Manche weiterführenden Schulen werden überrannt: "Mir blutet das Herz, dass ich sie wegschicken muss"
Eltern melden bald ihre Viertklässler an weiterführenden Schulen an: Doch mache Bildungseinrichtungen müssen Kinder ablehnen. So gehen die Boom-Schulen damit um.

Wohin nach Klasse vier? Dieses Thema treibt Eltern oft schon ab Klasse drei um, wenn die Klassenarbeiten der Grundschulzeit anspruchsvoller werden. In jeder Region gibt es Schulen, die besonders beliebt sind. Wie gehen die Schulleitungen mit dem Strom der interessierten Eltern und Schüler um? Wie wird gefiltert? Ein Blick in die Schulhäuser.
Die Ludwig-Frohnhäuser-Schule in Bad Wimpfen wird Kinder erneut ablehnen müssen. Drei fünfte Klassen wie im laufenden Schuljahr seien nicht mehr drin. "Wir können nicht mehr als zwei Klassen bilden", sagt Rektorin Sabine Keidel. "Mir blutet das Herz, dass ich sie wegschicken muss." Das bedeutet konkret: Die Schule in Bad Wimpfen beschränkt sich auf ihr sogenanntes Kerneinzugsgebiet, zu dem neben der Stadt auch Heilbronn-Biberach und der Bad Rappenauer Stadtteil Bonfeld gehören.
Bei interessierten Familien, die allerdings östlich des Neckars wohnen, wirbt Sabine Keidel für die Franz-Binder-Verbundschule in Neckarsulm, zur der ein Gemeinschaftsschulzug gehört. Eng wird es nicht nur in fünften Klassen: Nicht alle Kinder, die andere weiterführende Schularten besuchen, kommen dort mit. Spätestens ab Klasse sieben, sagt Sabine Keidel, wechselten die an die Gemeinschaftsschule.
Stark nachgefragt: Bad Wimpfen plant gerade keinen Anbau der Gemeinschaftsschule
Dass die Bad Wimpfener Gemeinschaftsschule einmal so nachgefragt sein wird, hätte sich die Rektorin nicht träumen lassen. Ein Anbau, um der Nachfrage nachkommen zu können, ist aktuell nicht im Gespräch. Bad Wimpfen investiert ins Gymnasium. Die Gemeinschaftsschule kann Erfolge vorweisen: Bei den Prüfungen zur Mittleren Reife lag Bad Wimpfen zuletzt über dem Landesschnitt, sagt die Rektorin. Und: 70 Prozent der Gemeinschaftsschüler verlassen die Bildungsstätte mit diesem Abschluss. "Das macht mich glücklich", sagt Sabine Keidel.
Der Boom an der Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau, einer Privatschule der Stiftung Würth, hält weiterhin an, weiß Wolfgang Schiele von der Schulleitung. Es gibt Wartelisten. Die Aufnahmegespräche sind verbindlich. Bei denen werden als ausschlaggebendes Argument von den Eltern vor allem die Schulkonzeption mit den tatsächlich von allen gelebten Grundhaltungen (Wertschätzung, Achtsamkeit, Leistungsbereitschaft und Zuversicht) genannt. Das Lernen in kleinen Gruppen, das Ganztagesangebot, die Beratungseinrichtungen, die Räume und die Ausstattung der Schule seien ihnen wichtig.
Für das Schuljahr 2024/25 sind in der Grundschule mit Eingangsklasse alle Plätze belegt. Etwa 30 Interessenten sind auf der Warteliste. Im Bereich der Sekundarstufe sind ebenfalls alle Plätze belegt, und in einzelnen Jahrgängen gibt es eine Warteliste. Für das Gymnasium ab Jahrgangsstufe zehn sind noch Plätze frei. Hierher können auch Schüler mit Realschulabschluss wechseln. Für die Bewerbung um einen Schulplatz ist es Pflicht, an der Informationsveranstaltung teilzunehmen. Danach findet ein Aufnahmegespräch mit Eltern und Kinder statt. Erst nach diesem Gespräch wird über die Aufnahme entschieden.
Abitur nach neun Jahren: Deshalb interessieren sich viele fürs Gymnasium in Öhringen
Im Jahr 2023 gab es am Hohenlohe-Gymnasium Öhringen, das in neun Schuljahren zum Abitur führt, 172 Anmeldungen. Bei der reinen Elterninfoveranstaltung vergangene Woche waren etwa 150 Eltern anwesend. Mit mindestens der gleichen Anzahl an Eltern plus ihren Kindern rechnet Schulleiter Frank Schuhmacher bei den beiden Infotagen mit Schulhausrundgang nach den Faschingsferien. Als Grund für die Schulwahl nennen die Eltern die Empfehlung für das Gymnasium.
Das HGÖ habe ein relativ großes Einzugsgebiet als allgemeinbildende Gymnasium. Und natürlich spiele auch G9 eine Rolle, weiß Schuhmacher. Für ihn sind Klassengrößen mit 27 Schülern ideal. Aus 40 Grundschulklassen müssten sinnvolle Einheiten gebildet werden. Auch die Großbaustelle habe keinen großen Einfluss auf die Anmeldezahlen gehabt, blickt Schuhmacher in die Vergangenheit zurück. Es seien immer sechs bis sieben Eingangsklassen zu bilden gewesen. Er rechnet mit sieben Eingangsklassen in den nächsten Jahren.
Wie die Realschule in Neckarsulm der Nachfrage nachkommt
In Neckarsulm ist die Hermann-Greiner-Realschule stark nachgefragt. Vor zwei Jahren – während aktuell noch andauernder Sanierungsarbeiten – konnten dort laut Staatlichem Schulamt nicht alle Kinder aufgenommen werden. Das hat sich geändert. Nach Angaben aus dem Rathaus gibt es derzeit keine Begrenzung mehr, die Schule rechnet mit vier fünften Klassen nach den Sommerferien. "Falls erforderlich können auch fünf Eingangsklassen eingerichtet werden", so Rathaussprecher Andreas Bracht.
Auch um der steigenden Nachfrage an der Greiner-Realschule nachkommen zu können, gehört zur jungen Franz-Binder-Verbundschule ein Realschulzweig. Es ist das zweites Standbein dieser Schulart in der Stadt. Außerdem gibt es dort noch die Schularten Gemeinschaftsschule und Werkrealschule.
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