Klimaaktivisten von "Fridays for Future" kehren zurück auf die Straße
Globaler Streiktag: Für den Freitag kündigen Klimaaktivisten von "Fridays for Future" auch Aktionen in Heilbronn, Künzelsau und Öhringen an.

Matti Krips ist 13 Jahre alt, Brigitte Roloff 56. Der Schüler wohnt in der Stadt Heilbronn, die andere in Öhringen-Ohrnberg, einem Dorf mit 636 Einwohnern. So unterschiedlich die beiden auf den ersten Blick scheinen, eines verbindet sie: Matti Krips und Brigitte Roloff engagieren sich ehrenamtlich bei "Fridays for Future" (auf Deutsch: "Freitage für die Zukunft").
FFF, wie sich "Fridays for Future" abkürzt, ist eine im August 2018 gegründete Bewegung von Schülern und anderen jungen Menschen, die sich weltweit für einen effektiven Klimaschutz einsetzen. Den Anfang machte die Schwedin Greta Thunberg mit einer Sitzblockade vor dem schwedischen Reichstag in Stockholm, Wochen später bestreikten Tausende Schüler auf der ganzen Welt ihren Unterricht. In Pandemiezeiten wich "Fridays for Future" auf coronagerechte Protestformen aus.

So legten die Aktivisten unter anderem Schilder auf der Reichstagswiese in Berlin ab und organisierten einen globalen "Netzstreik fürs Klima". Am Freitag, 19. März, wollen die Klimaaktivisten nun seit Monaten wieder auf die Straße gehen: Am ersten globalen Klimastreik des Jahres, der unter dem Motto "#NoMoreEmptyPromises - keine weiteren leeren Versprechen" - firmiert, beteiligen sich auch FFF Eppingen, Heilbronn, Künzelsau und Öhringen.
"Die Politiker reden, versprechen und umarmen sich viel", sagt Matti Krips, der in Heilbronn das Robert-Mayer-Gymnasium besucht. "Nur gehandelt wird nicht." Seit zwei Jahren engagiert der 13-Jährige sich bei "Fridays for Future". Der junge Musiker tritt morgen auch mit einem selbstverfassten Protestsong auf der für 16 Uhr auf dem Kiliansplatz in Heilbronn angemeldeten Kundgebung auf. Im Anschluss ist eine Fahrrad-Demo durch die Innenstadt mit Abschluss am Bollwerksturm geplant. Alles unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften.
Die Ortsgruppe Eppingen unterstützt die Veranstaltung in Heilbronn. Geplant ist eine organisierte gemeinsame Anreise mit dem Fahrrad. "Die Bundestagswahl wird zur Schicksalswahl für das Klima", erklärt Lennart Dröge aus der Großen Kreisstadt im Kraichgau. "Diese Wahl ist die letzte, mit der Deutschland noch in Richtung eines 1,5-Grad-Pfades abbiegen kann", erklärt der 21-jährige Abiturient. Die kommende Legislaturperiode entscheide darüber, ob national und international verbindliche Regeln zur Reduktion von Treibhausgasen umgesetzt werden. Und somit die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius aus dem Pariser Klimaschutzabkommen eingehalten wird.

Dabei liegt den Eppinger Klimaaktivisten die soziale Verträglichkeit am Herzen. "Der Klimaschutz darf nicht auf Kosten ärmerer Bevölkerungsschichten ausgetragen werden", so der Schüler. In Regionen rund um Zaberfeld und Brackenheim, wo die Zabergäubahn für den Personenverkehr 1986 eingestellt wurde, seien die Menschen auf ihre Autos angewiesen.
Umso mehr freut es Brigitte Roloff, dass sie an sonnigen Wochenenden vermehrt Spaziergänger und Radfahrer in Hohenlohe beobachtet. Die 56-Jährige ist bei den "Parents for Future" (PFF) in Öhringen aktiv. Die PFF sind eine der zahlreichen Unterstützerorganisationen der Fridays. Ihr Ziel: Möglichst viele andere, engagierte Eltern und Erwachsene deutschlandweit zusammenzubringen, um die FFF-Bewegung zu stärken, und Veränderungen auf breiter Basis zu bewirken. So kam auch Roloff, die Mutter zweier erwachsener Kinder ist, zu den "Parents". "Ich möchte mir später nicht von der heutigen Jugend vorwerfen lassen müssen, wir hätten von der Klimakrise gewusst und nichts dagegen unternommen", sagt die Öhringerin. Dabei sei es ihr ganz wichtig, dass Klimaschutz auch Spaß machen kann. "Häufig wird von Verzicht gesprochen, dabei gewinnt man sehr viel Lebensqualität dazu."
Installationen aus Pappkartons in Hohenlohe

In Öhringen wie in Künzelsau möchten die Klimaaktivisten mit Installationen aus Pappkartons auf zentralen Plätzen in der Stadt die leeren Versprechen der Politiker symbolisieren. "Zusätzlich wollen wir ein großes Lattengestell bauen, mit dem wir - der Straßenverkehrsordnung gemäß - aus Platzgründen vom Gehweg auf die Fahrbahn ausweichen müssen", verrät Lukas Wolpert die für den Weltklimastreiktag geplanten Aktionen an diesem Freitag. Angepeilt sei ein Zeitraum von 11 bis 13 Uhr, so der 22 Jahre alte Mulfinger. Seit zwei Jahren engagiert sich der Elektroniker aktiv bei "Fridays for Future".
War die Corona-Pandemie ein herber Rückschlag für die junge Bewegung? "Nicht nur", stellt Wolpert überraschend fest. Corona habe auch gezeigt, dass die Politik handlungsfähig sei, wenn sie nur wolle. "Das sollte unsere Bewegung nutzen und zeigen, dass bei der Klimaproblematik genauso konsequent und über Parteigrenzen hinaus gehandelt werden muss."


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Kommentare
Holger Tuerm am 18.03.2021 22:27 Uhr
Ich hoffe, dass die Teilnehmer ihren persönlichen Stromverbrauch mit Smartphone und Laptop mit Streaming, Messengerdiensten und anderem Internetgebrauch auf den Wert von 1990 reduzieren.
Oder sollen sich zuerst die anderen einschränken? Vielleicht möchten sie noch einen Windpark auf dem Wartberg? Das wäre eine gute Lage.
Haben sie sich schon mal erkundigt, wieviel Energie die Luftfiltersäulen in der Weinsberger Straße verbrauchen, die durch Strom vom Kohlekraftwerk vor der Stadt angetrieben werden? Das ist ein bißchen wie Münchhausen, der sich am eigenen Haarschopf aus dem Sumpf zieht. Man reinigt die Luft mit Geräten, die vom Kraftwerk angetrieben werden, das doch so böse ist.
Was fehlt sind Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Genau der wird durch tausende Windräder zerstört. Wissen die Teilnehmer, dass das Fundament eines Windrades mit etwa 115 m Nabenhöhe aus ca. 1600 Tonnen Beton und 90 Tonnen Baustahl besteht? Für den Turm nochmal über hundert Tonnen Stahl, dazu potentiellen Fieberglassondermüll für die Rotoren. Und nach 20 Jahren ist es unrentabel, da keine Subventionen mehr fließen. Alles zu kompliziert? Na gut, dann importieren wir im Winter eben Kohle- und Atomstrom und bezahlen teuer dafür.
Peter Henschel am 17.03.2021 15:15 Uhr
Verursacht Arbeitsplatzabbau, Kostensteigerungen und verändert am Klima absolut nichts, da es sich um sehr hochkomplexes Naturgesetz handelt! Man will mal wieder der Natur ins Handwerk pfuschen.
Rüdiger Peters am 17.03.2021 11:20 Uhr
Ich glaube wir haben monentan ganz andere Sorgen als den Klimaschutz.