In der Sauna darf wieder richtig aufgegossen werden

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Lange Zeit war das Verwedeln heißer Luft in den Saunen der Region wegen der Corona-Pandemie untersagt. Jetzt ist alles wie früher.

Andreas Adler ist stellvertretender Teamleiter im Bad Rappenauer Rappsodie und bei den Gästen für seine intensiven Aufgüsse bekannt. Auf seinem Handtuch steht Wedelchamp.
Foto: Adrian Hoffmann
Andreas Adler ist stellvertretender Teamleiter im Bad Rappenauer Rappsodie und bei den Gästen für seine intensiven Aufgüsse bekannt. Auf seinem Handtuch steht Wedelchamp. Foto: Adrian Hoffmann  Foto: Hoffmann, Adrian

Viele Saunabesucher haben in den vergangenen Tagen mit Begeisterung festgestellt, dass in den Wellnesstempeln und Saunalandschaften in der Region wieder richtige Aufgüsse gemacht werden. Das heißt, es wird nicht nur Wasser auf die heißen Steine des Saunaofens gekippt, sondern die Luft wird im Anschluss mit Handtüchern verwedelt. Auch die Betreiber der Einrichtungen freuen sich über die Rückkehr zur Normalität.

Isolierschicht auf der Haut wird durchbrochen

Andreas Adler, stellvertretender Teamleiter und Aufgießer im Bad Rappenauer Rappsodie, kann die Freude der Kunden gut verstehen. "Ein richtiger Aufguss ist schon etwas anderes", sagt der Saunaexperte. Wenn die heiße Luft mit einem Handtuch verwedelt werde, dann durchbreche sie die Haftschicht auf der Haut. Das wiederum erzeuge den besonderen Hitzereiz, den viele Saunabesucher erleben möchten. Ohne diese Möglichkeit könne man machen, was man wolle - Aufgüsse ohne Luft verwedeln seien nicht vergleichbar intensiv.

Saunen waren von der Corona-Pandemie stark gebeutelt. Zur Hochphase der Pandemie hatten sie mehrere Monate geschlossen, später durften sie öffnen unter 2G-Bedingungen - aber nur mit unechten Aufgüssen, Wasser über die Steine und fertig. Dampfbäder mussten weiter geschlossen bleiben. Doch jetzt, seit dem 20. März und spätestens seit dem Wegfall der allgemeinen Maskenpflicht vor wenigen Tagen, ist wieder alles wie früher.

Mehr Eigenverantwortung

"Manche Gäste tragen auf den Laufwegen noch immer Masken", sagt Adler. Jeder dürfe das handhaben, wie er möchte - es gebe im Haus nur noch eine "Maskenempfehlung". Das Personal trägt noch Maske. Nur mit Aufguss in der Saunakabine ist sie aufgrund der hohen Temperaturen nicht vereinbar.

Auch in der Sinsheimer Badewelt gibt es seit drei Wochen wieder richtige Aufgüsse. "Über diese Möglichkeit sind Mitarbeiter und Gäste gleichermaßen erfreut", sagt Elena Auer vom Marketing der Therme. Das Verwedeln der Luft sei das i-Tüpfelchen beim Aufguss. Auer: "Wir haben in den vergangenen zwei Wochen durchweg positive Erfahrungen sammeln können." Man freue sich über die Gäste, die während der Zeremonien strahlten.

Neue Aufgüsse im Programm

Es sei bereits im Vorfeld ein neuer Aufgussplan entworfen worden. Neben altbekannten Favoriten wie dem AC/DC-Aufguss mit lauter Rockmusik gebe es nun neue Aufgüsse wie den "Shizukana Taoru" in der Koi-Sauna, die "Ladies-Only-Eiszeit" in der Tropensauna und die "Heidelberger Herrenrunde" im Holzstadl.

In Bezug auf den Wegfall der Maskenpflicht macht Elena Auer die Erfahrung, "dass es mehr Gäste gibt, die auf die Maske verzichten wollen". Dennoch werde sehr umsichtig und mit Abstand miteinander umgegangen. Auer: "Sowohl der Verzicht als auch das Tragen einer Maske wird respektiert und unsere Gäste handeln eigenverantwortlich."

Ebenso agiert man im Soleo in Heilbronn, im Solymar in Bad Mergentheim und im Aquatoll in Neckarsulm. Ihre Gäste seien ebenfalls sehr erfreut über die Änderung bei den Aufgüssen, sagt Sascha Vogt vom Aquatoll-Marketing. "Es hat allgemeine Begeisterung geherrscht, als unser Saunameister die Saunen wieder mit Fächer und Wedeltuch betreten haben." Die einzelnen Saunen seien zu den Aufgüssen nun wieder genauso voll wie vor der Pandemie.

Einzig im Spa des Wald- und Schlosshotels Friedrichsruhe finden noch keine Wedel-Aufgüsse statt. Die Anfragen danach seien noch sehr gering, sagt eine Sprecherin. Momentan sei man aber an der Ausarbeitung eines neuen Aufgussprogramms. Man freue sich sehr, dass man die Dampfbäder wieder in Betrieb habe nehmen können.

Wirrwarr um Corona-Verordnungen

Die Betreiber von Wellnesseinrichtungen verzweifelten in den vergangenen Monaten nicht nur an der Pandemielage selbst, sondern auch an komplizierten Bestimmungen. Timo Künzel, Betriebsleiter des Rappsodie in Bad Rappenau, berichtet, man habe die Auslegungen von Verordnungen im Team diskutiert. Oftmals habe es unterschiedliche Auffassungen gegeben, wie die Regeln zu verstehen sind. Auch jetzt: Dass Luft verwedelt werden darf bei Aufgüssen, hätten sie spät und mehr oder weniger zufällig erfahren. In der Corona-Verordnung stand nicht mehr "ist untersagt". Eine klare Wiedererlaubnis habe es nicht gegeben.

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