Lehrer sind froh, dass das Schuljahr vorbei ist

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Pädagogen aus der Region weinen dem verkorksten Bildungsjahr keine Träne nach und empfanden es als sehr anstrengend.

Auch Grundschüler wie hier in der dritten Klasse hatten unter dem Lockdown zu leiden. Ihnen fehlte der Präsenzunterricht vielleicht am meisten, meinen die Lehrer. "Sowas brauchen wir nie wieder", sagt Dirk Schwarz, Grundschulleiter in Widdern.
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Auch Grundschüler wie hier in der dritten Klasse hatten unter dem Lockdown zu leiden. Ihnen fehlte der Präsenzunterricht vielleicht am meisten, meinen die Lehrer. "Sowas brauchen wir nie wieder", sagt Dirk Schwarz, Grundschulleiter in Widdern. Foto: dpa  Foto: Roland Weihrauch

Das Fazit zum Schuljahr 2020/2021? "Wir sind alle froh, dass es vorbei ist." Dirk Schwarz, Schulleiter der Grundschule in Widdern, spricht damit vielen Kollegen aus dem Herzen. "Es war kräftezehrend. Für Kollegen. Für Kinder und Eltern." Und das, obwohl die Grundschule Widdern sich Digitalisierung schon lange auf die Fahnen geschrieben hat und dafür eine Vorzeige-Bildungseinrichtung in der Region ist. "Aber die Schulgemeinschaft ist eben auch enorm wichtig. Die erlebt niemand, wenn er daheim sitzt." Selbst mit toller digitaler Ausstattung seien Sechs- bis Zehnjährige nicht so weit, "von 8 bis 13 Uhr online zu arbeiten".

Erstklässler wurden aus dem Lesenlernen herausgerissen

Dazu kommt, dass Erstklässler aus dem Lesenlernen herausgerissen wurden, als im Dezember die Schulen schlossen. Viele Kinder mit Migrationshintergrund hätten so gut wie kein Deutsch zu Hause gesprochen. Am meisten gestresst hat den Familienvater die doppelte Belastung als Klassenlehrer und Schulleiter.

 


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Der Schulleiter sagt: Sowas brauchen wir nie wieder

Jetzt blickt er mit Bauchweh Richtung Herbst und fragt sich, ob die Inzidenz die einzige Richtschnur für Schulschließungen bleiben darf. "Wenn wir die Wahl hätten, würden wir sagen: Nur noch Präsenz. Sowas brauchen wir nie wieder."

Lehrerin Susanne Sosnik fand es "sehr anstrengend"

Als "total anstrengend" und mit Familie als "große organisatorische Herausforderung" hat auch Susanne Sosnik von der Andreas-Schneider-Schule in Heilbronn die vergangenen Monate erlebt. Und das, obwohl sie selbst eine hohe Affinität zum Digitalen hat und mit Interesse Fortbildungen absolvierte. "Aber es hat viel Zeit gekostet und war viel, viel Arbeit."

Kollegin Adina Letzguß stimmt zu. Besonders im Berufskolleg und in der Wirtschaftsschule seien in jeder Klasse Schüler abgehängt worden, auf 15 Prozent beziffert sie deren Anteil. Diese Jugendlichen hätten teils einen schwierigen Hintergrund, ein problematisches Elternhaus, manche ritzten sich. "Das waren oft die, die abgetaucht sind, denen es nicht gut getan hat, so viel daheim zu sein."

 


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Eine Gemeinschaft bildete sich nicht

Neben dem Online-Unterricht sei Netflix gelaufen, das Handy piepte, und die Geschwister waren mit im Raum. Zudem seien die Schüler mitten in der Pubertät. Dank intensiver Beratungen habe jedoch niemand abgebrochen. "Manche wiederholen jetzt die Klasse, machen ein Freiwilliges Soziales Jahr und danach eine Ausbildung oder wechseln auf eine Schule mit anderem Profil." Lockdown-bedingt bildete sich kaum eine Gemeinschaft. "Die Klasse des Berufskollegs konnte in den ganzen zwei Jahren keinen Ausflug machen."

Mancher nutzt am Schuljahresende noch die Zeit für einen Ausflug

Die Möglichkeit eines Ausflugs nach Tripsdrill nutzt indes die Albrecht-Dürer-Werkrealschule in Heilbronn. Die Aussagen von Lehrer Alfred Marx am Handy zum ablaufenden Schuljahr stehen in krassem Gegensatz zum Gejohle, das im Hintergrund von der Achterbahn zu hören ist. "Es gibt nur ganz wenige, die das Fernlernen problemlos hinbekommen haben."

Die Kollegen von der Realschule Güglingen machen einen Ausflug nach Pfaffenhofen, um dort zu picknicken. "Ich bin total froh, dass ich die Schüler wiederhabe", sagt Lehrer Oliver Dieskau. Klar, hat er sich in den Online-Konferenzen mit Bild gezeigt, auch auf die Gefahr hin, verbotenerweise auf TikTok im Internet zu erscheinen. "So viel Humor muss man haben als Lehrer. Man macht sich auch so oft genug zum Hampelmann, um etwas herauszukitzeln aus den Schülern."

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