Mancherorts fiel doppelt so viel Regen wie üblich
Der Juni bringt eine kurze Hitzewelle und viel Niederschlag in die Region. Mit 34,5 Grad ging es nur knapp am Juni-Rekord vorbei. Die Weinberge seien derzeit gut in Schuss, freuen sich Winzer.

Heftige Starkregen, Überschwemmungen, eine gut einwöchige Hitzewelle und mit 34,5 Grad nahe am Juni-Rekord: Das Wetter im Vormonat hat einige Besonderheiten im Gepäck gehabt.
"Viel zu warm, viel zu nass und überdurchschnittlich sonnig" - so charakterisiert Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart den Juni 2021. Mit 144 Millimeter Niederschlag (entspricht Litern je Quadratmeter) in Obersulm und 158 Litern in Waibstadt bei Sinsheim fiel fast oder mehr als die doppelte Regenmenge eines durchschnittlichen Juni der vergangenen 30 Jahre vom Himmel.
Bemerkenswert: An drei Tagen prasselten wie in Obersulm jeweils gut 30 Liter binnen weniger Stunden vom Himmel - teilweise mit Hagel und Folgeschäden auf Getreidefeldern sowie im Obstbau. Für Obersulm war es die neuntgrößte Niederschlagsmenge seit den 1950er Jahren. Der meiste Juni-Regen fiel dort 1951 mit 208 Litern.
Mittendrin kam die Hitze: Auf 34,5 Grad kletterte das Thermometer in Öhringen - nicht weit weg vom Juni-Rekord. Der steht dort nach wie vor mit 35,8 Grad am 9.6.2014. Sechs heiße Tage über 30 Grad (Mittelwert sind drei im Juni) und 20 Sommertage über 25 Grad (Mittel: zwölf) zeigen für die Station Öhringen den extremen Charakter. Die Juni-Mitteltemperatur von 20,5 Grad reicht dann in Öhringen gleich für Rang drei seit Beginn der amtlichen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1947.
Der viele Regen ist Balsam für den Wald
18 Regentage stehen an den Stationen in der Statistik, ein hoher Wert. Dennoch war die Sonnenscheindauer mit 251 Stunden wie in Öhringen überdurchschnittlich hoch (112 Prozent). Das erklärt Andreas Pfaffenzeller damit, dass die Regenmengen oft in kurzer Zeit fielen - vor allem durch Hebungvorgänge in Tiefdruckgebieten mit feuchtwarmer Luft. Danach kam wieder die Sonne raus.
"Für den Wald waren die Regenmengen sehr gut", ist Kreisforstamtsleiter Martin Rüter nach drei Trockenjahren erleichtert. "Das Wasser hält jetzt schon ein Weichen." Wenngleich nicht überall sehr große Mengen fielen wie in Eppingen. Aber: Die Borkenkäferprobleme seien nicht so schlimm wie in den Vorjahren, vergleicht Rüter.
Bio-Weingärtner: Reben haben eine hohe Qualität
Der Heilbronner Bio-Weinbauer Andreas Stutz erlebte das Juni-Wetter mit gemischten Gefühlen. Durch das feucht-warme Wetter sei die Belaubung in den Weinbergen stark in Gang gekommen. Der Traktoreinsatz mit biologischem Pflanzenschutz auf nassen, schmierigen Böden sei da schon "grenzwertig bis lebensgefährlich". Insgesamt aber seien die Weinberge "gut in Schuss, die Reben haben eine hohe Qualität". Stutz, der seit 1994 Bio-Weinbau betreibt, sieht gute Voraussetzungen für einen guten Weinjahrgang 2021.
Ein erneutes sehr trockenes Sommerhalbjahr scheint sich in diesem Jahr nicht zu entwickeln. Im Mai gab es vielerorts ausreichend Regen. Der Juli startet auch wieder mit Nässe. Schlecht für die Freibäder - gut für die Landwirte. Die große Hitzewelle aber kann immer noch kommen.
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