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Ländliche Gastlichkeit ist gefragt wie selten zuvor

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Vereine, Verbände und Anbietergemeinschaften rühren die Trommel, um Gäste für einen (Kurz-) Urlaub auf dem Lande zu begeistern. Die Nachfrage ist enorm, das Angebot indes gering. Der Trend geht hin zu reinen Übernachtungen ohne Mitmachangebot.

Landleben pur: Familie Carle in Züttlingen bindet ihre Gäste in das landwirtschaftliche Leben ein. Sarah Carle (21) füttert die Kühe, Hofhund Willy ist überall mit dabei.
Foto: privat
Landleben pur: Familie Carle in Züttlingen bindet ihre Gäste in das landwirtschaftliche Leben ein. Sarah Carle (21) füttert die Kühe, Hofhund Willy ist überall mit dabei. Foto: privat  Foto: Andrea Carle

Wer den kommenden Urlaub im Ländle auf dem Bauernhof verbringen mag, hat vielfältige Möglichkeiten, sich zu informieren. Tourismusverbände, Marketingvereine und andere Gruppierungen unterhalten im Internet Portale, bei den man nach Eingabe der Suchbegriffe "Urlaub auf dem Bauernhof" und "Baden-Württemberg" fündig werden kann.

Im Landkreis Heilbronn ist die Touristikgemeinschaft Heilbronner Land für die Vermarktung der Übernachtungsplätze zuständig. Deren Geschäftsführerin Tanja Seegelke berichtet, dass es ihrer Schätzung nach nur noch zwei bis drei Vollerwerbslandwirte gibt, die klassischen Urlaub auf dem Bauernhof in dem Sinne anbieten, dass Gäste am bäuerlichen Hofleben aktiv mitmachen können. Häufiger anzutreffen seien Bauernhöfe, die Ferienwohnungen oder Zimmer anbieten, allerdings ohne bäuerliches Unterhaltungskonzept für die Gäste.

In der Region Kraichgau-Stromberg ist unter anderem die Anbietergemeinschaft "Die Landgastlichen" aktiv. Auf deren Homepage sind derzeit 22 Adressen verzeichnet. Darunter befinden sich Winzerhöfe, Landgasthöfe und -cafés sowie Bauernhöfe zum Übernachten.

Freie Übernachtungsplätze oft nur noch nach Stornierungen erhältlich

"Mit dem Ende des Beherbergungsverbotes im Juni sind die Zugriffszahlen auf unsere Homepage enorm gestiegen", berichtet Constanze Bröhmer. Sie ist Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof in Baden-Württemberg. An einigen Tagen sei der Wert auf das zehnfache der bisherigen Zugriffszahlen gestiegen. "Freie Kapazitäten konnten auf unseren Ferienhöfen nur noch durch kurzfristige Stornierungen gefunden werden." Die Auslastung der Betriebe mit Ferienwohnungen habe im Zeitraum Juni bis August bei 95 Prozent gelegen, im August bei nahezu 100 Prozent.


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Der Anbietergemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof Hohenlohe-Franken gehören derzeit 18 Betriebe an. In den vergangenen Jahren sind es immer weniger geworden. Deshalb denkt der Verein darüber nach, sich zu öffnen und das Thema weiter zu fassen, sodass etwa auch Vermieter von ländlich gelegenen Ferienzimmern oder Ferienwohnungen zum Zuge kommen, die sonst kein bäuerlich geprägtes Begleitprogramm im Angebot haben.

Was Feriengäste mehr und mehr erwarten

"Bisher war Voraussetzung für die Mitgliedschaft, dass der Urlaubsanbieter einen bäuerlichen Vollerwerbsbetrieb haben muss, also Milch, Obst oder Wein produziert", sagt Silvia Pfitzenmaier vom Kohlhof bei Untersteinbach. "Womöglich müssen wir den Verein umstrukturieren und neu aufstellen. In vielen unserer Mitgliedsbetriebe stehen Generationswechsel an, die Jüngeren wollen diese Doppelbelastung nicht." Ein weiteres Problem sei, dass sich die Ferienregion Hohenlohe nicht messen könne mit Platzhirschen wie dem Allgäu, Schwarzwald oder Bodensee. Gastgeber Erwin Deißler aus Sindeldorf ergänzt, die Ansprüche der kleinen und großen Feriengäste seien gestiegen: "Es wird immer mehr Action und Komfort verlangt."

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