im laufenden Jahr waren es sogar 38 Prozent. 2021 haben zudem weitere 27 Prozent eine Aus- oder Weiterbildung begonnen, fünf Prozent haben ein Praktikum absolviert.

Für Hoffmeister-Kraut ist das Programm ein wichtiger Beitrag zur Linderung des Fachkräftemangels im Land. "Viele Migrantinnen bringen Kompetenzen mit, auf die unser Land nicht verzichten kann", betont die Ministerin.

 


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Ein Beispiel aus Heilbronn 

Wie wichtig das Mentorinnen-Programm ist, zeigt ein Beispiel aus Heilbronn. Yulia Chepras kam vor drei Jahren mit ihrer Familie aus der Ukraine nach Heilbronn. Die Bauingenieurin wollte auch hier sofort arbeiten, absolvierte Deutsch-Kurse, um sich danach zu bewerben. "Aber ich wusste nicht wie", sagt Chepras. Als sie von der Kontaktstelle Frau und Beruf erfuhr, machte sie einen Termin mit der hiesigen Leiterin Simone Rieß aus. "Sie gab mir gezielt Tipps und empfahl mir einen Kurs für Ingenieure und eine Schulung zum Thema Kostenermittlung", berichtet die 40-Jährige. Aufgrund der Pandemie fanden die Kurse online statt, was für Chepras sprachlich sehr schwierig war.

Simone Rieß empfahl der Ukrainerin die Teilnahme am Mentorinnen-Programm des Landes. Nach langem Zögern sagte Yulia Chepras zu und bekam Virginia Müller als Mentorin zur Seite gestellt. Die 54-jährige kaufmännische Angestellte kam vor 30 Jahren aus den USA nach Deutschland und hätte sich damals eine solche Unterstützung gewünscht. "Wir hatten von Anfang an viel Spaß miteinander und sind komplett auf einer Wellenlänge", sagt Müller. Vor allem die Zielstrebigkeit und der Ehrgeiz von Yulia Chepras haben die Mentorin beeindruckt.

Wichtig für die Ukrainerin war vor allem das gemeinsame Üben der Vorstellungsgespräche. In den ersten drei Monaten in Deutschland hatte sie mehr als 20 Bewerbungen geschrieben und wurde zu drei Vorstellungsgesprächen eingeladen. Geklappt hat es nirgends. Nun, mit Hilfe ihrer Mentorin, wurde sie im August zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und überzeugte. "Seit September arbeite ich nun in diesem Unternehmen in der Bauberechnung", berichtet Yulia Chepras begeistert. Die enorm wichtige Hilfe durch das Mentorinnen-Programm beschreibt die Mutter einer 15-jährigen Tochter so: "Wenn ich an einer Kreuzung stehe und nicht weiß, ob ich nach links oder nach rechts gehen soll, dann unterstützt mich Virginia, die richtige Richtung zu finden."

 

Kontaktstelle

Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg hat das Mentorinnen-Programm für Migrantinnen im März 2017 im Rahmen des Landesprogramms "Kontaktstellen Frau und Beruf" gestartet. Es wurde bis 2019 mit jährlich rund 100.000 Euro finanziert, 2020 wurde es in das mittlerweile reguläre Programm "Kontaktstellen Frau und Beruf" integriert und damit verstetigt.
In Heilbronn ist die Kontaktstelle Frau und Beruf bei der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken (WHF) angesiedelt. Kontakt: Simone Rieß, Telefon 07131 3825-310, E-Mail s.riess@heilbronn-franken.com

 
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