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Tote Küken als Futter: Greifvogelwarten kaufen aus dem Ausland

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Das Töten von Küken kurz nach dem Schlüpfen ist nun gesetzlich verboten. Greifvogelwarten müssen nun auf Alternativen zurückgreifen, doch die bringen ein neues Dilemma.

Ohne geht es nicht: Greifvogelfütterung auf der Burg Guttenberg während einer Flugschau.
Foto: Archiv/Seidel
Ohne geht es nicht: Greifvogelfütterung auf der Burg Guttenberg während einer Flugschau. Foto: Archiv/Seidel  Foto: Seidel

Eintagsküken sind im Wildtierpark Tripsdrill ein wichtiges Futtermittel. Wie Sprecher Birger Meierjohann mitteilt, sind die Küken für Greifvögel und Eulen das Hauptfutter. Außerdem gehören sie zu einem geringeren Anteil zum Speiseplan, bei Wolf, Luchs, Bär, Wildkatze, Braunbär, Waschbär und Frettchen und Fischottern, also bei allen Beutegreifern. "Speziell die Greifvögel und Eulen benötigen zwingend Beutetiere, die sie im Ganzen verzehren können: sie speien nämlich unverdauliche Bestandteile der Nahrung, also Federn, Haare und – je nach Art – Knochen als Gewölle aus", erläutert der Sprecher.

Der Organismus der Greifvögel und Eulen sei auf die ganzen Küken angewiesen, sodass die Verdauung Schaden nehmen würde, wenn diese gewöllebildenden Stoffe fehlen. Hinzu komme, dass die Verfütterung ganzer Tiere, inklusive ihrer Organe, zu einer ausgewogenen Nährstoffversorgung führt. Theoretisch könne man Eintagsküken zum Beispiel durch Zuchtmäuse ersetzen. Allerdings müssten auch diese eigens für diesen Zweck herangezogen werden: das würde die Futterkosten vervielfachen, ist Meierjohann überzeugt. "Und letztendlich müssten zwangsläufig auch die Zuchtmäuse getötet werden. Zudem stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen eine Zucht erfolgen würde, um die für die Tierhaltungen in Deutschland erforderliche Menge an Eintagsküken zu ersetzen", gibt Meierjohann ein Dilemma wieder: Wird hier Tierwohl gegen Tierwohl ausgespielt?


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Kükentöten ist jetzt hierzulande passé


Bislang haben die Cleebronner die Eintagsküken aus der Region bezogen. Seit dem Verbot des Kükentötens in Deutschland erhält der Wildtierpark die toten Küken über einen Anbieter für Tierparkversorgung. Dieser bezieht die eingefrorenen Küken aus Spanien. "Wir wissen von anderen Tierhaltungen, die Eintagsküken aus den Niederlanden bekommen", so der Sprecher. Trotz des Verbot des Kükentötens sind Eintagsküken als Futtermittel in Deutschland weiterhin zugelassen, der Import aus dem Ausland also legal. Dadurch steigen allerdings die Beschaffungskosten: "Wir zahlen für Eintagsküken aus dem Ausland momentan rund 45 Prozent mehr, als es bislang bei Küken aus der Region der Fall gewesen ist, berichtet der Tripsdrill-Sprecher.

Die Deutsche Greifenwarte auf der Burg Guttenberg kann den Wegfall der getöteten Küken aus deutscher Produktion leicht kompensieren. Das schätzt Falkner Stefan Rebscher ein. Es gebe entsprechende Alternativen, um die 58 Greifvögel und Eulen zu füttern. Demnach sind die Niederlande, Frankreich und Polen die wichtigsten Lieferanten für Küken als Tierfutter. Neben den Küken kommen laut Rebscher unter anderem Mäuse, Ratten, Fisch und Wachteln auf die Speisekarte der Greifenwarte. "Ob die längeren Transporte der toten Küken aus dem Ausland sinnvoll ist, möchte ich nicht kommentieren", so der Falkner.

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