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Krankenhaus-Beschäftigte demonstrieren in Heilbronn

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Bei den Streiks im öffentlichen Dienst geht es am heutigen Dienstag vor allem um die Situation in Krankenhäusern. Die Beschäftigten fordern mehr Lohn, die SLK-Kliniken äußern sich etwas verständnislos über Zeitpunkt und Intensität des Streiks.

von Annika Heffter

 

Die Streiks von Mitarbeitern des öffentlichen Diensts in Heilbronn gehen weiter: Mit Transparenten und Klatschen sind am Dienstagmorgen gegen 11 Uhr etwa 300 Krankenhaus-Beschäftigte in einem Protestzug vom Food Court auf der Badstraße am Götzenturm vorbei Richtung Kiliansplatz gelaufen. Mit dabei sind Beschäftigte der SLK-Kliniken inklusive der Klinik Löwenstein, der Neckar-Odenwald-Kliniken, des Klinikums in Crailsheim und des Krankenhauses Tauberbischofsheim.  „Normalerweise hätten wir Trillerpfeifen, aber wegen Corona sind es Klatschen geworden“, sagt Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Katharina Kaupp. Die Teilnehmer tragen Mund-Nasen-Schutz. 

Leistung in der Corona-Zeit

„Wir sind systemrelevant“ prangt in fetten Buchstaben auf einem Banner, „Aufstehen für die Pflege“ ist auf einem anderen Plakat zu lesen. „Wir wollen bessere Arbeitsbedingungen“, sagt Marta Molch, eine Krankenschwester bei den SLK-Kliniken. „Eigentlich hätten sie uns die Lohnerhöhung auch einfach so geben können, bei all dem was wir in der Corona-Zeit geleistet haben“, bedauert sie. Ein Streik der Krankenhäuser sei eine Belastung für alle Beteiligten, aber „wir müssen eben trotzdem für unsere Rechte kämpfen“, sagt Molch. 

Mit dem Mikro in der Hand ist sie ganz vorne bei dem Protestzug mit dabei und wirkt fast schon wie eine Büttenrednerin mit ihren Gedichten und Liedern. „Wir sind angepisst, so geht’s nicht. Heute wird gestreikt, damit man uns nicht vergisst“, reimt sie zum Beispiel.


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„Wir sind hier für eine bessere Bezahlung und mehr Anerkennung, weil wir in Grenzsituationen immer für die Menschen da sind“, sagt Jasmin Liesch, eine Krankenschwester der Klinik Löwenstein. „Wir brauchen ausreichend Arbeitsmaterial, der Nachschub fehlt oft“, ergänzt Pflegehelfer Stefan, der nur mit Vornamen genannt werden will. Zustimmend zeigt Liesch auf ihre Kleidung: Für den Streik habe sie extra Schutzkleidung angezogen, die sie auch in der Klinik schon verwendet hätten, inklusive Schweißer-Helm, von denen einige „der Klinik gespendet wurden“. Geeigneter Mund-Nasen-Schutz sei während des Corona-Lockdowns oft Mangelware gewesen, Einweg-Masken seien zum Teil sogar gereinigt und wieder verteilt worden.

Forderung nach mehr Lohn

Eine Hauptforderung der Mitarbeiter ist die Erhöhung ihres Lohns um 4,8 Prozent, mindestens aber um 150 Euro monatlich. Außerdem solle es eine Sonderzulage für Beschäftigte in der Pflege in Höhe von 300 Euro geben. Auch die Auszubildenden wollen 100 Euro mehr im Monat. „Viele der Auszubildenden sind beim Azubi-Streiktag in Mannheim, der auch heute stattfindet“, erklärt der stellvertretende Verdi-Bezirksgeschäftsführer Arne Gailing.

„Wir stehen hinter euch“, ruft Silke Ortwein bei der Abschlusskundgebung von der Bühne auf dem Kiliansplatz. Die DGB-Gewerkschaftssekretärin betont, Lohnerhöhungen und Verbesserungen in der Arbeitswelt seien noch nie vom Himmel gefallen. „Nehmt eure Rechte in die Hand. Baut Druck auf, denn nur das verstehen Arbeitgeber in ihrer derzeitigen Verweigerungshaltung“, empfiehlt sie den Streikenden.

Auch Irene Gölz, die Landesfachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales von Verdi Baden-Württemberg, lässt ihrer Enttäuschung auf der Bühne freien Lauf. „Die Politiker, die euch vor wenigen Monaten noch nicht genug Anerkennung zollen konnten, wollen von einer echten Anerkennung nichts mehr wissen.“ Es sei richtig, dass die Krankenhaus-Beschäftigten sich wehren. „Denn Applaus kann man nicht essen!“, ruft sie in die applaudierende Menge. 

Einige Passanten halten an und hören der Kundgebung auf dem Kiliansplatz interessiert zu, manche filmen das Geschehen sogar mit ihrem Handy. Unter den Stehengebliebenen sind fast nur zustimmend nickende Gesichter zu erkennen, viele verstehen den Frust der Krankenhaus-Mitarbeiter. „Ich kann das absolut nachvollziehen“, sagt eine Passantin.

 

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Etwas verständnislos äußern sich dagegen die SLK-Kliniken zu der Aktion: Grundsätzlich sei die Frage einer adäquaten Vergütung im Gesundheitssystem berechtigt und dadurch auch immer wieder zentrales Thema bei den Tarifverhandlungen. „Der Zeitpunkt des Streiks und die Intensität sind allerdings inhaltlich auf der Basis der bisherigen Verhandlungen und des bereits feststehenden Verhandlungstermins am 22. und 23. Oktober nicht nachvollziehbar“, sagt SLK-Geschäftsführer Thomas Weber.

Die SLK-Kliniken betonen, der Streik habe keine Auswirkungen auf den Krankenhaus-Alltag oder die Patienten: „Der Klinikalltag ist im Streikfall über eine sogenannte Notdienstvereinbarung, die zwischen Verdi und den SLK-Kliniken vereinbart wurde, geregelt“, berichtet Thomas Weber. Damit sei die medizinische und pflegerische Versorgung der Patienten immer gewährleistet. 

Arne Gailing dagegen berichtet, dass die Abläufe und der Betrieb der Krankenhäuser durchaus zu einem gewissen Grad eingeschränkt sein könnten. Aus dem OP-Bereich seien einige Teilnehmer bei der Streikaktion dabei, weshalb es zu Absagen von verschiebbaren Operationen kommen könnte. „Die Personaldecke ist so dünn, dass die Mitarbeiter schon jetzt quasi im Notdienst arbeiten“, erklärt Gailing. Wegen der Notdienstvereinbarung könnten viele so gar nicht an dem Streik teilnehmen. Eine der Erwartungen an die Arbeitgeber sei daher auch, dass die Personalbemessung besser werde.

Die Polizei hat den Protestzug begleitet, Verkehrsbehinderungen hat es nach ihren Angaben keine gegeben.

 

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