Entsandt in die ganze Welt: Ingenieure aus der Region arbeiten viel im Ausland
Tokio, Haifa, Fukuoka, Zürich und jetzt Amerika: Dino Klotz aus Offenau kommt als Ingenieur auf der ganzen Welt zum Einsatz. Auch Unternehmen wie Audi oder EBM-Papst legen zunehmend Wert auf internationale Zusammenarbeit.

Deutsche Ingenieure werden im Ausland mit Kusshand genommen, sagt Thomas Kiefer vom Verein Deutscher Ingenieure. Der Blick über den Tellerrand bringt Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen viele Vorteile.
Dino Klotz aus Offenau ist promovierter Ingenieur (Elektrotechnik), war in der Batterie- und Brennstoffzellen-Forschung tätig und unter anderem zwei Jahre an den Universitäten in Tokio, Haifa, vier Jahre in Fukuoka und anschließend ein Jahr in Zürich unterwegs. Nun arbeitet er seit März vergangenen Jahres bei "Twelve" in Berkeley. Die Firma arbeitet hauptsächlich an nachhaltigem Flugbenzin aus CO2.
Jeder neue Aufenthalt sei eine Win-win-Situation für ihn gewesen. "Ich habe etwas Neues gelernt und konnte gleichzeitig meine Expertise einbringen."
Ingenieur aus Offenau gibt Einblicke in seinen Beruf
Der Schwerpunkt seiner Arbeit, der sich wie ein roter Faden durch seine Stationen zieht, ist das Thema "Erneuerbare Energien". In Israel hat der 43-Jährige beispielsweise an einer solaren Wasserstoffzelle geforscht. In Fukuoka ging es um Elektrolyse und Solarzellen und seit knapp einem Jahr liegt der Fokus seiner Arbeit auf nachhaltigem Flugbenzin.
"Wenn die Arbeit Spaß macht, ist man gut darin", sagt Dino Klotz bescheiden. Ein Notizbuch hat er immer mit dabei, um sich spontane Einfälle zu notieren.
Vom klaren Ingenieurstrieb und unbekannten Gewässern

Klotz sagt, er habe den klaren Ingenieurstrieb inne. Man habe gewisse Messdaten und wolle mehr dazu herausfinden. Messen, probieren, diskutieren und schauen, was Systeme effizienter und langlebiger macht - alles mit einem grünen Anstrich, beschreibt der ambitionierte Ingenieur seine Arbeit.
Es sei nie so gewesen, dass Klotz aus Deutschland weg wollte, sagt er. Vielmehr seien es die spannenden Aufgaben gewesen, die ihn in unbekannte Gewässer zogen. "Ich liebe die Herausforderung." Im Ausland gebe es ganz andere Möglichkeiten der Entfaltung und man müsse auch mal über den Tellerrand schauen. Das i-Tüpfelchen sei die Tatsache, dank der Arbeit an viele, spannende Orte zu kommen.
Warum Solarzellen in einer Wüstes schwierig sein können
Interessant findet der Ingenieur, wie weltweit mit einem bestimmten Thema umgegangen wird und was es lokal für Möglichkeiten gibt, dieses umzusetzen.
In der Wüste in Israel zum Beispiel gebe es reichlich Sonnenlicht. Eigentlich perfekte Voraussetzungen für Solarzellen. Aber, und das muss man beachten, betont Klotz: "Es gibt keinen Regen oder nur sehr wenig Regen, der die Solarzellen vom Staub befreien können. Das macht das Ganze schon schwieriger."
Arbeitsstelle nur fünf Minuten vom Meer entfernt
Seit einigen Monaten ist die US-amerikanische Stadt Berkeley das Zuhause des deutschen Ingenieurs. Die Firma dort ist von seiner Wohnung nur fünf Minuten mit dem Fahrrad entfernt. Außerdem befindet sich das Meer in unmittelbarer Nähe, wo er seinem neusten Hobby Windsurfen nachgeht.
Als Dino Klotz zu Corona-Zeiten in Japan arbeitete, habe er den Wassersport für sich entdeckt. Seine Aufenthalte im Ausland bedeuten eben nicht nur Arbeit, sondern auch Lifestyle.
Auch in der Region spielen Auslandseinsätze eine große Rolle für Unternehmen. Das Hohenloher Familienunternehmen EBM-Papst beispielsweise hat über 50 Standorte weltweit, darunter in Dubai, Schweden, China oder in den USA, informiert Nadine Ehrnsberger, die als Personalbereichsleiterin unter anderem die Entsendung der Ingenieure verantwortet.
Die Internationalisierung habe in den vergangenen fünf Jahren zugenommen, wobei Nadine Ehrnsberger betont, dass EBM-Papst schon immer ein internationales Unternehmen gewesen sei, das knapp 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland generiert. Vor allem junge Ingenieure würden einen regelrechten Sprung in ihrer Lebenserfahrung machen, wenn sie im Ausland waren. Eine andere Kultur, andere Arbeitsbedingungen, ein anderes Mindset und neue Freunde: Für die persönliche Weiterentwicklung, aber auch fürs
Oft kommt die Familie mit ins Ausland
Unternehmen selbst sei das eine Win-win-Situation. Ingenieure, die sich dafür entscheiden, für mehrere Jahre im Ausland zu arbeiten, werden geschult, erklärt Ehrnsberger. Jedes Land, jede Kultur sei anders.
Ist Familie mit im Spiel, beispielsweise Frau und Kinder, wird sich auch um Schulen oder Kindergärten gekümmert. "Von der Anfrage bis zum Flughafen und darüber hinaus - wir bieten ein Rundumsorglospaket, damit man sich ganz auf die Aufgabe vor Ort konzentrieren kann."
Audi: Mitarbeiter waren 2023 in 22 verschiedenen Ländern eingesetzt
Auch bei Audi sind Auslandseinsätze ein wichtiger Baustein für die Internationalisierung und die erfolgreiche Positionierung des Unternehmens auf den Schlüsselmärkten der Welt, sagt eine Sprecherin des Konzerns.
Bei Audi werde ein Auslandseinsatz als selbstverständlicher Bestandteil des Arbeitslebens von Fach- und Führungskräften angesehen. Im Jahr 2023 hatte die Audi AG (Ingolstadt und Neckarsulm) insgesamt rund 900 Mitarbeitende im Ausland, davon wurden zirka 150 Mitarbeitende vom Standort Neckarsulm aus in die Welt entsendet. "Insgesamt waren die Mitarbeitenden im Jahr 2023 in 22 verschiedenen Ländern eingesetzt, die meisten in China", so die Sprecherin weiter.
"Enormer Wissenstransfer" durch Auslandseinsätze
Auch für die Würth-Gruppe sei die internationale Zusammenarbeit, beispielsweise in den Bereichen Forschung und Entwicklung, ein wesentlicher Erfolgsfaktor, informiert eine Unternehmenssprecherin.
Die Bedeutung solcher internationalen Begegnungen sei seit Jahren sehr hoch, nicht zuletzt, weil damit ein enormer Wissenstransfer verbunden sei.

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