Jagdhundeausbildung: Standfest nach dem lauten Knall
Die Kreisjägerschaft Heilbronn bildet geeignete Hunde und deren Halter für die Jagd aus. Dabei geht es für die Hunde genauso wie für die Halter zur Sache. Wie ein wichtiger Ausbildungsteil aussieht, hat die Stimme bei einer Jagdhundeprüfung erfahren.

Joachim Zirnig schreitet auf das freie Feld, die Flinte im "jagdlichen Anschlag". Das bedeutet, dass er die Waffe so am Körper platziert hat, als würde er auf ein bestimmtes Objekt zielen. Der Lauf der Flinte zeigt in die Luft. Um den Jäger herum wuselt Snoopy von der Ostalb, ein Deutsch Drahthaar.
Der Jagdhund sprüht vor Tatendrang. Mit rotierender Rute wechselt er von links nach rechts, vor und zurück. Als sich das Tier ein gutes Stück wegbewegt hat, fällt mit lautem Knall ein Schuss. Snoopy zeigt sich davon völlig unbeeindruckt, im Gegenteil: Mit der Nase am Boden schnuppert Snoopy freudig erregt, wo kurz zuvor Rehe gewechselt sind. "Ein passionierter junger Hund", kommentiert Thomas Dürr. Er ist Verbandsrichter beim Jagdgebrauchshundverband.
Was passiert, wenn die Jagdflinte einen Schuss entlässt
Die Horkheimer Neckarinsel ist an diesem Wochenende Schauplatz der jagdlichen Gebrauchshundeausbildung im Landkreis Heilbronn. Zwei Szenarien werden abgeprüft: Die Schussfestigkeit und das Verhalten der Hunde beim Standtreiben. Treibjagden sind derzeit notwendig, um die Afrikanische Schweinepest einzudämmen. Wildschweine gelten als die natürlichen Überträger der Tierseuche.
Als nächstes ist Schwarzwälder Bracke Charlie an der Reihe. Wie schon zuvor das gleiche Prozedere: Hundeführerin Petra Messner geht auf das freie Feld, das Jagdgewehr im Anschlag. Charlie erkundet derweil die Wiese neugierig. Als sich der Hund mindestens 30 Meter entfernt hat, feuert Petra Messner die Flinte in Richtung Nordheimer Weinberge in die Luft ab. Charlie fegt weiterhin freudig über die Wiese. Die Körperhaltung des Hundes sagt aus: "Wo ist die Ente, ich will sie mir holen!" Carsten Koch gefällt das Verhalten des vierbeinigen Prüflings. "Den muss man nicht zum Jagen tragen." Koch ist stellvertretender Hundeobmann in der Kreisjägerschaft Heilbronn. Als hundeführender Polizeibeamter hat er zuvor seine Dienststelle informiert, dass auf der Neckarinsel mehrere Dutzend Flintenschüsse zu hören sein werden.

Welche Voraussetzungen ein Jagdhund mitbringen muss
In der Kreisjägerschaft Heilbronn ist Carmen Renner für die Ausbildung der jagdlichen Gebrauchshunde verantwortlich. Die 60-Jährige ist Verbandsrichterin und Vorstandsmitglied im Jagdgebrauchshundverband Landesverband Baden-Württemberg sowie Vorsitzende eines Jagdhundezuchtvereins im Land. Seit 2008 ist sie Jagdhundeführerin und nimmt regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen des Jagdhundewesens teil. "Liebe zum Tier, Geduld und Fleiß" seien Grundvoraussetzungen, um einen Jagdhund erfolgreich ausbilden zu können, sagt die erfahrene Ausbilderin. Mehr noch: Um einen Gebrauchshund für die Jagd zu qualifizieren, müsse der Halter selbst Jäger sein: "Die Jagdhundeausbildung ist in vielen Bereichen Teil der befugten Jagdausübung. Man muss also Jäger sein und ein geeignetes Revier zur Verfügung haben."
Welche Rolle Jagdhunde gesetzlich spielen
Jagdhunde sind essenziell, um die Jagd mit den gesetzlichen Standards des Tierwohls in Einklang zubringen. Daher ist für viele Jagdformen der Einsatz geeigneter und brauchbarer Jagdhunde gesetzlich vorgeschrieben. Carmen Renner stellt klar: "Nicht jeder Jäger kann und will einen Hund halten. Er muss jedoch bei Bedarf auf die Hilfe eines Hundeführers zurückgreifen.
Auf der Horkheimer Insel haben sich indes die neun Prüfungsteilnehmer mit ihren Hunden an der Kante eines Maisfeldes in Form einer Kette aufgestellt. Die Hunden sind "abgelegt". Das heißt, sie haben sich auf Kommando auf den Boden gelegt, oder neben dem Halter niedergesetzt. Im Maisfeld ist Bewegung geraten: Wie bei einer Treibjagd machen Helfer Geräusche und rufen zum Beispiel "Hophop" Mehrmals gellen Schüsse durch die Luft. Mit Ausnahme eines Hundes, der aufgeregt winselt und in die Leine springt, beweisen alle anderen tierischen Prüflinge Nerven und halten still: Nur diese haben die Prüfung bestanden.
Wie man zum geeigneten Jagdhund kommt
Wer sich als Jäger für einen Jagdhund entscheidet, kann unter rund etwa hundert zugelassenen Jagdhunderassen auswählen und so den für ihn und seine Jagd- und Revierverhältnisse geeigneten Hund finden. Neben den Kreisjägervereinigungen bieten auch manche Zuchtvereine Ausbildungslehrgänge an. Viele Züchter betreuen ihre Welpenbesitzer intensiv und helfen bei der Ausbildung. "Am besten folgt man den Empfehlungen des Züchters oder fragt bei seiner Kreisjägervereinigung nach, wo es Ausbildungskurse gibt", rät Carmen Renner.
Die Kurse dauern in der Regel ein halbes Jahr und bauen teilweise aufeinander auf. Bis ein Hund ausgebildet ist, dauert es rund bis zu drei Jahren. Je nach Kursziel und Anzahl der angebotenen wöchentlichen Kurstage liegen die Preise zwischen 200 und 400 Euro. So unterschiedlich, wie die Jagdhunderassen sind, so unterschiedlich sind die Inhalte der Ausbildung. Sie reicht von der Vorbereitung für die Stöberjagd bis zum Erlernen der Fährtenarbeit und den Kenntnissen für die Wasserjagd.


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