Jägervereinigung Kreis Heilbronn wird 100 Jahre alt
Die Jägervereinigung Kreis Heilbronn ist auch hundert Jahre nach ihrer Gründung ein vitaler Verein. Im Juli wird das Jubiläum im Rahmen des Landesjägertags gefeiert. Der Verein sieht sich gut gerüstet, zum Landesstützpunkt für Jägerprüfungen zu werden.

Während viele Vereine unter Nachwuchsmangel leiden, erfreut sich ausgerechnet ein Verein, der sich in Heilbronn einer der ältesten Tätigkeiten der Menschheit widmet, einer steigenden Mitgliederzahl. Genau heute vor 100 Jahren wurde die "Jägervereinigung vom Unteren Neckargau" mit Sitz in Heilbronn gegründet. Es ist die Vorgängerorganisation der Jägervereinigung Kreis Heilbronn.
Seit dem letzten Jubiläum vor 25 Jahren ist die Jägervereinigung um 130 Mitglieder gewachsen. Edgar Häußer freut, dass es immer mehr Frauen im Verein gibt. Bei der letzten Prüfung der Jungjäger seien acht von 34 Teilnehmern weiblich gewesen, berichtet der Neckarwestheimer, der seit 2019 Kreisjägermeister ist. Auch bei den Prüfungen in den Jahren davor sei der Frauenanteil im Teilnehmerfeld gewachsen. Inzwischen sind neun Prozent der Vereinsmitglieder weiblich.
Warum der Verein in Sachen Prüfungen gefragt wie nie ist
Seit einigen Jahren ist die Kreisjägerschaft für jagdliche Prüfungen eine gefragte Adresse. Aktuell stehen erstmals vier Prüfungen auf der Agenda: der Termin für die eigenen Jungjäger sowie drei Termine für externe Prüflinge. Der Grund: Die Ausbildung zum Jäger hat sich zu einem Geschäftsmodell entwickelt, an dem auch private Jägerschulen beteiligt sind.

Doch zur Abnahme der Prüfung sind nur wenige Einrichtungen berechtigt. Dazu zählen Jägervereinigungen mit geeignetem Schießstand, wie die Heilbronner. Die Prüflinge kommen inzwischen sogar aus angrenzenden Regionen. "Wir prüfen dieses Jahr auch Jungjäger aus Hessen", so Edgar Häußer.
Zur Abnahme der Prüfungen kann die Jägervereinigung auf qualifizierte ehrenamtliche Prüfer zurückgreifen, die über jahrelange Erfahrung im Prüfungsausschuss des Landesjagdverbands verfügen. Unterstützung erhalten die Heilbronner durch Jäger und Forstleute benachbarter Landkreise, etwa aus Hohenlohe.
Wie sich die Bedeutung der Jagd verändert hat
Die Anlage im Köpfertal gilt als eine der besten im ganzen Land. 1955 bauten die Vereinsmitglieder den früheren Militär-Schießstand aus. "Wir hatten auch schon Polizeibeamte zum Schießtraining bei uns", berichtet Häußer nicht ohne Stolz. In diesem Jahr werde der Schießstand weiter modernisiert und digitalisiert. "Wir haben das Zeug dazu, Landesstützpunkt für Prüfungen zu werden", so der Kreisjägermeister.

Dieter Bürkle ist seit 1954 Mitglied in der Heilbronner Jägerschaft. Der 84-Jährige war von 1974 bis 1983 Kreisjägermeister und kann über zwei Drittel der Vereinsgeschichte aus eigener Erfahrung zurückblicken. Bürkle ist seit 1983 Ehren-Jägermeister. Als die "Jägervereinigung vom Unteren Neckargau" 1922 gegründet wurde, habe man die Struktur der Jagd komplett neu ordnen müssen, erinnert sich Bürkle. Auch deren Bedeutung habe sich seither verändert. Ging es anfangs um die Versorgung mit Fleisch, habe später die Schadensvorbeugung in Wald und Landwirtschaft an Bedeutung gewonnen. Heute stünden Themen wie Naturschutz und die Pflege der Kulturlandschaft neben Jagd und Hege im Vordergrund. Ganz aktuell zählt die Prävention der Afrikanischen Schweinepest zu den gesellschaftsübergreifenden Aufgaben der Jäger in Stadt- und Landkreis Heilbronn und darüber hinaus.
Was in diesem Jahr sonst noch auf der Agenda steht
Die Mitgliederzahlen haben sich seit der Gründerzeit verzehnfacht. Waren 1932 noch 132 Vereinsmitglieder registriert, waren es 1972 bereits 716 Mitglieder. Zwischen 1997 und heute ist die Vereinsstärke nochmals angewachsen: von 1192 auf 1307 Mitglieder.
Die Jägervereinigung Kreis Heilbronn verfügt über zehn Hegeringe. Der Stadtkreis ist traditionell Hegering I. Er ist umgeben von neun weiteren Jagdbezirken. In diesem Jahr findet die Hauptversammlung statt. In diesem Rahmen werden der Vorstand und die Obleute neu gewählt und die Leiter der Hegeringe bestätigt.
Die Attraktionen der Jubiläumsfeier
Wegen der Pandemie habe der Verein zum heutigen Jubiläumstag keine Feier planen können, bedauert Kreisjägermeister Edgar Häußer. Dies soll am 9. und 10. Juli in Ilsfeld-Auenstein nachgeholt werden. Der Jägervereinigung ist es gelungen, den diesjährigen Landesjägertag in den Landkreis Heilbronn zu holen. Gefeiert wird am 9. Juli mit mehr als 400 Delegierten und Gästen aus
Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der Tiefenbachhalle. Tags drauf, am 10. Juli, ist das diesjährige Sommerfest in der Tiefenbachhalle geplant. Zu diesem Anlass werden alle Interessierten eingeladen. Zum Programm zählen die Jagdhornbläser und Drohnenflüge zur Rettung von Rehkitzen. Außerdem werden heimische Wildspezialitäten angeboten. Jägerausrüstung vom Quad bis zum Hochstand wird präsentiert.


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