"Ich will Antworten auf meine Fragen"
Conny Haufe hat Demonstrationen organisiert, um Menschen zusammenzubringen. Der Zuspruch war groß. Jetzt hat sie die nächste Veranstaltung abgesagt, weil sie die Einhaltung der Hygienemaßnahmen nicht mehr garantieren kann.

Dreimal haben Conny Haufe und ihr Mann Thomas Reule Demonstrationen für die Grundrechte in Heilbronn organisiert. Dabei betont die 48-Jährige: "Ich bin kein Corona-Leugner."
Zuletzt besuchten mehr als 200 Menschen ihre Kundgebung auf dem Kiliansplatz. An diesem Samstag wollte das Paar eine Meditation am Soleo-Bad organisieren. Doch die Veranstaltung ist abgesagt. Über ihre Beweggründe spricht die Heilpraktikerin für Psychotherapie im Interview.
Sind Sie von Natur aus rebellisch?
Conny Haufe: Ich würde mich nicht als rebellisch bezeichnen - nein, ich bin kein Rebell.
Was waren dann Ihre Beweggründe, eine Demo zu organisieren?
Haufe: Ich sehe einfach viele Fragezeichen, und ich denke, vielen anderen geht es genauso. Es hat mich unglaublich irritiert, mit wie viel Angst in der Krise gearbeitet wird. Dann habe ich viel gelesen und gehört, das nicht zusammenpasst.
Was zum Beispiel?
Haufe: Während die Zahlen des Robert-Koch-Instituts nach unten gingen, wurden die Maßnahmen strenger. Auch jetzt, wo die Zahlen immer weiter sinken, gibt es keine Rückkehr zur Normalität. Ich habe das Gefühl, dass die Angst weiter aufrecht erhalten wird und eine Impfpflicht als einzige Lösung gilt. Ich frage mich, warum es keine Erkrankungswelle im Einzelhandel gibt, wo so viele arbeiten. Viele von uns sind einfach unsicher. Weil so viele Dinge unklar sind, ist eine verfahrene Situation entstanden, in der eine kontroverse Diskussion nicht mehr möglich scheint.
Was können Kundgebungen daran ändern?
Haufe: Mir geht es um Transparenz. Ich bin kein Corona-Leugner und kein Maßnahmen-Boykottierer. Ich wollte eine Plattform für den Austausch schaffen, weil ich selbst so viele Fragen habe. Ich verstehe einfach nicht, dass es eine Schlammschlacht um unterschiedliche Meinungen geben muss.
Für welche Seite demonstrieren Sie?
Haufe: Wir demonstrieren für Gespräche und Transparenz. Ich möchte meine Fakten selbst checken und finde, die Bürger haben das Recht, sich zu informieren. Ich selbst habe viel über Biologie, Medizin, Medien und Politik gelernt in den vergangenen Wochen. Es muss doch erlaubt sein, darüber zu reden und Fragen zu stellen.
Ist eine Demonstration dafür das richtige Mittel?
Haufe: Ich mache mir darüber viele Gedanken. Ich hätte beispielsweise auch lieber eine Podiumsdiskussion, bei der man über alle Sorgen sprechen kann. Es ist wichtig, offen und achtsam miteinander zu kommunizieren. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich sofort angegriffen werde, wenn ich eine Frage stelle. Ich suche nicht nach Verschwörungstheorien, ich will Antworten auf meine Fragen.
Bekommen Sie die auf der Straße?
Haufe: Dort geht es um Respekt und Freundlichkeit. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die Angst haben. Ich will nicht beschimpft werden, wenn ich anderer Meinung bin. Es muss mehr gesprochen werden.
Hatten Sie Sorgen, dass Trittbrettfahrer die Veranstaltung missbrauchen?
Haufe: Jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern. Wir haben uns klar positioniert, dass wir keine parteipolitische Veranstaltung sind. Wir demonstrieren nicht laut, das ist nicht mein Weg. Ich gehe davon aus, dass eine friedliche Haltung auch Frieden einziehen lässt.
Haben sich alle daran gehalten?
Haufe: Bisher ja, weil die Teilnehmerzahl überschaubar war. Wir waren bei der ersten Veranstaltung nur 30 Leute, weil wir den Termin absichtlich nicht veröffentlicht haben und nur im Freundeskreis davon erzählt haben. So war ein friedfertiges Treffen möglich.
Also ein Treffen unter Freunden?
Haufe: Wir wünschen uns einen bewussten Umgang miteinander. Deshalb wollten wir in dieser Woche auch meditieren statt demonstrieren. Wir bieten ein Miteinander und die Gelegenheit zu Gesprächen. Aus meiner therapeutischen Arbeit weiß ich, wie wichtig es ist, dass Menschen sich persönlich begegnen.
Hat Sie die wachsende Teilnehmerzahl überrascht?
Haufe: Wir haben viel positiven Zuspruch erfahren. Der Zuwachs hat mich nicht überrascht. Die große Zahl ist allerdings schwer mit den Auflagen zu vereinbaren.
Gibt es deshalb an diesem Samstag keine Kundgebung?
Haufe: Wir können die Einhaltung der Hygienemaßnahmen nicht mehr garantieren. Deswegen haben wir uns mit dem Ordnungsamt darauf verständigt, dass es nicht stattfinden kann, so lange die Vorgaben so streng sind.
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