Kaufland lässt Nachfragen zu Sprit-Herkunft unbeantwortet
Die Tankstelle in der Neckarsulmer Rötelstraße war für günstigste Preise bekannt, viele Autofahrer standen freiwillig im Stau. Das hat sich geändert. Am Wochenende wurden die Spritpreise deutlich erhöht.

An der Kaufland-Tankstelle in der Rötelstraße in Neckarsulm haben die Preise für Benzin und Diesel am Wochenende einen ordentlichen Sprung nach oben gemacht - und sind nun annähernd auf dem Niveau anderer Tankstellen in der Region. Seither gehören auch die langen Warteschlangen mit Staubildung bis in die Austraße der Vergangenheit an.
Zu den Hintergründen für diese Anpassung gab die Kommunikationsabteilung von Kaufland keine Auskunft. Auch eine Reihe von weiteren Fragen ließ sie unbeantwortet.
So teilte die Presseabteilung nicht mit, ob ein Wechsel des Kraftstoff-Anbieters oder ein Strategiewechsel zu den erhöhten Preisen führte. Ebenfalls unbeantwortet ließ eine Sprecherin des Unternehmens die Frage, wie Kaufland sicherstelle, dass man kein Öl aus Russland beziehe. In einer E-Mail unserer Zeitung an die Unternehmenskommunikation wurden zudem folgende Fragen gestellt: "Bei anderen Produkten, die verkauft werden, ist es ja ganz normal, dass Kunden erfahren, woher genau die Produkte stammen. Wieso gibt es hierzu keine genauen Angaben? Was antwortet Kaufland dem Kunden, falls er konkret nachfragt?" Die Fragen blieben unbeantwortet.
Man bitte um Verständnis, dass man "darüber hinaus keine Angaben machen" und dem Anliegen daher nicht entsprechen könne, hieß es lediglich. Zuvor hatte Kaufland mitgeteilt: "Wir beziehen unsere Kraftstoffe von einem deutschen Lieferanten." Diese Angabe hat allerdings nur wenig Aussagekraft. Deutsche Lieferanten sind auch Shell Deutschland und Rosneft Deutschland, obwohl der Mutterkonzern Shell im Handelsregister in London eingetragen ist und Rosneft ein russisches Mineralölunternehmen. Was bekannt ist über die Abläufe in Neckarsulm: Die Anlieferung des Benzins und Diesels in der Rötelstraße erfolgte bis zuletzt über die Raffinerie Miro in Karlsruhe. Neben Shell Deutschland, Philipps 66 und Esso ist mit 24 Prozent Anteil auch Rosneft Deutschland Gesellschafter der Raffinerie.
Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht es kritisch, dass Kunden kaum in Erfahrung bringen können, woher freie Tankstellen oder Handelsunternehmen ihren Kraftstoff beziehen. "Der Marktdruck ist nicht hoch genug", vermutet er. Während der Kunde sich bei Lebensmittelprodukten bei Intransparenz für ein anderes Produkt entscheiden könne, sei es beim Kraftstoff schwieriger und schwer zu durchschauen, was wo in den Raffinerien zusammenkomme. Einen Anspruch des Kunden, über die Handelspartner mehr zu erfahren, sieht Bauer nicht. Die Tankstelle mache ein Angebot, und wer zum Zapfhahn greife, stimmt dem zu.
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